Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?

Die Frage nach der Sicherheit des zukünftigen Heils des Gläubigen und der Möglichkeit des Abfalls.

Autoren: Thomas Jettel und z. T. Herbert Jantzen. Effretikon, 2003

Vorbemerkungen

Worum geht es und worum nicht?

a. Es geht nicht um die Unverlierbarkeit des Heils.

Wenn das NT eine Möglichkeit des Abfalls zulässt, lehrt es nicht die Verlierbarkeit des Heils! Das NT lehrt nicht, dass man das Heil verlieren kann. Weil Christen Menschen sind, die sich auf Christus verlassen, gehen sie nicht verloren. Sie können von Christus abfallen, aber Abgefallene sind nicht mehr Christen, sondern Nichtchristen. Verloren gehen nur Nichtchristen. Geht jemand verloren, der einmal Christ war, so geschieht es als Nichtchrist, nicht als Christ. Unter denen, die verloren gehen, gibt es keine Christen.

Das Heil „verliert” man nicht. Das Heil ist eine Person. Weil diese Person eine treue und ewiglich zuverlässige ist, kann man sie nicht verlieren. Folglich kann man auch das Heil nicht verlieren, denn das Heil ist Jesus Christus. Ihn kann man verlassen – und mit ihm das Heil – aber nicht verlieren.

Abfall ist nicht ein „Fehler”, nicht ein Mangel an Heiligkeit oder Siegesleben, auch nicht ein Weggehen von einer christlichen Gruppe. Abfall ist vielmehr eine völlige Absage an Christus und daher eine letztes Sichverschulden an Christus (ein Sündigen „mit erhobener Hand”; vgl. Heb 10,26; 4M 15,30).

Es geht also nicht um die Frage, ob ein Christ verloren gehen kann, sondern um die Frage, ob ein Wiedergeborener sich von der Wahrheit (und damit von Christus, Jh 14,6) abwenden kann.

b. Es geht nicht um die Frage, ob Gläubige Heilssicherheit haben können.

Das NT lehrt die Heilssicherheit des Gläubigen. Das Heil des Gläubigen ist deshalb sicher, weil der Christus, bei dem sich der Gläubige birgt, sicher ist. „Der Name des Herrn ist ein starker Turm; der Gerechte läuft dahin und ist in Sicherheit.” (Spr 18,10) Die „Burg” ist sicher; daher ist jeder sicher, der sich darin birgt.

c. Es geht nicht um die Frage der Treue Gottes.

Es geht nicht darum, ob Gott untreu wäre im Bewahren seiner Kinder, wenn eines sich von ihm abwendet. Des Menschen Untreue kann nicht Gottes Treue aufheben (Rm 3,3). Gott ist sich selber und seinem Wort gegenüber immer treu. Er kann sich selbst nicht verleugnen (2T 2,13).

d. Es geht nicht um die Frage der Sicherheit des gegenwärtigen Heils.

Das gegenwärtige Heil ist jedem Gläubigen sicher, weil und solange er glaubt. Das ist nicht die Streitfrage. Die Frage, die wir hier behandeln ist die nach der Gewissheit des zukünftigen Heils; d.h., es geht um die Frage, ob jeder, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Leben zum Glauben an Christus gekommen ist, das zukünftige Heil erlangen wird. Die meisten Christen sind sich darin einig, dass das NT lehrt, dass ein Wiedergeborener gewisse Bedingungen erfüllen muss, um das zukünftigen Heil zu erlangen: Er muss im Glauben bleiben, an der Wahrheit festhalten, darf Christus nicht ableugnen u.ä. Die Streitfrage ist, ob jeder Wiedergeborene diese Dinge ohnehin tun wird oder ob er aufgerufen werden muss, an der Wahrheit festzuhalten bzw. beim Herrn zu verharren, und gewarnt werden muss vor der Gefahr des Abfalls.

e. Es geht um die Frage, ob ein Wiedergeborener sich wieder von Christus abwenden (und dadurch zu einem Nichtchristen werden) kann.

D.h.: Kann ein Wiedergeborener Gott die (grundsätzliche) Treue gegenüber Gott aufkündigen? Kann er wieder zu einem Nichtgläubigen werden? Es geht um die Frage, ob man die sichere Burg Jesus Christus wieder verlassen kann (Spr 18,10). Der Schutzraum heißt Jesus Christus. Die entscheidende Frage ist: Gibt es die Möglichkeit, dass ein Christ den sicheren Turm (d.h., den von Gott angebotenen Schutzraum in Christo) wieder verlässt? – und zwar „freiwillig”, ohne Fremdeinwirkung von außen, so, dass er dadurch wieder zu einem Nichtchristen würde.

Die Bibel sagt, wenn er will, kann jeder Christ durch die Gnade Gottes und durch das vollkommene Opfer absolut sicher und bewahrt bleiben (Heb 10,10.14; Kol 2,6). Er hat durch die Wiedergeburt die Gnade, „in ihm” zu bleiben. Wenn ein Gläubiger sich auf Christus verlässt, kann ihm absolut nichts passieren. Er ist völlig sicher in Christus. Andererseits hat er aber auch die Möglichkeit, sich von Jesus Christus wieder völlig abzuwenden. Dieses wollen wir im Folgenden darlegen.

Die biblische Lehre von der ewigen Heilssicherheit der Glaubenden schließt die Möglichkeit des Abfalls Wiedergeborener nicht aus. Beide Lehren (die Heilssicherheit des Gläubigen und die Möglichkeit, zu glauben aufzuhören) sind biblische Lehren, die nicht im Widerstreit zueinander liegen. Die Bibelstellen, die belegen, dass unser Heil in Christus für ewig sicher ist, sind nicht notwendigerweise Belege dafür, dass ein Wiedergeborener in keinem Falle mehr zu einem Nichtgläubigen („Abgefallenen”) werden kann.

Dagegen ist eingewendet worden: „Wer sagt, Gläubige haben Heilssicherheit und könnten dennoch wieder zu Ungläubigen werden, schafft einen Widerspruch.” Es ist aber kein Widerspruch, denn meine Sicherheit des Heils liegt in dem Heil, nicht in mir. Mein Heil ist Jesus Christus. Solange ich mich daher auf ihn verlasse, ist mein Heil sicher. Dass diese „Burg” sicher ist, schließt nicht aus, dass ich freiwillig die Burg wieder verlassen kann.

Im Folgenden soll gezeigt werden, dass sich die beiden Lehren (Heilssicherheit einerseits und die Möglichkeit des Sichabwendens von Christus andererseits) nicht ausschließen.

Wie gehen wir mit dieser Streitfrage um?

Viele meiner Freunde, die ich überaus schätze, vertreten die Auffassung, dass Gläubige nicht mehr abfallen können. Dafür habe ich volles Verständnis, da ich über viele Jahre auch diese Auffassung vertrat. Wenn hier die Diskussion über diese Frage wieder aufgewärmt werden soll, dann deshalb, damit wir durch sachgemäße Beschäftigung mit vielen Stellen der Heiligen Schrift in der Erkenntnis der Wahrheit – und damit in der Erkenntnis Gottes – wachsen und Hilfen für den Umgang in der Seelsorge erhalten. Es ist mein Anliegen, dass keiner meiner lieben Geschwister, der in dieser Frage zu anderen Ergebnissen gekommen ist, sich mir gegenüber reserviert benimmt, weil ich die folgenden Zeilen veröffentlicht habe oder weil er eine andere Auffassung vertritt. Alle unsere Ergebnisse des Bibelstudiums sind vorläufige. Wir alle sind Lernende, und wir alle brauchen einander – besonders in der heutigen Zeit, in der die „Heiligen [an Zahl] abgenommen haben” (Ps 12,2 n. Luther).

Für sachliche Argumente und Rückmeldungen zu den angeführten Punkten wäre ich sehr dankbar, da auch ich weiter lernen will.

1. Das ewige Leben – ein Geschenk aus Gnade

„Rettung geschieht ohne Werke, ohne eigenes Zutun.”

Es wird oft argumentiert: „Der Christ ist gerecht aus Gnade, ohne eigenes Zutun – „nicht aus Werken” (Ep 2,8).„Der Glaube ist kein Werk, sondern die leere Hand, die sich zu Gott ausstreckt, um die freie Gabe des Heils in Empfang zu nehmen.” Und: „Wenn man das Heil nicht durch Werke verdienen kann, kann man es auch nicht durch Mangeln von Werken verlieren.”

® Bemerkung: Es stimmt: Der Glaube ist nicht ein „Werk des Gesetzes”. Er ist eine Handlung, die Gott von dem Menschen fordert, ohne die er nicht gerettet wird. Glaube ist die gehorsame Antwort auf den göttlichen Befehl „Tu Buße und glaube!” (Mk 1,15).

Vgl. Ag 6,7: „Auch eine große Menge der Priester gehorchte dem Glauben”; Rm 1,5: „Gehorsams des Glaubens”; Rm 6,17: „…aber ihr gehorchtet von Herzen dem Muster der Lehre”; Rm 10,16: „Jedoch nicht alle gehorchten der guten Botschaft”

Rm 15,18: „…zum Gehorsam der Heiden”; Rm 16,26: „…zum Gehorsam des Glaubens für alle, die von den Völkern sind

He 5,9: „… wurde er allen, die ihm gehorchen (d.h.: in der Bekehrung gehorchen), der Urheber einer ewigen Rettung”; 1P 1,2: „…zum Gehorsam gegenüber Jesus Christus”; Rm 1,17: „aus Glauben zu Glauben”.

Wer glaubt, trägt auch mit die Verantwortung, im Glauben zu bleiben: Es geht um ein Festhalten dessen, das wir in Jesus haben; dieses Festhalten wird im NT nicht als Gesetzeswerk betrachtet. 1Kr 15,2: „…durch die (d.h.: durch die gute Botschaft) ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet, was für ein Wort ich euch [als gute Botschaft] sagte, es sei denn, dass ihr ohne Grund [und ohne Erfolg] glaubtet

Nicht der Glaube ist das Geschenk, sondern das Heil! Ep 2,8 („und dieses nicht aus euch”) bezieht sich nicht auf das Glauben, sondern auf das Heil. (Man achte auf die drei verschiedenen grammatikalischen Geschlechter im griechischen wie im deutschen Text.) Glauben ist das, das wir zu tun haben; das Heil selber ist eine Gabe – auf Grund des Glaubens.

„Alles beruht auf Gott.”

Es wird oft argumentiert: „Das ewige Leben ist ein Geschenk. Errettung aus Gnaden heißt, dass alles auf Gott beruht (Pp 2,13) und nichts von uns Menschen abhängig ist. Der Mensch kann sich daher nicht seiner Werke rühmen; Ep 2,9. Würde jemand sein Vertrauen auf sich selbst setzen, würde er nicht gerettet werden. Ga 3,3.”

® Bemerkung: Diese Aussage ist richtig. Sie widerspricht aber nicht den anderen Aussagen der Heiligen Schrift, die anzeigen, dass man sich von Jesus wieder trennen kann. Das ewige Leben ist ein Geschenk für den Glaubenden. Das Heil ist in einer Person, ja, ist eine Person. Das ewige Leben ist nicht ein Etwas, das man besitzt, sondern es ist Jesus Christus. Wer den Sohn hat, hat deshalb „ewiges Leben”, weil der Sohn das ewige Leben ist. Wer gerettet werden will, muss sein ganzes Vertrauen auf diese Person setzen. Würde man diese Person fahren lassen, würde man damit auch das Heil fahren lassen.

Das ewige Leben ist laut 1Jh 1,5 eine Person – und laut Jh 17,3; Ga 2,20 und Jh 15 eine Beziehung zu dieser Person:

1Jh 1,2: “Das, das von Anfang war, das, das wir gehört haben, das, das wir mit unseren Augen gesehen haben, das, das wir anschauten und unsere Hände betasteten, über das Wort des Lebens – (2) und das Leben wurde offenbar, und wir haben gesehen und bezeugen und berichten euch das ewige Leben, das beim Vater und ihm zugewandt war und uns offenbar wurde”

5,11M.12: „Gott gab uns ewiges Leben, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat nicht das Leben.”

Darum ist der Besitz des ewigen Lebens abhängig von der Beziehung zu dieser Person:

Ga 2,19M.20 „Ich bin zusammen mit Christus gekreuzigt worden. (20) Aber ich lebe – nicht mehr ich: Christus lebt in mir. Was ich nun im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich liebte und sich selbst für mich hingab.”

Jh 17,3:„Das ist das ewige Leben: dass sie dich, den allein wahrhaftigen Gott, kennen mögen – und Jesus Christus, den du sandtest.”

GemäßJh 15 hat der Gläubige die Verantwortung, in dieser Lebensverbindung zu bleiben.

Er hat an der Wahrheit festzuhalten. Die Wahrheit ist eine Person. Wer zur Erkenntnis (epignoosis, d.h.: genaue Erkenntnis, Vollerkenntnis) der Wahrheit kommt (1T 2,5), kommt zur Erkenntnis Jesu Christi. Wer sich von der Wahrheit abwendet, wendet sich von Christus ab. Man kann nicht Jesus Christus wirklich erkennen (gr.: epiginooskein), ohne wahrhaft gläubig zu werden (2P 1,3). Wer zur Erkenntnis Christi gekommen ist, wird aufgerufen, darin zu bleiben. Erkenntnis ist mehr als ein Wissen; es ist auch ein Kennenlernen, ein Erfahrungmachen (vgl. das hebräische Wort für „erkennen” in 1M 4: „Adam erkannte Eva”; vgl. auch Jer 1,5.). Es gilt nun, in dieser Erkenntnis zu wachsen (2P 3,18).

Dass die Möglichkeit besteht, dass man sich von Christus wieder abwendet, nachdem man ihn erkannt hat (und von ihm erkannt wurde, Gal 4,9) zeigt 2P 2,20.21: „denn wenn sie, nachdem sie im Erkennen des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entflohen waren, wieder aber durch diese verstrickt und [dadurch] überwältigt werden, ist für sie das Letzte schlimmer geworden als das Erste, (21) denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihn erkannt hatten, umgewandt zu haben von dem heiligen Gebot, das ihnen übergeben war.” (Siehe die Diskussion zur Stelle unten).

„Das Leben ist nicht durch Werke zu verlieren.”

Es wird oft argumentiert: „Wenn man das ewige Leben nicht durch Werke erlangt hat, kann man es auch nicht durch Werke verlieren.”

® Bemerkung: Man erlangt das Leben (= Jesus) nur durch den Glauben, und man hält es nur durch den Glauben:

Rm 1,17: „… aus Glauben zu Glauben, so, wie geschrieben ist: 'Der Gerechte – aus Glauben wird er leben'“; Kol 2,6: „Wie ihr also Christus Jesus, den Herrn, annahmt, wandelt [fortwährend] in ihm

Bei Jesus zu bleiben, ist nicht ein Gesetzeswerk, sondern Ausdruck des Glaubens.

„Man kann sich des zukünftigen Heils rühmen.”

Es wird argumentiert: „Wenn der Besitz des ewigen Lebens nicht absolut gewiss wäre, könnte man sich Gottes nicht rühmen. Rm 5,1-3.510-11.”

Und: „Wenn der Herr uns schon durch sein vollkommenes Opfer von Feinden zu Kindern Gottes machen konnte, wie viel mehr kann und will er uns dann durch das irdische Leben als Gläubige hindurchretten und sicher ans Ziel bringen! Das tut Er, indem Er sich immer für uns einsetzt (vgl. Rm 8,32ff; Heb 7,25).”

® Bemerkung: Der Besitz des ewigen Lebens ist dem Glaubenden absolut gewiss („mittels des Glaubens”: 5,2). Würde er aufhören zu glauben, hätte er das ewige Leben nicht mehr. Solange man glaubt, kann man sich Gottes rühmen, da man sich ja auf einen Anderen verlässt, nicht auf sich selbst.

Zu Rm 5,10: „denn wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, werden wir vielmehr, nachdem wir versöhnt worden sind, gerettet werden in seinem Leben.” Auch hier geht es um solche, die sich einzig und allein auf Jesus Christus verlassen. Tun sie das, werden sie durchs ganze Leben hindurch bewahrt. Die Stelle sagt nichts aus über die Möglichkeit, dass ein Christ von sich aus die gesicherte Stellung in Christus verlassen und zu einem Nichtchristen werden kann.

„Das Ziel wird aus Gnaden erreicht.”

Es wird oft argumentiert: „Wenn wir aus Gnade gerettet worden sind, werden wir auch aus Gnade leben und aus Gnade das Ziel erreichen.”

® Bemerkung: Der Gläubige lebt aus Gnade. Es ist jedoch nicht zu vergessen, dass das Heil aus Gnade nur für den ist, der glaubt. In der Gnade steht man, solange man glaubt. Wer sich auf eigene Werke verlässt und nicht mehr allein auf das Werk Jesu vertraut, ist aus der Gnade gefallen.

Es besteht die Möglichkeit, dass Christen aus der Gnade fallen (Ga 5,1-5) (z.B. indem sie versuchen, neben dem Werk Christi noch andere Werke hinzuzufügen). Paulus sagt zu ihnen: „ihr wurdet weggetan von Christus, so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr fielt aus der Gnade”.

Es wird oft argumentiert, die Galater hätten lediglich das Prinzip der Gnade preisgegeben und brächten daher keine Frucht mehr und seien kein gutes Zeugnis mehr für kommende Generationen (d.h.: das christliche Zeugnis in dieser Gegend würde schließlich erlöschen).

® Bemerkung: In Ga 5 geht es aber um mehr als um Verlust des Zeugnisses und des Lohnes (diese werden auch nicht erwähnt). Die Galater stehen in Gefahr alles dranzugeben. In Ga 5 ist das Thema „Rechtfertigung – durch Gesetz oder durch Gnade?” Sie waren daran, die Gnade fallen zu lassen. Damit haben sie Christus verlassen, den Boden der Gnade. Auf diese Weise aber schließen sie sich aus vom zukünftigen Heil (d.h.: davon, in der Zukunft als Gerechtfertigte dazustehen vor Gott): denn (V. 5:) durch den Geist, aus Glauben, warten wir auf die Hoffnung der Gerechtigkeit (hier ist der zukünftige Aspekt des Heils im Auge). D.h.:Gerechtigkeit als Hoffnungsgut (die zukünftige Gerechtigkeit / das zukünftige Gerechtsein vor Gott) ist etwas, das man durch geduldiges Glauben erlangt (vgl. auch Heb 6,12: „damit ihr nicht träge werdet aber Nachahmer derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben”). Wer zum Gesetz zurückkehrt (als Heilsmittel), der lässt den Glauben fahren, und damit lässt er Christus fahren – und das Heil.

2. Das Heil – vollkommen, vollständig und ewig

„Das objektive Werk Gottes ist unerschütterlich.”

Argument: Die Wiedergeburt ist ein objektives Werk Gottes. Dieses ist ewig und unerschütterlich.

Antwort: Ja. Glaube und Umkehr hingegen sind von Gott befohlen. Den Glauben gilt es zu bewahren.

 „Wir sind für immer vollkommen gemacht.”

Es wird oft argumentiert: „Durch das einmalige Opfer Jesu Christi ist der Glaubende für immer vollkommen gemacht (Hebr 10,14). Das Heil, die Vergebung, ist vollkommen, vollständig und ewig. Heb 8,12; 9,12; 10,10.12.14. Wir sind in Christus bei Gott so angenommen, wie auch Christus angenommen ist. Und er ist für ewig angenommen. Daher ist es ausgeschlossen, dass ein Wiedergeborener verloren geht.”

® Bemerkung: Heb 10,10-14: „In diesem Willen sind wir Geheiligte durch das Darbringen des Leibes Jesu Christi ein für alle Mal. Und jeder Priester steht und leistet Tag für Tag Dienst und bringt dieselben Opfer vielmals dar, welche niemals im Stande sind, Sünden wirklich wegzunehmen. (12)Aber er, nachdem er ein Opfer für Sünden dargebracht hatte – für immer –, setzte sich zur Rechten Gottes, (13) im Weiteren darauf wartend, [dass und] bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden, (14) denn mit einer Darbringung hat er für immer zur Vollendung gebracht die, die geheiligt werden.”

Der Begriff „für immer” steht im Gegensatz zu Heb 10,1.3.11 (alljährlich, Tag für Tag aufs Neue). D.h., die Vergebung ist eine gänzliche; kein weiteres Opfern ist nötig (Heb 10,15-18). Der Glaubende muss nicht stets aufs Neue Opfer darbringen für jeweils neue Sünden, sondern er ist gereinigt. Das eine Opfer gilt für allemal, für jeden weitern Fall des Sündigens.

Wie kommt man in den Genuss dieses vollkommenen Opfers? – Dadurch, dass man an Christi vollkommenes Opfer glaubt, es in Anspruch nimmt.

Wie lange bleibt man im Genuss dieses Opfers? – Solange man glaubt (vgl. Heb 10,22.35; 1Kr 15,2; Kol 1,23). Christi Blut spricht für den Glaubenden. Es schreit für ihn zum Himmel (Heb 12,24). Sein Gewissen (und die Sündenvergebung) ist vollkommen und rein dadurch, dass er Christi Opfer angenommen hat.

Sein Angenommensein in Christus – aufgrund des Glaubens – ist vollkommen, weil das Opfer vollkommen ist. Gott sieht auf das Opfer Christi, nicht auf die Unvollkommenheit des Gläubigen. Christi Blut gilt für den Glaubenden in alle Ewigkeit. Solange er sich darauf beruft, ist er im Gewissen „vollkommen”. Die Vollkommenheit in Christus und unser völliges Angenommensein in ihm schließt nicht eine Abfallmöglichkeit aus. Würde man sich von Christus abwenden, dann würde man sich von diesem vollkommenen Heil trennen. Daher der Aufruf zu weiterem Vertrauen und Festhalten:

Heb 4,14: „Da wir also einen großen Hohen Priester haben, der durch die Himmel ging, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns das Bekenntnis festhalten”

Heb 6,11.12: „Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Fleiß erweise – hin zur vollen Gewissheit der Hoffnung, bis zum Ende, damit ihr nicht träge werdet aber Nachahmer derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben.”

Heb 10,22f: „lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Zuversicht des Glaubens. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken, denn der Verheißende ist treu; und lasst uns auf einander achten, um anzuspornen” … V. 35.36: „Werft also eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Vergeltung hat, denn ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung [d.h.: die Verheißungserfüllung] davontragt”

Heb 12,25.28.29: „Seht zu, dass ihr den Redenden nicht abweist, denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf der Erde Weisung gab, wie viel mehr werden wir nicht entkommen, wenn wir uns von dem abwenden, der es vom Himmel her tut,… (28) Darum, da wir ein unerschütterliches Königreich in Empfang nehmen, mögen wir Gnade haben, durch die wir Gott in angenehmer Weise [in Verehrung] dienen mögen ­– mit Scheu und mit gewissenhafter Haltung, (29) denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.”

Die Tatsache, dass Gottes Heil für den Glaubenden ewig und vollkommen ist, widerspricht nicht der Lehre des NT, dass die Möglichkeit bleibt, sich von diesem ewigen Heil wieder zu entfernen.

„Christi Opfer bürgt für die ewige Sicherheit der Kinder Gottes.”

Es wird oft argumentiert: „Wer die ewige Sicherheit der Kinder Gottes anzweifelt, leugnet die Wirksamkeit des Opfers Jesu Christi.”

® Bemerkung: Wer (in biblischer Ausgewogenheit) lehrt, dass es möglich ist, dass Christen sich wieder von Christus abwenden können, zweifelt nicht die Sicherheit der Kinder Gottes an. Diese Sicherheit gilt für die, die glauben und an Christus bleiben. Die vollkommene Vergebung, die Wirksamkeit des Opfers Christi und das Vollkommengemachtsein in Gottes Augen gilt den Glaubenden. Alle diese Heilsgüter sind an den Glauben des Einzelnen gebunden. Gott wird die Glaubenden – solange sie Glaubende sind – keineswegs verwerfen. Gottes Kinder sind in Christus immer sicher, d.h.: sie erlangen das zukünftige Heil, solange sie im Glauben bleiben.

Wer von einem Christen zu einem Nichtchristen geworden ist, hat sich von Christus abgetrennt. Er ist aus der Gnade „gefallen” und hat nichts mehr, worauf er sich berufen könnte.

Gläubige werden aufgerufen, im Glauben und in der Gnade zu bleiben. Wer sagt, dass die Bedingung, um bei Christi Wiederkunft gerettet zu werden, die ist, dass man im Glauben bleibt, lehrt nicht etwas anderes als was das NT lehrt.

Der Aufruf zum Bleiben richtet sich an Glaubende, nicht an Mitläufer.

Ag 11,23: „Er rief sie alle auf, mit Vorsatz des Herzens am Herrn zu bleiben”

Ag 13,43: „Paulus und Barnabas, welche zu ihnen redeten und ihnen Vertrauen zuflößten, ganz bei der Gnade Gottes zu bleiben”

Ag 14,22: „…festigten die Seelen der Jünger, riefen sie auf, im Glauben zu bleiben”

Wiedergeborene müssen aufgerufen werden, am Herrn zu bleiben. Es ist also nicht so, dass sie ohnehin bleiben werden. Sonst wäre dieser Aufruf nicht sinnvoll.

1Kr 15,2: „durch die [gute Botschaft] ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet, was für ein Wort ich euch [als gute Botschaft] sagte”

Kol 1,22.23: „…umeuch vor ihm als Heilige und Tadellose und Unanklagbare darzustellen, unter der Voraussetzung, dass ihr im Glauben bleibt, gegründet und gefestigt seiend, und euch nicht abbewegen lassend von der Hoffnung der guten Botschaft, die ihr hörtet”

1T 2,15: „Sie (d.h.: die Frau) wird aber [bewahrt und]gerettet werden durch das Kindergebären hindurch, wenn sie (d.i.die Frauen, jede einzelne von ihnen) im Glauben bleiben und in der Liebe und in der Heiligung, verbunden mit einem gesunden Sinn [und Zucht].”

1T 4,16: „… denn indem du dieses tust, wirst du sowohl dich selbst [bewahren und]retten als auch die, die dich hören”

Heb 10,35-39: „Werft also eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Vergeltung hat, denn ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt, … Aber der Gerechte wird vom Glauben her [o: aus Glauben] leben. Und wenn er (d.i. der Gerechte) zurückweicht, hat meine Seele nicht Wohlgefallen an ihm. Aber wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele alsBesitz.”

1P 1,5: „die wirin der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden für die Rettung” Beachten wir: Beide Elemente sind nötig, nicht nur die Kraft Gottes, sondern auch der Glaube, der diese in Anspruch nehmen darf.

Der Gläubige wird aufgerufen, nicht aufzuhören zu glauben, bzw. die angefangene Hoffnung nicht fahren zu lassen (Heb 3,6.14; 6,11f; 10,23ff; 12,25; 1P 5,9 u.a.)

Anmerkung zu den Stellen, die Christen aufrufen, im Glauben zu bleiben:

Wenn jemand aufgerufen werden muss, weiterhin zu glauben wie bisher, kann der Aufgerufene nicht ein Mitläufer, Ungläubiger, Nichtwiedergeborener sein. Der bisherige Glaube kann dann nicht ein ungenügender Glaube oder Unglaube oder “Kopfglaube” gewesen sein, denn er wird ja nicht aufgerufen, eine andere Art/Qualität von Glauben zu beginnen, sondern er wird aufgerufen, weiterhin zu glauben, und zwar so zu glauben wie bisher. D.h.: Er soll in eben dem Glauben bleiben, den er hatte, soll sich nicht abbringen lassen (z. Bsp. Kol 1,23).

Wenn aber sein bisheriges Glauben das richtige/echte Glauben war, müsste er nicht mehr dazu aufgerufen werden, standhaft im Glauben zu bleiben [o: in Christus zu bleiben], denn nach dieser Lehre bleiben echte Wiedergeborene ohnehin standhaft.

Dann müssten Wiedergeborene auch nicht aufgerufen werden zu Nüchternheit und Wachsamkeit vor dem umherschleichenden Widersacher (1P 5,8), auch nicht dazu, ihm im Glauben zu widerstehen (V. 9), denn Wiedergeborene widerstehen (gemäß dieser Lehre) ohnehin, und der Widersacher kann sie ohnehin nicht verschlingen[1].

Man kommt also in ein Dilemma. Das Dilemma wird auch nicht dadurch gelöst, dass man sagt, der Apostel habe zum Festhalten und Bleiben im Glauben aufgerufen, weil er nicht wusste, wer von den Briefempfängern wirklich wiedergeboren wäre und wer nicht. Das würde bedeuten, Nichtwiedergeborene würden aufgerufen, etwas festzuhalten, das sie noch nie hatten, und in etwas zu bleiben, in dem sie noch gar nicht waren; und Wiedergeborene würden aufgerufen etwas festzuhalten, das sie ohnehin festhalten würden, weil ja Wiedergeborene (gemäß dieser Lehre) ohnehin (d.h.: auch ohne Aufruf) das Ziel erreichen werden.

Das NT gibt hingegen klare Hinweise darauf, dass die Menschen, an die die neutestamentlichen Briefe gerichtet sind, als Heilige, Gläubige, Wiedergeborene betrachtet wurden (z. Bsp. im Hebr: 3,1; 10,32ff; 12,4-11; 12,18ff; 13,5-7.10.18ff).

Das Dilemma wird auch nicht dadurch gelöst, dass man sagt, Gott bewahre seine Kinder durch eben diese Aufrufe und Warnungen. Dann bekommt man das „Problem”, dass Gott seine Kinder vor etwas warnen würde, das diesen ohnehin niemals passieren könnte; denn wenn Wiedergeborene per Definition nicht abfallen können, ist es nicht nötig, sie vor Abfall zu warnen. Eine Warnung vor Abfall ist nur dann angebracht, wenn die Gefahr auch tatsächlich vorhanden ist.

Den Schluss „Wenn einer nicht mehr an Jesus glaubt, war er nie gläubig” dürfen wir erst dann ziehen, wenn wir Fakten haben. Ob ein sog. „Abgefallener” einmal Christ war oder tatsächlich nie wiedergeboren war, muss in jedem Fall untersucht werden. Jesus berichtet von solchen, die nie wirklich gläubig waren (z. Bsp. von den Leuten, in deren Straßen Jesus war und die dann mit ihm zogen und in seinem Namen Wunder taten, ohne ihn wirklich als Herrn zu kennen und von ihm gekannt zu sein, Mt 7,22.23). Das heißt aber nicht, dass es sich bei jedem, der sich von Christus und der Wahrheit abwandte, um einen solchen handelt, der ihn nie kannte.

(Nb: Jesus sagt über die Seinen: „Ich kenne meine Schafe”, und er sagt über Ungläubige, die mit ihm Kontakt hatten, aber nie wirkliche Gläubige waren: „Ich habe euch nie gekannt.” Die einen kennt er; die anderen kannte er nie. Sind damit alle Gruppen von Menschen erfasst? Es gibt daneben noch die Gruppe derer, die ihn offen ablehnten, und noch die Gruppe derer, die Gläubige gewesen waren und dann abgefallen waren. Um letztere geht es in Mt 7,22f nicht.)

Es gibt übrigens auch in Kreisen, in denen die Unmöglichkeit des Abfalls gelehrt wird, solche, die sich früher ihres Heils sicher waren, dann aber doch abfielen.

Z. Bsp.: Hier ist ein Bruder, der sich seines Heils (und der Tatsache, dass er nicht mehr abfallen kann!) absolut sicher ist. Schließlich fällt er doch ab. Wenn ich dann sage, jener „Bruder” sei (trotz aller Anzeichen von Wiedergeburt) nie wiedergeboren gewesen, muss ich mich fragen, wieso ich denn von mir selbst so genau weiß, dass ich niemals abfallen werde. Es könnte ja ebenso sein, dass ich mich getäuscht habe und gar nicht wiedergeboren bin (trotz der Anzeichen von Wiedergeburt, die bei mir zu sehen sind), denn was für den jenen Bruder gilt, gilt auch für mich. Beide, er, der abfiel, und ich, der ich ihm das (vorige) Heil abspreche, glaubten an die Unmöglichkeit des Abfalls.

Auf diese Weise kann die Auffassung, dass jeder, der abfällt, nie wahrhaftiger Christ gewesen ist, zu großer Unsicherheit des Heils führen. Auch kann dann niemand mit Gewissheit sagen, ob sein Mitchrist ein echter Christ ist. Das kann dann zu Reserviertheit gegenüber dem Mitbruder führen. Solches lehrt uns das NT aber keineswegs. Im NT nimmt man die Gläubigen ernst und behandelt sie als Wiedergeborene.

3. Gottes Liebe und Treue

„Nichts kann von Gottes Liebe scheiden.”

Es wird oft argumentiert: „Nichts und niemand kann einen Gläubigen von Gottes Liebe scheiden. Rm 8,38f.”

® Bemerkung: Nichts vermag diejenigen von Gottes Liebe zu trennen, die Gott lieben (Rm 8,28). Es ist ein charakteristisches Merkmal von Wiedergeborenen, dass sie Gott lieben. Nichts kann solche Menschen, die sich auf Jesus Christus verlassen, von Gottes Liebe trennen – nichts von den dort aufgezählten Dingen, also keine Anfechtung, keine sonstigen Bedrängnisse (z.B. durch Finsternismächte). Das bedeutet: Kein Druck ist so groß, dass er uns von Jesus Christus wegbringen könnte. (Nb.: Es fällt auf, dass in der Aufzählung eigene „Sünde” fehlt.)

Die besondere Liebe Gottes gilt den Glaubenden. Die Stelle sagt nicht aus, dass einer, der Gott liebt, nicht mehr die Möglichkeit hätte, sich selbst aus dem Bereich der Liebe hinauszubegeben. Dass der Christ nicht selber verantwortlich sei, in der Liebe Gottes zu bleiben, ist nicht eine Lehre der Heiligen Schrift.

Judas sagt in V. 21: „Geliebte …, bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und wartet dabei auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus (hin) zum ewigen Leben.”

„Gott bewahrt mich vor mir selbst.”

Es wurde argumentiert: „Der größte Feind ist mein eigener Wille. Mein größter Widersacher bin ich selbst. Würde Gott mich nicht vor mir selbst bewahren, lieferte er mich meinem schlimmsten Feind aus.”

® Bemerkung: In Rm 8,35-38 geht es um Fremdeinwirkung. Und es wird vorausgesetzt, dass ich auf Jesus Christus vertraue, ihn liebe (V. 28), mich in Christus Jesus befinde (V. 39). Der Bereich der Liebe Gottes ist in Christus, nicht außerhalb von ihm. Wenn ich Angst vor meiner eigenen Sünde habe, ist dies gut so, denn das wird mich zu Jesus treiben. So kann er mich bewahren. Würde ich mich nicht von Jesus bewahren lassen, würde ich mich in Gefahr begeben, und er könnte mich nicht bewahren. Wenn ich mich bei ihm berge, bin ich in Sicherheit.

Vergessen wir nicht, dass der Herr auch an meinem Wollen wirkt, wenn ich dazu bereit bin (vgl. Pp 2,12f. Nb.: Gott wirkt das Wollen in dem, der dem Evangelium gehorcht und mit Furcht und Zittern daran bleibt, V. 12, und in dem, der das Wort Gottes darhält, V. 16). Ich darf den Herrn bitten, in mir zu wirken, dass ich will, was er will. Der Herr wird das Gebet erhören. Aber er will erbeten sein! Würde ich nicht beten (sondern auf mich selbst vertrauen), könnte der Herr nicht tun, was er gerne in und an mir vollbringen möchte.

Jk 4,2 beweist, dass der Herr nicht automatisch wirkt, sondern auf Gebet hin: „Ihr habt nicht – deswegen, weil ihr nicht bittet.” (D.h., sie hätten, wenn sie gebetet hätten!)

„Gott verleugnet sich selbst nicht.”

Ein anderes Argument: „Sind wir untreu, er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen. (2T 2,13) Er wird uns immer treu bleiben. Daher können Christen nicht abfallen.“

® Bemerkung: Nicht folgerichtig! Die Treue Gottes gilt zuallererst sich selbst und seinem Wort. Gott bleibt denen treu, die sich ihm und seinem Wort täglich vertrauen; dh. Gott bleibt den Glaubenden treu. Die Aussage, dass Gott treu zu seinen Verheißungen steht, ist wahr, unabhängig von der Frage, ob jemand, der zum Glauben an Christus gekommen ist, die Möglichkeit hat, von Christus wieder wegzugehen (d.h. Christus zu verwerfen). Gottes Treue wird durch die Untreue des Menschen nicht in Frage gestellt (Rm 3,3).

Gottes Treue besagt nicht, dass jemand nicht die Möglichkeit hätte, sich aus dem Raum der göttlichen Treue und Liebe wieder hinauszubegeben. Das NT spricht von der menschlichen Verantwortung zu bleiben: in der Liebe Gottes (Ju 21), im Wort Gottes (Jh 8,31), im Glauben (1T 2,15; Kol 1,23; Ag 14,22), in Christus (Jh 15,6), am Herrn (Ag 11,23), bei der Gnade Gottes (Ag 13,43). Gott hat nicht verheißen, dass jemand, der sich einmal bekehrt hat und wiedergeboren wurde, ohne weiteres das ewige Heil erlangen werde, egal was er tut und wie er sich im Weiteren Christus gegenüber verhält.

Gerade in Verbindung mit der oben erwähnten Stelle sagt der Apostel: „Erdulden wir mit Ausdauer, so werden wir als Könige mitherrschen. Verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen.” 2Tm. 2,12). Sind wir untreu, so bleibt er treu – nicht mir gegenüber (denn er wird mich verleugnen, wenn ich ihn ableugne, gr. „nein sage“ zu ihm). Wem gegenüber bleibt Gott treu, wenn wir untreu sind? - Sich selbst gegenüber. Seinem Wort gegenüber bleibt er treu! Wenn ich ihm untreu bin (und ihn ableugnen würde), betrifft dies nicht seine Treue. Er bleibt sich selbst treu. Gott hat sich mir gegenüber verpflichtet, aber nur solange, als ich im Glauben bleibe, in seiner Liebe bleibe. Was er gesagt hat, ändert er nicht: Er bleibt seinem Worttreu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Vgl. Ps 25,3: „Keiner wird zuschanden, der deiner harrt, aber zuschanden werden die, die untreuwerden.”

Wer einem so wunderbaren Herrn die Treue aufkündigt, ist ohne Entschuldigung. Weil er uns so viel Gnade und Kraft zur Verfügung stellt und so viele Verheißungen gegeben hat, gibt es keine Entschuldigung für Untreue.

Deshalb dürfen wir dann mit dem Psalmisten beten: „Veranlasse mich, in deinen Wegen zu wandeln!” (Ps 25,4).

Wir dürfen uns immer wieder ganz von ihm abhängig machen.

Herbert Jantzen: „Dass jeder Christ treu bleibt, ist nicht selbstverständlich. Nicht jeder, der in die Nachfolge Jesu Christi tritt, erreicht das ewige Ziel. Rm 8,17: Wir sind Gottes Erben und Christi Miterben, unter der Bedingung, dass wir mitleiden, damit wir auch mit verherrlicht werden. Christen könnten verdorben werden [Rm 14,15: Verdirb nicht mit deiner Speise denjenigen, für den Christus starb. Vgl. auch 1Kr 3,17, TJ.] Das uns Anvertraute haben wir zu bewahren:

1T 6,20.21: 'O Timotheus, verwahre das Anvertraute; meide dabei stets das profane, leere und ergebnislose Gerede und Gegenaufstellungen der fälschlicherweise benannten Kenntnis. Einige bekannten sich dazu und vertraten sie. Dabei verfehlten sie, hinsichtlich des Glaubens, das Ziel.' Heb 12,14.15: 'Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.'”

Nb: Wer sagt, die Stelle Hebr. 12,14 beziehe sich auf das Geheiligtsein, das man durch die Wiedergeburt bekommt, möge bedenken: Das gesamte Kap. 12 ist eindeutig an Christen gerichtet, nicht an Mitläufer. Außerdem sollte ansonsten der Aufruf nicht einer zum Jagen nach der Heiligung sein, sondern zum Jagen nach der Buße und dem Glauben.

4. Gottes Macht

„Wenn er in uns lebt, können wir nicht untergehen.”

Es wird argumentiert: „Jesus Christus ist auferstanden, um nie mehr zu sterben (Rm 6,9; Heb 7,25; vgl. Mk. 4,35ff). Sein alles überwindendes Leben ist unser überwindendes Leben. Er ist unser Leben selbst. Daher können wir nicht untergehen.“

® Bemerkung: Nicht folgerichtig! Die angeführte Wahrheit schließt nicht aus, dass wir nicht von dem Herrn Jesus weggehen können. Wenn er unser Leben ist, wird damit nicht geleugnet, dass wir uns nicht mehr von ihm, dem Leben, abwenden können.

„Der Herr Jesus hat für die Bewahrung gebetet.”

Es wird oft argumentiert: „Der Hohe Priester Jesus Christus betete dafür, dass der Glaube des Petrus nicht aufhöre. Lk. 22,31f. Ebenso betet er für den Glauben der Erlösten. Jh 17,11M: ‚Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast’ V. 15: ‚Ich erbitte nicht, dass du sie aus der Welt heraus wegnimmst, sondern dass du sie bewahren möchtest vor dem Bösen.’ V. 20: ‚Aber nicht betreffs dieser allein erbitte ich, sondern auch betreffs derer, die durch ihr Wort an mich glauben werden’ V. 24: ‚Vater, die, die du mir gegeben hast, – ich will, dass auch dieselben bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gabst.’ Vgl. 1.Jh 2,1f; Rm 8,34; Heb 6,20; 7,23-25

® Bemerkung: Dass Jesus heute im Himmel für die Glaubenden betet, steht so nicht in der Bibel. Er tat es allgemein, als er noch auf Erden war (Jh 17), aber er tut es in diesem Sinne nun nicht mehr; denn er selbst ist Gott und völlig eins mit dem Vater. Sein Wille und der Wille des Vaters sind eins. Wenn er sich für die Heiligen verwendet (Heb 7,25; Rm 8,26.34), bedeutet dieses, dass er der Garant des Heils der Glaubenden ist. Er ist als Hoher Priester in das Allerheiligste eingegangen und präsentiert nun sein Blut für uns vor Gott. Sein Hohes Priestertum bezieht sich auf das Opfer, das er gebracht hat.

Für Petrus betete Jesus, dass sein Vertrauen in einer bestimmten Situation, der er ausgesetzt werden sollte, nicht ablassen möchte (Lk. 22,31f). Er wusste um Petrus’ Grundeinstellung, um seine Liebe und Hingabe. Der Herr gab ihm eine besondere Verheißung für seine Lage. Dieselbe Verheißung gilt nicht automatisch jedem Christen.

Zu Heb 7,25: Den, der [immer wieder, o: im fortgesetzten Sinn] zu Gott hinzutritt, bringt er ans Ziel. (Das griechische Partizip Präsens legt den durativen Aspekt nahe.)

„Man wird aus Gottes Macht bewahrt.”

Oder man argumentiert: „Der Glaubende wird aus göttlicher Macht bewahrt zum Heil (1Pe 1,5; 5,10; Jud 24; Jh 10,28ff; vgl. 2T 1,12). Die Macht Gottes steht über dem Glauben. Diese Macht Gottes bewahrt auch meinen Glauben.”

® Bemerkung: Gott lässt solche, die glauben, nicht los, weil er bestimmt hat, dass allein der Glaube die Bedingung des Heils ist. Gott hat verheißen, dass er denjenigen, der im Glauben bleibt, bewahren wird, wie ein Vater sein Kind bewahren wird. Gott hat nicht verheißen, dass er machen wird, dass jeden, der zu einem bestimmten Zeitpunkt an ihn glaubt, für immer im Glauben bleiben wird.

Beachten wir, dass in den oben angeführten Stellen nicht gesagt wird, dass die göttliche Bewahrung so weit geht, dass sie den Menschen, der sich von Christus lossagen will, zwingt, bei Christus zu bleiben, sodass er unter keinen Umständen zu glauben aufhören kann. Gott bewahrt den, der sich bewahren lässt. Vgl. 2P 2. (s. unten). 1P 1,5 betont, dass die göttliche Macht „durch Glauben” wirksam wird. Würde der Mensch nicht im Glauben bleiben, könnte er sich nicht auf die bewahrende Macht Gottes berufen.

Von der Verantwortung des Menschen, in Jesus bzw. im Glauben zu bleiben, sprechen viele Stellen. Einige seien hier nochmals angeführt: 

Ag 11,23: „er rief sie alle auf, mit Vorsatz des Herzens am Herrn zu bleiben”

Ag 13,43: „Paulus und Barnabas, welche … ihnen Vertrauen zuflößten, ganz bei der Gnade Gottes zu bleiben”

Ag 14,22: „festigten die Seelen der Jünger, riefen sie auf, im Glauben zu bleiben”

1Kr 15,2: „durch die [gute Botschaft] ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet”

Kol 1,22.23: „…umeuch vor ihm als Heilige und Tadellose und Unanklagbare darzustellen, unter der Voraussetzung, dass ihr im Glauben bleibt, … euch nicht wegbewegen lassend von der Hoffnung der guten Botschaft”

Heb 10,35-39: „Werft also eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Vergeltung hat, denn ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt, … Aber der Gerechte wird vom Glauben her leben. Und wenn er (der Gerechte) zurückweicht, hat meine Seele nicht Wohlgefallen an ihm. Aber wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele alsBesitz.”

1P 1,5: „die wirin der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden für die Rettung”

„Niemand kann Kinder Gottes aus Jesu Hand reißen/rauben.”

Sehr oft wird unter Berufung auf Jh 10 gesagt: „Niemand kann ein Schaf Christi aus Christi Hand reißen, da Christus ihn festhält (Joh 10,27-30).”

® Bemerkung: In Joh 10 sind drei Parteien/Personen: 1. Der Hirte (der Vater und der Sohn), 2. Das Schaf (d.h.: ich). Um dieses geht es. 3. Jemand, anderer als die „Schafe” und der „Hirte”, d.h.: jemand, der mich von Christus wegreißen will (gegen meinen Willen natürlich). Jesus spricht hier von Fremdeinwirkung. Es geht um ein Rauben. Beachten wir: „nicht jemand” (so wörtlich) „kann sie aus Jesu Hand reißen“. Dieser „Jemand” ist jemand anderer als der Hirte und das Schaf, d.h.: dieser Jemand bin nicht ich (denn ich will ja bei Jesus bleiben, was in Jh 10 vorausgesetzt wird, denn die Schafe folgen Jesus). Niemand kann mich (der ich Jesus Christus nachfolge) als sein Schaf von Christus wegreißen, weil er mich hält. Er hält mich im Einklang mit meinem Willen, denn ich glaube ja an diesen Christus, folge dem Hirten, vertraue mich ihm an. Jesu Schafe sind daher sicher vor jedem, der sie rauben will. Ihre Sicherheit ruht nicht in ihnen, sondern in eben der Person, der sie vertrauen. Diese Person ist eine sichere Festung. Würden sie sich aus dieser „Festung” herausbegeben”, wären sie nicht mehr sicher (und der Feind könnte sie wieder erfolgreich angreifen, vgl. 1P 5,8f).

Zu Joh 10,28: „Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie kommen gar nicht um, in Ewigkeit nicht.”:

Die Sicherheit des „Schafs” besteht in dem Ruhen in der Hand des Hirten. „Schaf” ist jeder, der sich auf Jesus verlässt. Das Heil des Christen besteht also in der Person, auf die er sich verlässt. Das ewige Leben und die Heilssicherheit des Glaubenden ist in dieser Person. Von dieser Person aus gesehen, ist es unmöglich, dass dem Schaf etwas „passieren” könnte. Es geht nicht verloren. Gläubige (= Glaubende) sind in Christus völlig sicher. In diesem Sinne ist das Heil und das ewige Leben (welches beides Christus ist) absolut „unverlierbar”. Vers 28 darf also nicht isoliert von den Versen 27 und 29 betrachtet werden.

Der Abschnitt sagt nicht, dass ein Schaf Jesu nicht die Möglichkeit und den freien Willen hätte, sich selber aus der Hand des Hirten fortzubegeben. Die Frage, ob ein Wiedergeborener wieder abfallen kann, wird in Jh 10 gar nicht behandelt.

Nb: Jh 15 zeigt, dass das Heil des Christen darin besteht, dass er in dem Heil – in der Person Jesus Christus – bleibt, d.h. (gemäß V. 5) mit Jesus Christus verbunden ist. Bleibt er in Christus, wird das Ergebnis Frucht des Heils sein. Will er nicht (mehr) in Christus bleiben, begibt er sich in Gefahr, nicht nur unfruchtbar zu sein, sondern auch die Lebensverbindung und damit das Heil schlussendlich aufzugeben. Warum? – Weil das Heil in eben der Person liegt, in der er nicht (mehr) bleiben möchte. Daher die ernste Warnung in Jh 15,2 und 6: „V. 2: „Jede Rebe an [und in] mir, die nicht Frucht trägt, hebt er auf[und nimmt sie weg]; und jede, die Frucht trägt, reinigt er, damit sie mehr Frucht trage. …” V. 6: „Wenn jemand nicht an [und in] mir bleibt, gilt: Er wurde wie die Rebe hinausgeworfen und er verdorrte (und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer), und er brennt.”

„Nicht das Festhalten an Christus rettet.”

Man kann auch Argumente wie dieses hören: „Nicht dein Festhalten an Christus rettet dich, sondern Christus.” Oder: „Nicht dein Glaube an Christus rettet dich, sondern Christus.”

® Bemerkung: Das ist ja gerade Glaube: Auf Christus zu schauen! Ep 2,8 lehrt klar, dass man durch den Glauben gerettet wird. Die Antwort, die Jesus Christus (auf Erden) den Geretteten gab, war: „Dein Glaube hat dich gerettet” (z. Bsp. Mt 9,22; Mk 5,34; 10,52; Lk 7,50; 8,48; 17,19; 18,42). Damit sagte der Herr nicht, dass es Menschenwerk war, das die Betreffenden rettete, sondern es war Christus, das Objekt ihres Glaubens.

„Der Herr wird die Seinen von jedem bösen Werk retten und davor bewahren.“

Argument: „ ‚Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich in sein himmlisches Reich hinein retten. Ihm sei die Herrlichkeit in alle Ewigkeit.’ (2T 4,18). Daher ist das Heil sicher. Und: Paulus beruhigt uns mit der Zusicherung, dass Jesus Christus die Seinen befestigen wird bis ans Ende, dass sie untadelig sind am Tag des Herrn Jesus Christus (1Kr 1,8).“

Bemerkung: Die Aussage von 2T 4,18 macht einer, der den Glauben [o: die Treue, griech.: pistis] gehalten hat. Jesus Christus wird diejenigen befestigen und bewahren, die sich auf ihn verlassen. Daher ist das Heil für jeden Glaubenden sicher. Dass dadurch aber jede Abfallmöglichkeit ausgeschlossen sein sollte, ist nicht folgerichtig.

 „Die Wahrheit wird ewig bei den Christen bleiben.”

Argument: 2.Jh 2: “ . . wegen der Wahrheit, die unter uns bleibt und auf ewig bei uns sein wird.”

® Bemerkung: Gemeint ist: Die Wahrheit wird bei der Gemeinde als ganzer bleiben, und individuell bei jedem (beständig) Glaubenden. Der Endsieg Jesu Christi zusammen mit seiner Gemeinde ist sicher. Die Wahrheit wird nicht untergehen.

5. Das Opfer Jesu Christi

„Christus hat für die künftigen Sünden bezahlt.”

Es wird oft argumentiert: „Jesus Christus hat auch für die zukünftigen Sünden der Erlösten bezahlt, auch für die Sünde des Abfalls. Daher kann man nicht verloren gehen.”

® Bemerkung: Jesus Christus hat für alle Sünden aller unerretteten Menschen bezahlt (1Jh 2,2; 2P 2,1-2; 1T 2,1-4; 2Kr 5,19 ff); dennoch gehen viele ewiglich verloren. Des Lammes Blut floss für alle Erstgeborenen in Israel (2M 12). Hätte eine Familie nicht den Anweisungen gehorcht und das Blut nicht an die Türpfosten gestrichen, wäre der Erstgeborene verloren gewesen.

Gottes Liebe – und Jesu Opfer am Kreuz – gilt allen Menschen. Das Opfer war für alle Sünden aller Menschen (vgl. 1T 2,4-6; beachte die „alle” in V. 4 und V. 6). Wer aber Gottes Liebe und Christi Opfer nicht annimmt, kommt nicht in den Genuss dieser Liebe und dieses Opfers (Jh 3,18.36; 12,48). Das Annehmen geschieht nur durch Glauben. Wenn ein Glaubender (d.h.: ein Wiedergeborener) sündigt, wird er nicht von Gottes Liebe getrennt (1Jh 2,1f). Ein Nichtglaubender nimmt diese Liebe Gottes und das Opfer Christi nicht in Anspruch. Er scheidet sich daher selbst aus.

Eventuell erwidert man nun: „Echte Christen haben das Blut an ihre Herzenstür gestrichen. Daher sind sie für alle Zukunft gerettet.”

® Antwort: Die Rettung, um die es geht, ist noch ausständig. Das Gericht Gottes ist in diesem Sinne noch nicht eine Sache der Vergangenheit. Das bedeutet: Würde inzwischen einer das Blut von seiner Herzenstür wieder herunter waschen, würde er nicht vor dem Zorn gerettet werden. Die „Gerichtsnacht” ist noch nicht gekommen. Die Tatsache, dass jemand das Blut Christi bereits auf seine Herzenstür strich, bedeutet nicht, dass es ihm daher unmöglich geworden ist, dieses rettende Blut wieder zu entfernen.

Jesus Christus vergibt uns auf der Basis seines Opfers, wenn wir und solange wir auf Christus vertrauen. Würde jemand aufhören, auf das einzige Mittel zu vertrauen, das die Basis für unsere Vergebung ist, gäbe es keine Vergebung für die zukünftigen Sünden des Betreffenden (vgl. Heb 10,26ff).

Die Tatsache, dass Jesus Christus auch für die zukünftigen Sünden bezahlt hat, ist kein Beleg dafür, dass ein Glaubender nicht die Möglichkeit hat, zu einem Nichtglaubenden zu werden. Weil Christus alle meine zukünftigen Sünden trug, kann ich in alle Zukunft – bis zu meinem Tode – zu Christus kommen und von ihm Vergebung erhalten. Es bedeutet aber nicht, dass Christus mir den freien Willen nimmt, mich wieder von ihm, dem Quell der Vergebung und des Heils, zu trennen.

Die Sünde des Abfalls wurde zwar am Kreuze „bezahlt”, aber der Abgefallene (wenn er bis zuletzt ein Abgefallener bleibt) kommt nicht mehr in den Genuss dieser Bezahlung, weil er die Grundbedingung (Annahme des Opfers Jesu für sich persönlich) nicht mehr erfüllt (vgl. Heb 10,26ff).

„Christus bringt jeden Wiedergeborenen ans Ziel.”

Es wird argumentiert: „Christus hat sich verpflichtet, jeden Glaubenden ans Ziel zu bringen (Jh 6,37-40). Der Herr Jesus hat die Verantwortung übernommen, die Geretteten durchzubringen. Jh 17,6.9.24; 1Kr 1,7-9. Würden einige Wiedergeborene dennoch verloren gehen, hätte der Vater sich geirrt und der Sohn sich als zu schwach, unaufmerksam, untreu oder sonst unfähig erwiesen.”

® Bemerkung: Nur die Glaubenden sind es, die Jesus sicher ans Ziel bringen wird, d.h., diejenigen, die sich auf Jesus Christus verlassen. Solange sie das tun, ist das Erreichen ihres Ziels sicher. Der Vers 1P 1,9: „… das Ziel eures Glaubens davontragend, die Rettung der Seelen”, ist an Glaubende gerichtet. Würden sie nicht mehr glauben, gäbe es kein Ziel mehr für sie, denn wenn bei jemandem der Glaube nicht mehr vorhanden ist, hat er kein Glaubensziel mehr. Das NT verheißt an keiner Stelle, dass Jesus Menschen ans Ziel bringen wird, die dort nicht hin wollen. (Wer nicht im Glauben bleibt, will nicht mehr dorthin.) Aber das NT ruft die Glaubenden auf, im Glauben zu bleiben, damit sie das Ziel erlangen. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass jeder, der einmal in der Vergangenheit eine Wiedergeburt erlebt hat, das Ziel erreichen wird.

Daher spricht der Apostel (2T 2,10): „Deswegen erdulde ich alles – der Erwählten wegen, damit auch sie das Heil (hier: zukünftiger Aspekt!) erlangen, das in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit” (Nb:Die Erwählten sind solche, die bereits „in Christus” sind. Niemand ist erwählt, der noch nicht in Christus ist. Eine Erwählung außerhalb von Christus kennt das NT nicht! Siehe dazu später.)

Wenn jemand das Ziel erreicht hat, wird er voller Dankbarkeit sagen: „Es war Gottes Kraft, die mich hierher brachte.“ Und der erhöhte Herr wird zu ihm sagen: „Dein Glaube hat dich gerettet!”

Dieses bringt Petrus schön zum Ausdruck: 1P 1,5: „die wirin der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werden zur Rettung”.

Daher gilt es für die Glaubenden, ihre Freimütigkeit nicht wegzuwerfen, sondern Ausdauer zu bewahren im völligen Vertrauen auf den Retter und sein vollkommenes Werk.

Heb 10,35.39: „Werft also eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Vergeltung hat, denn ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt”. Denn: „… der Gerechte wird vom Glauben her leben.” Christen sind „des Glaubens zum Gewinnen der Seele alsBesitz.” D.h., der Glaube ist der Schlüssel ihrer schlussendlichen Rettung der Seele.

Deshalb werden die Christen immer wieder zum Bleiben im Glauben und zum Festhalten der Wahrheit aufgerufen. Vgl. Ag 11,23; 13,43; 14,22.

1Kr 15,2: „durch welche [die gute Botschaft] ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet…”

Kol 1,22.23 „…umeuch vor ihm als Heilige und Tadellose und Unanklagbare darzustellen, unter der Voraussetzung, dass ihr im Glauben bleibt…”

„Was Christus begann, wird er auch zu Ende führen.”

Ein „starkes” Argument: „Paulus war von eben diesem überzeugt (o: zuversichtlich), dass der, der unter [griech.: en hümin] den Philippern ‚ein gutes Werk angefangen hat, es auch zum Ziel führen (o: vollenden) wird bis zum Tag Jesu Christi’:Php 1,6. Christus wird in dem Glaubenden das gute begonnene Werk auch zu Ende führen. Folglich kann ein wahrhaft Wiedergeborener nicht mehr abfallen.”

® Bemerkung: Paulus spricht hier kollektiv. En hümin = „unter euch” (nicht „in euch”; vgl. die Einheitsübersetzung zu Php 1,6).[2] D.h.: Der Endsieg Jesu Christi zusammen mit seiner Gemeinde ist sicher. „Unter euch”: D.h., Jesus wird sein Werk in seiner Gemeinde zum Ziel führen. Paulus hat guten Grund für seine Zuversicht (V. 7). Er kann den Philippern zusagen, dass Jesus das Werk unter ihnen vollenden wird, weil er von ihrer „Gemeinschaft (Anteilnahme) für die gute Botschaft vom ersten Tage bis jetzt” (1,5) weiß. Von den Galatern konnte er solches nicht sagen, weil sie in Gefahr standen, sich vom Evangelium der Gnade abzuwenden (vgl. Ga 5,4). Paulus setzt auch voraus, dass die Philipper so weitermachen werden, wie bisher. Dass jeder Einzelne von den Philippern im Glauben bleiben würde, wird hier nicht gesagt.

[Nb.: In 1Kr 3,17 zeigt Paulus auf, dass das „Haus” (im lokalen Sinn) zerstörbar ist. Gottes Gemeinde am Ort kann sehr wohl untergehen (vgl. auch Off 2,5E), die allgemeine nicht (Mt 16,18E). Der Sieg der Gemeinde steht fest. Jedoch ist der Einzelne nicht unzerstörbar (vgl. auch Rm 14,20: „Zerstöre nicht Gottes Werk …”. Das Werk Gottes ist in dieser Stelle der Wiedergeborene. Er ist nicht unzerstörbar.)

Wer (unter Hinweis auf 2T 2,20) einwenden will, das „Haus” bestehe nicht nur aus Wiedergeborenen, sondern beinhalte auch Mitläufer, der möge bedenken, dass das „große Haus” nicht Gottes Tempelheiligtum ist. In Gottes Tempelheiligtum ist alles heilig. Wenn im NT vom geistlichen Tempelheiligtum (gr. naos = Heiligtum) die Rede ist, ist immer die wahre Gemeinde Jesu gemeint. Die Mitläufer gehören nicht zur Gemeinde Jesu. Sie gehören nicht zum Heiligtum Gottes.]

Der Herr Jesus Christus kann sein Werk in einem einzelnen Christen nur dann vollenden, wenn derselbe ihm nicht aus der Schule läuft. Eine solche Möglichkeit wird grundsätzlich nicht ausgeschlossen, auch nicht im Philipperbrief. Paulus ruft sie auf, ihr Heil zu „schaffen” mit Furcht und Zittern und das Wort des Lebens darzuhalten, damit er nicht vergeblich nach Philippi gelaufen sei und vergeblich dort gearbeitet habe (2,12.16).

Zu 1Kr 1,8: „der euch auch festigen wird bis ans Ende“: Wen wird Gott festigen bis ans Ende? – Denjenigen, der den Namen des Herrn Jesus Christus anruft. Vgl. 1,2 (Das griechische Verb für „anrufen“ steht hier im Mittelwort der Gegenwart, was einen durativen Aspekt hat: andauernd, beständig, immer wieder, im fortgesetzten Sinn. Es heißt hier nicht: „an alle, die einmal den Namen des Herrn Jesus angerufen haben”). Wen wird Gott festigen bis ans Ende? Paulus antwortet im selben Brief klar: – Denjenigen, der an Gottes Wort festhält: 1Kr 15,2: „… die gute Botschaft … durch die ihr auch gerettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit was für einem Wort ich euch gute Botschaft sagte, es sei denn, dass ihr ohne Grund [und ohne Erfolg] glaubtet.“

6. Der Heilige Geist

„Der Heilige Geist bleibt für immer.”

Weiter wird argumentiert: „Der Heilige Geist bleibt für immer in den Gläubigen. Jh 14,15ff. Er kann Wiedergeborene nicht mehr verlassen.”

® Bemerkung: Jesus stellt in Jh 14 den Unterschied zur alttestamentlichen Heilszeit dar. In der neuen Zeit, der messianischen (= neutestamentlichen) Heilszeit, wird der Heilige Geist nicht nur zeitweilig auf (bzw. in) den Glaubenden sein, sondern für immer. Beachten wir wieder, dass es um Glaubende geht. Die Bedingung für den Geistempfang ist der Glaube. Und die Bedingung dafür, dass der Geist in dem Christen bleibt, ist, dass er weiterhin ein Glaubender bleibt. Wer glaubt (durativ, d.h., im fortgesetzten Sinn), in dem bleibt der Geist. Jesus sagt nicht, dass der Geist in dem Christen bleibt, egal, ob derselbe im Glauben bleibt oder nicht.

„Die Erlösten sind mit dem Geist versiegelt.”

Es wird oft argumentiert: „Der Glaubende ist mit dem Heiligen Geist versiegelt (Ep 1,13f; 4,30; 2Kr 1,21). Der Heilige Geist ist Unterpfand und Garantie für die Vollendung des Heils. Die Versiegelung ist bis auf den Tag der Erlösung, nicht bis auf den Tag des Abfalls.”

® Bemerkung: Der Heilige Geist ist gegeben „auf den Tag der Erlösung hin” (Ep 4,30); denn es ist der Geist das Unterpfand, der Garant für den Vollempfang des Erbes. Die göttliche Versiegelung mit dem Heiligen Geist bedeutet nicht Wegnahme des freien Willens. Sie bedeutet Schutz, Eigentumskennzeichnung und Garantie für den Glaubenden.

Versiegelung ist (u. a.) ein Bild für die Bewahrung, und daher für die Sicherheit des Glaubenden. Gott bewahrt, was ihm gehört. Bewahrung ist aber auch davon abhängig, dass man in dem Bereich der Bewahrung bleibt. Wer zum Kreuz gekommen ist, muss auch sein weiteres Leben lang sich beim Kreuz aufhalten. Denn nur dort ist Heil und Bewahrung vor dem Zorngericht. Würde ein Christ Christus verwerfen, könnte die göttliche Bewahrung nicht stattfinden, aus dem einfachen Grund, dass der zu Bewahrende sich aus dem Bereich der Bewahrung weg begeben hat, und zwar bewusst und zielgerichtet. Bewahrt kann nur werden, wer sich bewahren lässt. Die Bewahrung findet nur „in Christus” statt. Wer sich außerhalb von Christus begibt, begibt sich aus dem Raum der Bewahrung. Bewahrung außerhalb von Christus ist im NT nicht verheißen. Außerhalb von Christus gibt es nur Verdammnis (vgl. Rm 8,1).

Nach Ga 2,20 ist das Heil, das ewige Leben, eine Person, nach Jh 15,1- eine Beziehung zu ihr. Das „Siegel“ (Ep 1,13; 4,30) ist nicht etwas anderes als Gott, Gott der Geist. Wer sich von Gott abwendet (indem er sich von Christus abwendet), kehrt sich vom Heiligen Geist ab. D.h., er verwirft bewusst das bewahrende Siegel selbst. Wer den Glauben an die Person Christus aufgibt, gibt auch die Person des Heiligen Geistes auf – und damit das Siegel Gottes. Folglich ist er nicht mehr versiegelt „auf den Tag der Erlösung hin“.

7. Die neue Natur des Gläubigen

„Das ewige Leben kann nicht aufhören.”

Es wird oft argumentiert: „Durch den Glauben empfängt jeder ewiges Leben. Dieses Leben ist ewig. Es hört nicht auf und kann nicht aufhören.”

® Bemerkung: Das ewige Leben selber kann nicht aufhören. Das heißt nicht, dass jemand, der es hat, es nicht wieder von sich stoßen könne. Das ewige Leben ist nicht etwas, das von Jesus Christus getrennt ist. Es ist Jesus Christus in Person (1.Jh 5,11f; Ga 2,20A; Kol 3,3f). Würden wir diese Person von uns stoßen, hätten wir kein Leben mehr. Unser gesamtes Heilspaket ist in Christus. Verstoße ich Christus, verstoße ich das Heil, das Leben, alles, das in Christus ist. Wer durch den Glauben Leben hat, hat es so lange, wie er durch den Glauben mit Christus verbunden ist. Trennt er sich von Christus, so trennt er sich vom Leben.[3]

„Der göttliche Same bleibt.”

Es wird gesagt: „Der göttliche Same bleibt in ihm. Die neue Natur erweist sich als eine starke treibende Kraft zur Heiligkeit hin. (1.Jh 3,9). Der Same bleibt im Kind Gottes, und er kann nicht sündigen (= kann nicht zum Abfall sündigen). Und göttliche Materie kann nicht verloren gehen. Sonst wäre das neue Leben nicht aus Gott. Gott hat in mich sein neues Wesen hineingelegt. Es ist göttlicher Natur, göttliche „Materie”. Ich habe göttliches Leben in mir. Und dieses kann nicht verloren gehen.”

® Bemerkung: Die neue Natur wirkt sich aus im Leben dessen, der glaubt. Die neue Natur ist eine Person: Christus.

2Kr 5,17: „So ist einer auch, wenn er in Christus ist, ein neues Geschöpf“. Das Alte ist gestorben. Das Neue ist das Leben Christi, das wir durch die Mitauferstehung mit ihm stellungsmäßig erhielten. (Rm 6). Das Neue in uns ist nicht ein erneuertes Fleisch, sondern der Geist Christi. Daher kann man sagen: Der neue Mensch ist Christus.[4]

Wenn der Glaubende „in Christus bleibt”, mit ihm verbunden bleibt (vgl. Jh 15,1ff), wird Christus in ihm Gestalt gewinnen. Der göttliche Same des Lebens Christi bleibt in dem Glaubenden. Wenn jemand nicht in Christus bleibt, kann er nicht damit rechnen, dass das neue Leben in ihm gedeihen wird. Im Gegenteil: In dem Maße, in dem ein Mensch nicht mit Jesus Christus verbunden bleibt und nicht glaubt und sich nicht vom Wort Gottes nährt, wird ein innerer Sterbeprozess stattfinden. Rm 8,13A: „denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, seid ihr daran zu sterben.”

Wenn die Heilige Schrift lehrt, dass das innere Leben ernährt werden muss und durch Christus lebt (und durch das Wort Gottes: Mt 4,4; Jh 6 u. a.), wird damit angedeutet, dass es auch möglich ist, dass dieses innere Leben wieder stirbt, und zwar dann, wenn der Mensch (auf Dauer) nicht mehr mit dem Leben – Christus – in Verbindung bleibt.

Jh 15,6: „Wenn jemand nicht an [und in] mir bleibt, gilt: Er wurde wie die Rebe hinausgeworfen, und er verdorrte (und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer), und er brennt.”

„Der göttliche Same ist unvergänglich.”

Ähnlich argumentiert man: „Der göttliche Same ist unvergänglich. Wenn dieser in dem Wiedergeborenen ist, ist auch die neue Natur des Wiedergeborenen unvergänglich.”

® Bemerkung: Die Unvergänglichkeit besteht in dem neuen Leben, das der Glaubende hat. Dieses neue Leben ist Jesus Christus (Ga 2,20A), und es ist in dem Menschen durch den Glauben. Der Same ist das unvergängliche Wort Gottes. Sollte er das unvergängliche Wort Gottes verwerfen, verwirft er Christus und damit sein Heil.

„Verwandtschaft mit Gott ist eine ewige.”

Weiteres Argument: „Die bei der Wiedergeburt entstandene Verwandtschaft mit Gott ist eine ewige. Der Erlöste wurde durch den Glauben in Gottes Familie hineingeboren. (2Kr 5,17). Er ist nun eine neue Schöpfung. Wer einmal Gottes Kind geworden ist, kann das nie mehr rückgängig machen.”

® Bemerkung: Die bei der Wiedergeburt entstandene Verwandtschaft mit Gott ist nicht ewig. Kind meiner irdischen Eltern bin ich im biologischen Sinne, Kind des himmlischen Vaters im geistlichen. Sterben die Eltern, bzw. sterbe ich, so hört die Kindschaft auf. Mein geistlicher Vater im Himmel stirbt nicht; und so lange ich sein in mich verpflanztes geistliches Leben trage, bin ich sein Kind. Sterbe ich geistlich, (was Jesus mit der entfernten Rebe, die tatsächlich am Weinstock war, als Möglichkeit hinstellt), so bin ich nicht mehr sein Kind.

Das irdische Leben kommt durch Geburt. Eine irdische Geburt ist nicht irreversibel. Die bei der Geburt entstandene irdische Verwandtschaft existiert für die Irdischen – denn dieses ist der Bereich des Vergleichs! – nach dem Tode nicht mehr. Wenn einer unserer Lieben stirbt, stirbt damit für uns auch die irdische Verwandtschaft (das wird z.B. an der Ehe deutlich). Ein irdischer Vater kann seinen einzigen Sohn (z. Bsp. durch einen Unfall) „verlieren”. Er muss dann sagen: „Ich habe meinen Sohn verloren.” Ein Ehemann kann seine Frau durch den Tod verlieren. Sie ist dann nicht mehr seine Ehefrau.

8. Gottes Ruf und Erwählung

„Gott hat die Gerufenen bereits verherrlicht.”

Das Argument lautet: „Die Heiligen sind gemäß Rm 8,28-30 bereits vollendet – per Prädestination; sie sind schon verherrlicht (V. 30).”

® Bemerkung: Es geht in Rm 8,30 nicht um den Endpunkt, sondern um die Gegenwart! Christen sind verherrlicht in Christus – aber nicht in dem Sinne der Vollendung. Weil Christus in ihnen ist, ist Herrlichkeit in ihnen.

Jh 17,10: „ich bin in ihnen verherrlicht”. D.h., Christen ermangeln heute – in Christus – nicht mehr der Herrlichkeit Gottes (Rm 3,23).

Die kommende Herrlichkeit ist noch nicht enthüllt (Rm 8,17E.18.21); sie ist noch Hoffnungsgut (Rm 5,2).

„Gottes Rufen wird ihn nie mehr gereuen.”

Man argumentiert: „Er hat die Seinen gerufen und zu einem herrlichen Erbe erwählt. Sein Rufen wird ihn nie mehr gereuen. Rm 11,29. Vgl. Eph 1,4; Rm 8,28-30. Vgl. Rm 11,29; 9,16; Jes 14,24.”

® Bemerkung: Gott lässt sich seinen Ruf nicht gereuen. Er hat Israel als Volk gerufen. Das heißt nicht, dass jeder Israelit gerettet ist oder werden wird. Die Erwählungsstellen sagen nicht aus, dass Gott unbekehrte Menschen dazu erwählt, dass sie sich bekehren.

Die Erwählung geschieht an zwei Punkten: Zum einen vor Gründung der Welt (Eph 1,4)  – in den Gedanken Gottes, per Vorauskenntnis; zum anderen in der Zeit, als göttliche Reaktion auf des Menschen Antwort auf den göttlichen Ruf[5]. Die tatsächliche Erwählung durch Gott geschieht bei der Heilswende, und zwar auf den Ruf (= die Einladung) Gottes hin. (Beachte die Reihenfolge in 2P 1,10: Zuerst „Ruf“, dann „Erwählung“, nicht umgekehrt.)

1Th 1,3-5: „Dabei erinnern wir uns ohne Aufhören an euer Werk des Glaubens und eureArbeit der Liebe und an die Ausdauer in der Hoffnung auf unseren Herrn, Jesus Christus, vor unserem Gott und Vater, (4) wissen wir doch, Brüder, die ihr von Gott geliebt worden seid, um eure Erwählung: (5) dass unsere gute Botschaft nicht in Wort allein zu euch kam, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer, voller Gewissheit” Wie konnte Paulus davon wissen? Weil er dabei war, als sie erwählt wurden. Gott erwählte sie, als sie sich bekehrten. Hier geht es um die Erwählung in der Zeit.

Mt 22,14: „Denn viele sind Gerufene (d.h.: Geladene), aber wenige sindErwählte.“ D.h., gerufen sind viele Menschen, nämlich alle; die Erwählten sind diejenigen, die auf den Ruf hin (= auf die Einladung hin) kommen; sie werden zu Gottes Geschätzten und Erwählten/Geliebten im engeren Sinne. Wenn jemand sich bekehrt, wird er – in Christus – zu einem Erwählten, einem Kostbaren und Geschätzten Gottes, weil er in dem Erwählten/Kostbaren ist: Jesus Christus. (Der Sohn Gottes ist Gottes Erwählter, d.h., Geliebter: 1P 2,6; Lk. 23,35; vgl. Mt 12,18. Auch die Engel sind Erwählte, d.h., Geliebte: 1T 5,21.)

Die Erwählung in der Ewigkeit (vor Gründung der Welt: Eph 1,4) geschieht per Vorauskenntnis Gottes. Diejenigen, die (aus freiem Willen) zum Glauben an Christus gekommen sind, sind – in Christus (!) – erwählt (durch das Vorauskennen Gottes, der wusste, dass sie sich bekehren würden. Sie sind nicht in sich selbst Erwählte, sondern Gott sah sie vor Grundlegung der Welt (gemäß Vorauskenntnis) in Christus. In ihm waren sie ihm Erwählte und Geliebte, und in ihm hatte Gott schon (per Vorauskenntnis) eine „Beziehung” mit ihnen, obwohl sie noch gar nicht existierten. Tatsächlich erwählt wurden sie erst dann, als sie bei ihrer Bekehrung in Christus hineinkamen. In Christus sind alle Bekehrten Erwählte, d.h., in einem besonderen Sinn von Gott Geliebte.

Wenn Gott nun Menschen rief und sie durch den Glauben das Erbe haben, ist damit noch nicht gesagt, dass sie keine Möglichkeit mehr haben, das Erbe – und damit Christus – selber zu verwerfen.

Die Aussage, dass Gott sein Rufen nicht gereuen wird, bedeutet nicht, dass der Gerufene keine Möglichkeit mehr hat, wieder abzufallen. Erwählung ist festzumachen! Wer sie nicht fest macht, läuft Gefahr, sie fahren zu lassen.

2P 1,9.10: „denn der, bei dem diese Dinge nicht gegenwärtig sind, ist blind, ist kurzsichtig: Die Reinigung von seinen alten Sünden ließ er in Vergessenheit geraten. (10) Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, euren Ruf und eure Erwählung festzumachen, denn im Tun dieser Dinge werdet ihr gar nicht straucheln [und zu Fall kommen]

„Gott wird nicht zulassen, dass die Erwählten verführt werden.”

Man sagt: „Gott wird nicht zulassen, dass die Erwählten verführt werden. Mt 24,24.”

® Bemerkung: Genau heißt es in Mt 24,24:  „…denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder geben, sodass irregeführt werden, wenn möglich, auch die Erwählten."

Dass die Möglichkeit der Verführung bei den Erwählten nicht bestehen sollte, sagt Jesus hier nicht. Aber dass sie bei wenigstens einigen besteht, dürfte er nach V. 13 voraussetzen, wo nur die Glaubenstreuen am Schluss gerettet werden: „wer aber bis zum Ende Ausdauer bewahrt, der wird gerettet und bewahrt werden.“

Gott wird es also nicht „zulassen", unter der Voraussetzung, dass die Erwählten im Glauben bleiben. Würden sie nicht im Glauben bleiben, würden sie verführt werden. Ansonsten wären die Warnungen im Mt 24 und 25 nicht echte Warnungen, sondern lediglich ein Spiel Gottes mit den Menschen.

Argument: „Gemäß Mk 13,22 (‚wenn möglich’) ist es unmöglich, dass die Erwählten irregeführt werden.“

® Bemerkung: Der folgende Vers (Mk 13,23: „Ihr aber, seht euchstets vor!“) deutet an, dass es an den Christen liegt, sich zu hüten (bzw. sich bewahren zu lassen), denn die Warnung an die Christen wäre sinnlos, wenn V. 22 meinen sollte, dass Erwählte nicht irregeführt werden könnten. Falsche Propheten werden Wunder tun, um möglichst (= „womöglich“) auch die Erwählten irrezuführen. Der Teufel geht wie ein Löwe umher, um möglichst Christen zu verschlingen (1P 5,8). Möglich ist es dann, wenn sie sich nicht warnen lassen, sich nicht bewahren lassen, nicht an Gottes Wort festhalten, sich nicht auf Christus verlassen. Petrus sagt, man muss „im Glauben“ „widerstehen“! (1P 5,9).

„Niemand kann gegen Gottes Erwählte Anklage erheben.”

Argument: Rm 8,33f. ® Bemerkung: Deshalb nicht, weil die Erwählten durch den Glauben in Christus sind. In ihm sind sie Erwählte und Geliebte. Würden sie ihren Glauben aufgeben, wären sie nicht mehr in ihm und daher nicht mehr „Erwählte und Geliebte in Christus”.

„Gott hätte sich getäuscht in seiner Vorkenntnis.”

Oft wird gesagt: „Wenn ein Erwählter verloren ginge, hätte sich Gott getäuscht in seiner Vorkenntnis. Gott aber erlebt keine Überraschungen (1P 1,1.2; Rm 8,29. Gott sieht von Anfang das Ende.).”

® Bemerkung: Dass Gott keine Überraschungen erlebt, ist richtig, dass ein Erwählter nicht verloren gehen kann, nicht. Wenn einer, der in Christus ist (und dadurch ein Erwählter ist), schlussendlich den Glauben aufgibt, hat nicht Gott sich getäuscht. Gott weiß im Voraus, wer sich bekehren wird und auch wer wieder abfallen wird. (Bsp.: Saul, Judas) Das Vorauswissen Gottes ist kein Vorherbestimmen Gottes. Gott wusste voraus, dass Adam vom Baum essen werde, aber er bestimmte ihn nicht dazu. Wer Erwählung im deterministischen Sinne auffasst, geht über die Heilige Schrift hinaus.

Auf Grund der wenigen Texte, die uns Aufschluss über die Vorgeschichte eines von Christus Geretteten geben, stellen wir fest, dass das erste Element in dieser Geschichtsreihe die Vorauskenntnis Gottes ist, nicht eine Vorherbestimmung.

(Nb: Auch der Begriff „Vorherbestimmung“/“vorherbestimmen“ ist im NT nicht deterministisch aufzufassen,als ob Gott Menschen zur Bekehrung bestimmt hätte. Vorherbestimmung ist ein Im-Voraus-Planen, dass diejenigen, die sich bekehren werden, ein bestimmtes Vorrecht im Heil erhalten werden. Gott hat z. Bsp.zuvor geplant, dass die, die sich bekehren werden, dem Ebenbilde des Sohnes gleichgestaltet werden sollten. Rm 8,29; Eph 1,5)

„Gottes souveräner Wille bürgt für die Sicherheit unseres Heils.”

Es wird argumentiert: „Am Anfang der Errettung steht nicht unser Wunsch, gerettet zu werden, sondern Gott. Gott ist immer die Ursache von allem. Gottes souveräner Wille bürgt für die Sicherheit unseres Heils.”

® Bemerkung: Diese Aussage geht über die Information, die uns die Heilige Schrift gibt, hinaus. Wir können nicht wissen, ob es sich tatsächlich so verhält.

Gott ergriff die Initiative des Heils, indem er seinen Sohn gab und uns rief, um uns warb. Aber ob (und wie weit) Gott auch die Initiative ergreift, dass ein bestimmter Mensch die Bereitschaft entwickelt, nach Gott zu fragen, wissen wir nicht. Die Heilige Schrift schweigt darüber.

Es scheint aber so zu sein, dass der Mensch durch den Sündenfall die Gottesbildlichkeit nicht völlig verloren hat, sodass er auch nach dem Sündenfall immer noch an den Willen des Menschen appellieren kann. Wenn der Menschen nicht mehr in der Läge wäre, selber Entscheidungen zu treffen, wäre es nicht sinnvoll, wenn Gott um den Menschen werbe oder ihn anflehe (bzw. ihm gebiete), sich retten zu lassen (z. Bsp. Ag 2,40).

In  Lk. 13,34 steht der Wille des Menschen gegen den Willen Gottes/Christi: „Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, gleichwie eine Henne ihre Brut unter ihre Flügel, und ihr wolltet nicht!”.

Petrus zeigt auf, dass es eine schuldhafte Unkenntnis gibt (2P 3,5): „Denn dieses ist ihnen verborgen – und sie wollen es so –, dass von alters her Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser war und durch Wasser Bestand hatte – mittels Gottes Wort“. D.h., Gott will ihnen etwas offenbaren; sie aber lassen es nicht zu. Daher haben sie keine Entschuldigung. Würde der Mensch wollen, würde er erkennen, weil Gott so gütig und barmherzig ist und dem Menschen Erkenntnis geben will. (Vgl. Jh 7,17 und 2T 2,4.)

Im selben Kapitel teilt der Apostel mit: „Der Herr ... will nicht – es ist nicht seine Absicht –, dass welche umkommen, sondern dass alle Raum zur Buße haben“ (2P 3,9). Trotz dieses umfassenden Willens Gottes werden nicht alle Menschen gerettet.

Das Zusammenwirken des Wirkens Gottes und der Verantwortung des Menschen ist uns letztlich verborgen. Die Heilige Schrift betont immer wieder beides. Wir dürfen die Heilige Schrift nicht kürzen zu Gunsten einer besonderen Lehre auf der einen Seite und dabei die andere Seite außer Acht lassen.

Was die Heilige Schrift klar lehrt, ist, dass Gläubige ihre Erwählung festmachen müssen (2.Petr 1,10). Tun sie es nicht, können Christen wieder Nichtchristen und damit zu Nicht-Erwählten werden.

2Sa 21,6: Saul, der Erwählte, wurde wieder zu einem Nicht-Erwählten, als er Gott verwarf und daraufhin Gott ihn verwarf (1Sa 15,23.26), ebenso Judas (s. unten). 

Nb: Wenn wir im NT lesen, dass die Wiedergeburt und die Austeilungen des Heiligen Geistes „gemäß seinem Willen“ (Jk 1,18 und Heb 2,4) waren, bedeutet dies, dass die Wiedergeburt und die Austeilungen des Geistes dem Willen Gottes entsprach. Jk 1,18: „Nach seiner Absicht [o: nachdem er es so gewollt/beabsichtigt hatte] gebar er uns durch das Wort der Wahrheit, damit wir eineArtErstlingsfrucht seiner Geschöpfe sind.“ D.h., Gott wollte es so, dass jeder, der an den Sohn glaubt, gerettet werde (vgl. Jh 6,40). Keineswegs dürfen wir aber dann den Schluss ziehen, dass es dem Willen entsprechen sollte, dass eine gewisse Anzahl von vorher dazu bestimmten Menschen verloren gehen sollte. Es ist in keiner Weise Gottes Wille, dass Menschen verloren gehen: 2T 2,4: Gott will [sein Wunsch ist es], „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“.

„Gott, der Initiator, versetzt den Glaubenden in Christus.”

Man argumentiert: „Gott versetzt in Christus und sieht den Gläubigen in Christus. Wer in Christus hineinversetzt ist, ist durch Gott selbst dorthin gekommen. Gott hat das Entscheidende getan. 1Kr 1,30. Die Geistestaufe versetzt in Christi Leib (1Kr 12,13). Und diese geschieht durch Gott. Wenn Gott alles getan hat, dass ein Mensch errettet wird, ist es unmöglich, dass ein Mensch etwas tun kann, das diese Versetzung in Christus wieder rückgängig macht.”

® Bemerkung: Rettung geschieht durch Gott. Gott ist der Initiator. Er sandte seinen Sohn; Jesus nahm unsere Schuld auf sich; Gott brachte uns die Botschaft von der Versöhnung; er öffnete unsere Augen, dass wir die Botschaft verstanden; er führte uns die Tugenden Christi vor Augen. Er warb um uns; er zeigte uns seine Vertrauenswürdigkeit; sein Ruf erging (mehrmals) deutlich an uns: „Lasst euch versöhnen mit Gott.” Nachdem wir auf seine Botschaft eingingen, war er es, der uns in Christus hineinversetzte, der uns den Heiligen Geist gab, der unsere Schuld vergab, uns zu Kindern Gottes machte usw. Es ist Gott, der diejenigen, die auf Gottes Angebot eingehen, in Christus versetzt. Unser gesamtes Heil ist in Gott!

Das heißt aber nicht, dass damit alle Verantwortung vom Menschen genommen ist oder dass die Bekehrung eines Menschen von Anfang bis Ende ausschließlich Gottes Werk sei. Das Werben und Rufen Gottes beinhaltet ja nicht, dass jeder Umworbene (o: Eingeladene) auch wirklich kommt und sich retten lässt.

Gott wirbt um jeden einzelnen Menschen. Dennoch wird nicht jeder Mensch gerettet werden; denn Gott bestimmte, dass der Mensch das Heil wollen und durch den Glauben in Empfang nehmen sollte. Wenn der Mensch nicht will, nicht glaubt, sich nicht bekehrt, kann er nicht gerettet werden. Gott hat sich in seiner Souveränität entschieden, nichts weiter tun zu können. Gott hat sich entschieden, nicht ohne den Glauben des Menschen zu retten. Gott vergewaltigt den Menschen nicht zur Umkehr noch zum Glauben. Bekehrung zu Gott geschieht freiwillig.

Gott wirbt um das Vertrauen und die Liebe des Menschen. Er ruft den Menschen auf, ermahnt ihn, warnt ihn vor den Folgen einer falschen Entscheidung. Die Versetzung in Christus ist an den Glauben des Betreffenden gebunden. Nur dann, wenn ein Mensch glaubt, versetzt Gott ihn in Christus.

Ag 26,18: „…die durch den Glauben an mich geheiligt worden sind.”

1Kr 1,21: „…gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Verkündigung die Glaubenden zu retten

Den Glauben gilt es zu bewahren: Off 14,12: „Hier ist die Ausdauer der Heiligen. Hier sind, die, die Gottes Gebote bewahren und den Glauben an Jesus

2T 4,7: „Ich habe den Lauf vollendet. Ich habe den Glauben [o: die Treue] bewahrt.”

Die Aussage „Durch ihn seid ihr in Christus” (1Kr 1,30) schließt nicht aus, dass der Mensch dafür verantwortlich ist, Buße zu tun.

„Kein Wiedergeborener hat einen freien Willen, das Heil rückgängig zu machen.”

Man sagt: „Der freie Wille des Menschen ist immer eingeschränkt. Auch im Himmel hat niemand die Freiheit und den Wunsch, sein Heil rückgängig zu machen. Im Himmel gibt es keine volle Willensfreiheit. Man kann sich im Himmel nicht mehr dafür entscheiden, aus dem Himmel hinauszugehen.”

® Bemerkung: Wir Menschen sind nicht in jeder Hinsicht freie Wesen. Vieles im Leben ist uns bestimmt (Geschlecht, Erziehung, Elternhaus, usw.), aber nicht alles. Gott lässt uns in vielerlei Hinsicht Entscheidungsfreiheit. Gott würde uns nicht Befehle geben, hätten wir nicht die Entscheidungsmöglichkeit, ihm zu gehorchen oder ihn abzuweisen. Der Mensch (sowohl der gefallene ungerettete wie der wiedergeborene) hat gewisse Entscheidungsfreiheiten. Ansonsten könnte Gott ihn für sein Tun nicht zur Verantwortung ziehen. Dass die Willensfreiheit des Menschen durch den Sündenfall nicht völlig eingeschränkt wurde, bestätigen die Verse, die an den Willen des Menschen appellieren (z. Bsp.: Lk 9,23: „Will jemand mir nachkommen, verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf …”, oder: Off 22,17: „Wer will, nehme das Wasser des Lebens ...” Vgl. auch Ag 2,40, 17,30 und das oben Angeführte). Der Mensch muss aufhören, sich gegen Gottes Wirken zu wehren; denn der gütige Gott wirkt viel an uns und umwirbt uns, um uns zur Buße zu bringen (Rm 2,4). Auch das Hinauszögern der Wiederkunft Christi (2P 3,9) und selbst seine Gerichte haben das Ziel, den Menschen zur Buße zu bewegen (Off 9,20f).

Durch die Heilstat Gottes in Christus machte Gott es für jeden Menschen möglich, den Sündenfall seiner Ureltern für sich persönlich rückgängig zu machen. Dazu ist eine freie Entscheidung notwendig. Würde Gott ihm auch diese Entscheidung wegnehmen, wäre der Mensch eine Marionette in der Hand Gottes.

Die Situation im Himmel wird eine gänzlich andere sein als die auf Erden heute. Dort werden die Erlösten überhaupt nicht mehr sündigen. Das Heil wird vollendet sein. Wir werden unseren wunderbaren Herrn Auge in Auge sehen, werden nicht mehr durch den Glauben leben; die Beziehung zum Herrn wird durch nichts mehr getrübt werden können, und die Erkenntnis, wie schrecklich Sünde ist, wird vollkommen sein. Daher will der Mensch dort sich nicht mehr gegen Christus und Gott entscheiden. Wenn die Erlösten im Himmel die Herrlichkeit Gottes genießen und darum wissen, was es heißt, verloren zu sein, scheint die Frage, ob sie Gott dort noch verwerfen könnten, absurd. Denn Gott ist genau das, wonach sich jeder Mensch sehnt. Auf ihn hin wurde jeder Mensch geschaffen. Niemand will die Erfüllung aller Hoffnungen und Sehnsüchte wieder wegwerfen, nachdem er sie erreicht hat. Er hat keinen Grund dafür.

Aber heute sind wir weder von der Kraft der Sünde noch von der Gegenwart der Sünde in uns und um uns befreit. Wir sind zu jeder (!) Sünde fähig. Daher warnt Gott jeden Christen, der steht, dazu zu sehen, dass er nicht falle. (1Kr 10,12) Wir sind zwar gerettet, doch „auf Hoffnung” (Rm 8,24). Solange wir auf Erden sind und das Heil noch nicht vollendet ist, sind wir aufgefordert zu glauben und im Glauben den Herrn und die Wahrheit festzuhalten. Im Himmel wird dieses nicht mehr nötig sein, weil wir dann vom Glauben zum Schauen gekommen sein werden.

„Erwählung beinhaltet Bekehrung”

Einige argumentieren: „Die göttliche Erwählung vor Grundlegung der Welt (Eph 1,4) beinhaltet die Bekehrung einer bestimmten Person.”

® Bemerkung: Kein Vers in der Heilige Schrift lehrt eine Erwählung zur Bekehrung.[6] (Zu 2Th 2,13f s. u.). Erwählung bedeutet nicht, dass Gott sich Menschen außerhalb von Christus erwählt, sodass sie sich bekehren. Die Erwählung geschieht an zwei stellen: a) in der Ewigkeit: „in Christus” (Eph 1,4) – per göttlichem Vorherwissen, b) tatsächlich aber erst in der Zeit: als göttliche Reaktion auf die Bekehrung des Menschen.

Die Reihenfolge ist diese: Zuerst schafft Gott die Möglichkeit der Rettung des Sünders; dann ruft er ihn (und gibt ihm die Gelegenheit, sich zu bekehren; er wirbt um die freie Entscheidung des Menschen – ähnlich dem Bräutigam, der um die Braut wirbt); dann wartet er auf die Reaktion des Menschen. Wenn der Mensch positiv reagiert und sich Gott zuwendet, erwählt sich ihn Gott (in Christus); so wird der Mensch zu einem Geliebten „Erwählten” in Christus, dem Erwählten, Köstlichen. Diese Reihenfolge kommt auch in 2P 1,9f und Mt 22,14 zum Ausdruck, wo der Ruf[7] vor der Erwählung genannt wird.

Gott wünscht sich, dass alle Menschen gerettet werden (1.Tim 2,4), will aber, dass sie sich freiwillig entscheiden. Weil aber nicht alle Menschen das wollen, werden nicht alle gerettet (Lk 13,34; Jh 7,17).

                                                                                                                       

Zu Jh 10,26 („ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen”; vgl. 8,48): Das ist nicht ein Gerichtswort, sondern eine Zustandsbeschreibung. Diese Leute könnten noch zum Glauben kommen. Jh 10,37f: Der Aufruf zum Glauben wäre nicht sinnvoll, wenn sie es nicht mehr könnten. (Das Gerichtswort kommt erst in Jh 12,37ff.)

Zu Ag 16,14: Was den Herrn bewogen hat, der Lydia das Herz aufzutun, sodass sie auf die Botschaft des Heils achtete (ob es aufgrund einer Disposition der Lydia war, oder ob es gänzlich Initiative Gottes war), wissen wir nicht. Es wird uns nicht gesagt.

Zu Ag 13,48: „… und es glaubten, so viele zum ewigen Leben disponiert waren.” Hier ist nicht von Vorherbestimmung zur Bekehrung die Rede. Der Text sagtnicht:und es glaubten, so viele dazu verordnet waren, dass sie zum Glauben kommen sollten”. Eine Schar von Menschen in Antiochien war bereit („disponiert“) zum ewigen Leben. Wie es dazu kam, dass sie bereit waren, sagt uns der Text nicht.

Zu 2Th 2,13f: „Aber wir sind es schuldig, vom Herrn geliebte Brüder, Gott euch bezüglich allezeit zu danken, dass Gott euch von Anfang zum Heil sich wählte in der Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit, wozu er euch durch unsere gute Botschaft rief, um die Herrlichkeit unseres Herrn, Jesus Christus, zu erlangen.” Die Erwählung zum (zukünftigen) Heil geschah aufgrund des Glaubens an die Wahrheit, nicht umgekehrt der Glaube aufgrund der Erwählung. Gott wählte „im Glauben an die Wahrheit”, nicht: „zum Glauben an die Wahrheit”. Wer im Glauben an die Wahrheit zu ihm kam, wurde erwählt, nicht umgekehrt. Und Gott wählte „in Heiligung des Geistes [o: durch den Geist]”; d.h., wer zu ihm kam, wurde Gott geheiligt durch den Geist. So wurde er Gottes Erwählter (Geliebter, Geschätzter, Kostbarer in Christus) – erwählt, das künftige (!) Heil schlussendlich in Empfang zu nehmen. Gott machte die Thessalonicherchristen zu seinen Erwählten, als sie sich bekehrten und glaubten und in der Wiedergeburt durch den Heiligen Geist geheiligt wurden.

„Ein Kind Gottes will nicht mehr von Gott weg.”

Argument: „Dass Gott uns durch übernatürliche Geburt in seine Familie eingeführt hat, werden wir niemals bereuen. Wie sollte also ein Kind Gottes von Gott weg wollen?!“

® Bemerkung: Gegenfrage: Wenn Gott uns so sehr liebt, wie sollte je ein Kind Gottes gegen ihn bewusst sündigen wollen?! – Doch leider ist es so, dass wir Christen oft auch bewusst gegen Gott sündigen. Das NT bezeugt das. Solange unser Heil unsichtbar und wir im Glauben wandeln und noch nicht am Ziel sind, heißt es: „Wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.” (1Kr 10,12)

„Gott ist souverän in der Bekehrung eines Sünders.”

Argument: Die Bibel lehrt die Souveränität Gottes. Er bekehrt den Sünder souverän.

Antwort: „Souveränität“ besagt nichts mehr als dass Gott König ist. Wie er als König herrscht, muss aus den Bruchstücken der Schrift erkundet werden.

Gott ist souverän. Er entschied sich in seiner Souveränität, denjenigen Sünder zu retten, der glaubt (1Kr 1,21): „Es gefiel Gott wohl, durch die Torheit der Verkündigung … zu retten.“ Wen gefällt es Gott zu retten? Antwort: „die Glaubenden“!

Er stellt in seiner Liebe das stellvertretende Opfer, gibt dem Sünder die Gelegenheit zur Bekehrung und wirbt um ihn. Aber er zieht den Menschen zur Verantwortung, sich zu bekehren. Lk 13,1ff u. a.

„Das Heil ist sicher, weil von Gott geschaffen.”

Argument: Der Stuhl ist sicher. Daher habe ich die Gewissheit, dass er mich hält.

® Bemerkung: Das Heil ist sicher, weil es eine Person und in einer Person ist, die zuverlässig ist. Daher hat jeder Glaubende Heilssicherheit, solange er sich auf den Herrn Jesus verlässt.

9. Das Wesen wahren Glaubens

„Wahrer Glaube harrt aus bis zum Ende.”

Es wird oft argumentiert: „Es ist ein Kennzeichen wahren Glaubens, dass dieser Glaube bleibt (Lk. 8,13). Glauben und Ausharren gehören zusammen. Wer nicht ausharrt, glaubt nicht. Echter Glaube ist immer ausharrender Glaube.”

® Bemerkung:

Die Stelle Lk. 8,13 sagt nichts aus über die Dauer des Ausharrens. Die Stelle sagt, dass echter Glaube (im Gegensatz zu dem „wetterwendischen” Glauben im Gleichnis) Frucht bringt, eine Frucht, die durch Standhaftigkeit (w: „Darunterbleiben”) gewachsen und gekennzeichnet ist. Ist keine Frucht vorhanden, haben wir keinen Beweis dafür, dass echter Glaube vorhanden ist. Die Stelle sagt nichts darüber aus, was danach geschehen kann, nachdem Frucht (als Beweis dafür, dass es sich um echten Glauben handelt,) gewachsen ist. Ob es nach dem Fruchtbringen dennoch wieder dazu kommen könnte, dass einer sich wieder von Christus abwendet, darüber sagt der Text in Lk 8 nichts aus.

Wenn es so wäre, dass echter Glaube immer und in jedem Fall ein (bis zum Ende) ausharrender Glaube sei, wäre es nicht nötig gewesen, dass Jesus für den Glauben des Petrus betete (Lk 22). Wenn der Glaube des Petrus ein echter war, würde er ja (nach dieser Lehrmeinung) ohnehin ausharren. Dann wäre es (per Definition) unmöglich gewesen, dass Petrus zu glauben aufhörte. Wenn Jesus Christus betet, dass Petri Glaube nicht aufhören soll, beweist dieses, dass es nicht in der Natur des Glaubens liegt, dass er ausharrt, sondern dass es von anderen Faktoren abhängt, ob der Glaubende im Glauben auch weiterhin ausharren wird oder nicht.

Wer glaubt und darin ausharrt, wird das Ziel erreichen. Das Ausharren (= Bleiben) im Glauben ist Bedingung für das (zukünftige) Heil. Vgl. Heb 6,11f; Jk 1,12; Lk 21,19: „… in/durch euer Ausharren erwerbt/gewinnt eure Seelen”; 2T 2,12: „Erdulden wir, werden wir [königlich] mitherrschen.”

„Glauben ist wie atmen. Man kann es nicht willentlich einstellen.“

Es wurde argumentiert: „Glauben ist – wie Atmen für den physischen Körper – ein lebenswichtiger Bestandteil seines geistlichen Lebens. Er kann durch einen Willensakt das Atmen nicht auf Dauer einstellen. Genauso wenig kann er aufhören zu glauben bzw. Christ zu sein.“

® Bemerkung:

Man kann das Atmen sehr wohl durch willentlich einstellen, indem man sich selbst willentlich in eine Lage bringt, dass man nicht mehr atmen kann. Selbstmörder beweisen es.

„Glaube, der keine Frucht bringt, ist nicht echter Glaube.”

Man argumentiert: „Glaube, der keine Frucht bringt, ist unechter Glaube. (Leben und Frucht gehört zusammen. Mt 7,22ff. Wo keine Frucht ist, ist kein Leben. Echter Glaube wird immer sichtbar in Werken. Jk 2; vgl. Jh 2,23-25; Ag 8,13; Jh 8,30f. Ausharren ist Frucht des Glaubens.”

® Bemerkung:

Ja. Wer wahrhaftig glaubt, wird (früher oder später) Frucht bringen, auch die Frucht des Ausharrens (d. i. Darunterbleibens in ungemütlichen Situationen, in Bedrängnissen). Frucht wird aber nur so lange vorhanden sein, so lange man glaubt. Man darf nicht schließen: Wer wirklich glaubt, wird sein Leben lang ausharren. Sondern: Wer sein Leben lang glaubt, wird sein Leben lang Geduld/Standhaftigkeit/Ausharren offenbaren. Wer zu glauben aufhört, hört auch auf, auszuharren/standhaft zu sein. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ (Jes 7,9); d.h., wer glaubt, bleibt, solange er glaubt. Wer nicht mehr glaubt, bleibt nicht mehr. Der Satz: „Wer nicht ausgeharrt hat, war (in jedem der Fälle) nie gläubig”, ist daher nicht richtig. Wir können daher nicht sagen: „Wer nicht ausgeharrt hat, glaubt nicht mehr, oder er war nie gläubig.”

Wenn Menschen zum Glauben kommen, müssen sie ermuntert werden, beim Herrn zu verharren (Ag 11,23; 13,43; 14,22). Paulus und Barnabas fassten das Wesen des wahren Glaubens nicht so auf, dass wahre Gläubige ohnehin immer beim Herrn verharrten, immer standhaft blieben und sich nie mehr von der Wahrheit abwenden könnten (vgl. 1Kr 15,2; Kol 1,23).

„Die, die weggehen, waren nie wirklich wiedergeboren.”

Argument: “Von uns gingen sie aus. Jedoch waren sie nicht von uns; denn wären sie von uns gewesen, wären sie bei uns geblieben. Jedoch geschah es, damit offenbar gemacht würde, dass nicht alle von uns sind.” (1Jh 2,19)

® Bemerkung:

Hier steht nicht geschrieben, dass die, die weggingen, nie “von uns” gewesen waren. Irgendwann aber, bevor sie weggingen, waren sie nicht (bzw. nicht mehr) Gotteskinder. „Gott sei Dank, dass die, die es wirklich waren, in diesem Fall so lebten, dass die anderen es nicht mehr bei ihnen aushielten.“ (Herbert Jantzen)

Nb: Es wird wohl oft auch Mitläufer unter den Kreisen wahrer Christen gegeben haben. An solche jedoch sind die neutestamentlichen Briefe nicht direkt gerichtet (vgl. die Briefanfänge). Gerade der Hebräerbrief ist eindeutig an Christen gerichtet, nicht an eine gemischte Gruppe bestehend aus Christen und  Nichtchristen.

„Es gibt keine Gotteskindschaft auf Bewährung.”

Es wird argumentiert: „Im Neuen Testament gibt es keinen Hinweis auf eine Gotteskindschaft auf Bewährung. Wer abfällt, wird als Ungläubiger offenbar. (1Jh 2,19; Heb 3,14). Wer ausharrt, beweist, dass er bewährt ist (Rm 5,4).”

® Bemerkung:

Wer ausharrt, beweist, dass er bewährt ist, solange er ausharrt. Auch ein Bewährter kann wieder zu einem Unbewährten werden (z. Bsp. 1Kr 9,27).

Gemäß 2P 3,17 kann auch ein Gefestigter wieder zu einem Ungefestigten werden: „Hütet euch [fortwährend], damit ihr nicht, als solche, die durchden Irrtum der Ruchlosen zusammen mitihnenweggeführt wurden, aus der eigenen Festigkeit fallt.” Und Petrus weiß, dass es die Gefestigten nötig haben, immer wieder wachgerufen zu werden (2P 1,12.13): „… obwohl ihr sie wisst und gefestigt worden seid in der Wahrheit, die gegenwärtig geworden ist. (13) Ich halte es aber für recht, solange ich in diesem Zelt bin, euch durch Erinnern ganz wachzurufen”.

Off 13,10: „Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Glaubenstreue der Heiligen bewähren.” Vgl. 14,12.

„Der Wiedergeborene bewahrt sich.”

Argument: „Der Teufel kann Wiedergeborene nicht antasten, weil der Christ sich bewahrt: 1.Jh 5,18.“

® Bemerkung:

Wir wissen, dass keiner, der aus Gott geboren worden ist, [im fortlaufenden Sinn] sündigt, sondern der, der aus Gott geboren wurde, bewahrt sich selbst, und der Böse rührt ihn nicht an.“ (1.Jh 5,18) Wie bewahrt man sich? Indem man sich bei dem birgt, der wahrhaft bewahren kann!

Vertrauen ist gerade der Verzicht auf Leistung. Wenn wir uns auf den Herrn Jesus verlassen, dann verzichten wir auf alle anderen Mittel der Rettung. Wenn wir uns allein auf den Herrn und sein Opfer verlassen, das bewahrt uns vor allen Verführungen, vor allen listigen Anläufen des Teufels; das bewahrt uns vor dem Verschlungenwerden (1P 5,8)! Das ist es, was 1.Jh 5,18 meint, wenn es heißt, dass der Wiedergeborene sich bewahrt und der Böse ihn nicht antasten wird. Wir bewahren uns durch Flucht in die sichere „Burg“.

„Die Wiedergeborenen überwinden die Welt.”

Argument: „Was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt.“ (1.Jh 5,4). Diese Aussage bindet das Überwinden an die Wiedergeburt.

® Bemerkung:

Im Text wird dann gesagt, dass dieses Überwinden durch den Glauben geschieht. „V. 4M: Und dieses ist der Sieg, der die Welt überwand: unser Glaube. (5) Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?”

Auch in den Kap. Off 2 und 3 ist die Rede von Überwindern. Dass dies nicht automatisch geht, zeigt Off 12,10ff. Wer überwindet? Der, der glaubt. Das schließt ein, dass man Gott liebt und auf sein Wort achtet (und sich danach ausrichtet).

Vgl. auch Off 2,11: „Werde treu bis zum Tode, und ich werde dir die Krone des Lebens geben. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Der, der überwindet, wird nicht von dem zweiten Tode beschädigt werden.” Zu beachten ist, dass dieses Wort an Gemeinde Jesu – d.h.: an Wiedergeborene – gerichtet ist. Sie als Wiedergeborene werden zum Überwinden aufgerufen. Wer als Wiedergeborener nicht überwindet, wird zu einem Nichtchristen. Nichtchristen werden vom zweiten Tode beschädigt werden. Treue (griech: pistis, = Glaube = Treue) ist nötig für die zukünftige Errettung, für den Empfang der Krone des Lebens.[8]

10. Gottes Züchtigung

„Wenn die Züchtigung nicht zum Ziel der Buße kommt, nimmt Gott sein Kind durch Tod weg.“

Argument: „Es gibt keine automatische Bewahrung, sondern Gott holt sein Kind, das abweicht, durch Zucht wieder zurück. Ps 118,18; Off 3,19. 1Kr. 5,5: ‚damit der Geist gerettet werde’. Und gemäß 1Kr 11,30-32 werden Christen eben deshalb gezüchtigt, damit sie nicht abfallen und nicht mitsamt der Welt verdammt werden. Wenn die Züchtigung durch Krankheit nicht zum Ziel kommt, züchtigt Gott sein Kind durch Tod. Dann sind die Gezüchtigten nicht abgefallen, sondern als Gerettete gestorben.“

® Bemerkung:

1Kr 11,30-32: „Deswegen sind viele Schwache und Kränkliche unter euch und deswegen ist eine beträchtliche Zahl entschlafen; (31) denn wenn wir uns selbst inrechterWeise beurteilten, würden wir nicht ein Strafgericht bekommen. (32) Bekommen wir aber ein Strafgericht, werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht zusammen mit der Welt verurteilt werden.“

Der Text sagt nicht, dass Gott es zuerst mit Krankheit versucht, um sein Kind zurecht zu bringen und, falls das nicht gelingt, in jedem Fall zuletzt den leiblichen Tod als Zucht anwendet. Der Text sagt, dass (auf Grund der göttlichen Züchtigung) unter den Korinthern viele krank und schwach waren. Einige starben infolge ihrer Krankheit.

Paulus sagt dann, dass jegliches göttliche Strafgericht geschieht, damit der Gläubige nicht „zusammen mit der Welt verurteilt“ werde. Verurteilt (= verdammt) wird er nicht, wenn er Buße tut. Wenn er nicht Buße tut, könnte es so weit kommen, dass er sich schlussendlich von Christus abwendete (d.h., zum Nichtchristen würde) und so (als Nichtchrist !) zuletzt mitsamt der Welt verdammt werde. Die Stelle sagt nicht, dass Gott in jedem Fall durch leiblichen Tod züchtigt, damit der Betreffende nicht abfällt. Es ist nicht immer so, dass Gott, falls er mit der Züchtigung durch Krankheit nicht zum Ziele kommt, sein Kind in jedem Fall sterben lässt, damit es nicht zum Nichtchristen werde.

Zu 1Kr. 5,3-5: „denn ich meinerseits … habe bereits als gegenwärtig das Urteil über den, der dieses so ausübte, gefällt: (4) im Namen unseres Herrn Jesus Christus …(5) denjenigen dem Satan zu übergeben zum Verderben des Fleisches, damit der Geist am Tage des Herrn Jesus gerettet werde“:

Es geht nicht klar aus dem Text hervor, ob der Betreffende starb oder nicht. Das Verderben des Fleisches könnte sich auch auf eine Krankheit beziehen (vgl. Hiob 1; 2). 2Kr 2,6-10 könnte ein Hinweis auf die Buße des Betreffenden sein.

Die Züchtigung geschieht, damit der Betreffende Buße tut. Tut er nicht Buße, begibt er sich auf gefährliche Wege. Dass es so weit kommen kann, dass er zu einem Abgefallenen wird, ist nicht ausgeschlossen.

11. Weitere Argumente

„Die Freude im Himmel wäre verfrüht.“

Argument: „»So sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut« (Lk 15,10). Sobald ein Sünder Buße tut, bricht der ganze Himmel in Jubel aus. Diese Feier wird nicht aufgeschoben, bis die Engel herausfinden, ob der Errettete bestimmte Bedingungen erfüllt! Wenn sein ewiges Leben von irgendetwas abhängen würde, das er tun muss, wäre die Begeisterung verfrüht.“

® Bemerkung:

Die Freude über die Geburt eines Erdenbürgers ist auch nicht verfrüht. Dennoch wird dadurch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass dieser Mensch sich in jungen Jahren das Leben nehmen kann.

„Paulus hegte keinen Zweifel.“

Argument: „Der Apostel Paulus hatte keinen Zweifel darüber, dass er in seiner ewigen Heimat, dem Himmel, erkennen würde, gleichwie er erkannt worden ist (1Kor 13,11–12). Er wusste, dass er und auch die gläubigen Korinther verwandelt werden würden, das heißt, sie würden verherrlichte Leiber erhalten (1Kor 15,51–52 und 2Kor 5,1 u 8). Den Philippern schreibt er, dass Sterben für ihn Gewinn sei (Phil 1,21) und es gibt keinen Hinweis, dass das von seiner Treue abhängt. Er ermutigte sie mit der Gewissheit, dass der Herr Jesus ihre Leiber der Niedrigkeit verwandeln und sie umgestalten würde zur Gleichgestalt mit Seinem Leib der Herrlichkeit (Phil 3,21); er fügte aber nicht hinzu: »Falls ihr bis zum Ende durchhalten werdet.« Wie konnte er den Kolossern versprechen, dass sie mit Christus geoffenbart werden in Herrlichkeit (Kol 3,4), wenn sie erst Seine Anordnungen befolgen müssten, um sicher zu sein? Wie hätte er das im Voraus wissen können? … Paulus rechnete damit, den Himmel zu erreichen und er rechnete damit, dass die Thessalonicher auch dort sein würden, denn er sagte: ‚Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Ruhmeskranz – nicht auch ihr? – vor unserem Herrn Jesus bei seiner Ankunft?’ (1Thess 2,19). Er sagte nicht: »Aber ihr müsst weiterhin glauben und ich auch«, denn er wusste es im Voraus.

… Paulus hat nicht auf seine eigene Kraft vertraut, sondern sich darauf verlassen, dass der Herr ihn bewahren und in Sein himmlisches Königreich hinein retten würde (2Tim 4,8.18).“[9]

Antwort: Paulus hegte keinen Zweifel, weil er sich einzig und allein auf Christus verließ. Wer so glaubt, darf seines Heils sicher sein. Insofern die Philipper und Korinther ebenfalls so glaubten, konnte Paulus sie des ewigen Heils versichern. Das schließt aber nicht aus, dass dieselben Philipper und Korinther nicht auch aufgerufen werden, an Christus und dem Evangelium festzuhalten (vgl. 1Kr 15,2; Pp 2,12.16; 3,10-15). (Im Übrigen siehe oben.)

„Es gibt keine Stelle, die beweist, dass die, die abfielen, vorher Gläubige waren.”

Argument: „Es gibt in der Bibel kein Beispiel von einem wahrhaft Gläubigen, der am Ende ohne Zweifel ein Verlorener war.“

Antwort: Beispiele gibt es genug:

JudasIskariot

Er war ein Schaf der Herde Jesu: Mt 10,1.16: „Ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen.” Er war ein Jünger Jesu, sein Nachfolger, (was nach Jh 8,30.31 identisch ist mit Glaubender) und auch ein Apostel, ein von ihm Gesandter: Lk 6,13-16 (Jesus sendet keinen, der nicht nachfolgt). Er war ein von Jesus Gewählter (Jh 6,70) – zuerst zur Nachfolge, dann zum Gesandten/Apostel (Lk 6,13). Er bekam mit den anderen Jüngern Kraft von Jesus, für ihn den messianischen Sendungsdienst wahrzunehmen (Mt 10,1-8). Er war Glaubender und Nachfolger, solange das Wort Jesu in ihm die Oberhand hatte (Jh 8,31: „wenn ihr in meinem Wort bleibt” ), hörte aber mit der Zeit auf zu glauben: Jh 6,64: „Es sind jedoch einige unter euch, die nicht glauben” (d.h., zu diesem Zeitpunkt glaubten sie nicht bzw. nicht mehr). Judas wurde zu einem Gegner Jesu (er war es nicht von Anfang), Jh 6,70, das Umgekehrte von einem Nachfolger. Das bedeutete jedoch nicht, dass er nicht mehr hätte umkehren können. (Dieselbe Bezeichnung erfuhr Petrus: Mt 16,23: Hbr: satan; Gr: diabolos; Dt: Gegner). Judas war bereit, seinen Herrn zu verkaufen. Judas ist nie von Jesus verlassen oder versäumt worden (Jh 6,37). Er wurde auch nicht von Jesus verloren (Jh 6,39; 17,12; 18,9), sondern von ihm bewusst abgegeben und vom Vater abgeschnitten (Jh 15,2A.6A).[10]

Weitere Beispiele von Abgefallenen: Sie zeigen, dass die Warnungen an die Wiedergeborenen nicht ohne Ursache gegeben wurden.

Einige (1T 1,6)

„Davon (d.h., von dem Ziel: Liebe) sind einige abgeirrt und haben sich leerem Geschwätz zugewandt.” Sie waren also wohl Gläubige, denn Ungläubige können dieses Ziel wohl nicht verfolgen; sie aber hatten es verfolgt, hatten sich aber dann von diesem Ziel abgewandt.

Hymenäus und Alexander u.a. (1T 1,19.20 und2T 2,18)

1T 1,19.20: „… indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten haben; (20) unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe” – nämlich zur Züchtigung, was darauf hindeutet, dass es sich um Gläubige handelt.

Hymenäus hatte ein gutes Gewissen gehabt, es aber dann von sich gestoßen. Man kann nicht wahrhaftig ein gutes Gewissen haben, ohne gerechtfertigt zu sein. Wer behauptet, Hymenäus sei nie gläubig gewesen, behauptet zu viel. Paulus sagt, Hymenäus, auch Philetus, seien “in Bezug auf die Wahrheit vom Ziel abgeirrt” (2T 2,18)und Hymenäus habe “am Glauben Schiffbruch erlitten” (1T 1,19)

MacDonald gibt zu: „Es ist also möglich, dass Hymenäus ein Gläubiger gewesen ist.” Und argumentiert richtig: “Paulus sagt, dass er ihn dem Satan übergeben habe, sodass er lernen solle, nicht zu lästern. Die einzige andere Stelle, wo die Auslieferung an Satan als Bestrafung erwähnt ist, finden wir in 1. Korinther 5,5. Dieser Vers bezieht sich auf einen Gläubigen, der in Hurerei gefallen war. Er musste aus der Versammlung ausgeschlossen werden und dadurch ist er in den Machtbereich Satans versetzt worden, »damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn«.”[11]

Aus dem Kontext von 2T 2 möge der Leser sich selber ein Urteil bilden, ob Hymenäus und Philetus lediglich schlechte Christen (aber doch noch „Schafe“) waren oder schließlich wirklich zu gefährlichen „Wölfen“ geworden waren: 2T 2: (16) Dem entweihenden und leeren [ergebnislosen] Gerede gehe aus dem Wege, denn sie werden zu mehr Ehrfurchtslosigkeit fortschreiten, (17) und ihr Wort wird um sich fressen wie eine krebsartige Krankheit. Von ihnen ist Hymenäus, auch Philetus, (18) welche in Bezug auf die Wahrheit vom Ziel abirrten und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und sie bringen den Glauben etlicher zum Umsturz. (19) Dennoch gilt: Der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: „Der Herr kannte die, die sein sind” {vgl. 4.M 16,5}, und: „Jeder, der den Namen Christi nennt, nehme Abstand von Ungerechtigkeit.” (20) In einem großen Hause sind nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und tönerne, und einige sind zur Ehre, einige zur Unehre. (21) Wenn also jemand sich selbst von diesen[12] völlig gereinigt haben wird, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, eines, das geheiligt worden ist und dem [über sie verfügenden] Herrn gut brauchbar, zu jedem guten Werk bereitgemacht.”

Wer von der Wahrheit – und damit von Jesus Christus – abirrt, zerstört den Glauben anderer, die er lehrt, weil diese dann an eine falsche Lehre glauben; sie wenden sich somit ebenfalls von der Wahrheit und von dem Herrn Jesus ab.

Manche (1T 4,1)

 „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten.”

Argument: MacDonald schreibt zu 1T 4,1: “Natürlich könnten diese Leute vom Glauben abfallen, indem sie christliche Gemeinschaft, christliche Lehre und christliche Werte verlassen. Diejenigen, die in 1. Timotheus vom Glauben abfallen, wenden sich zu dämonischer Gemeinschaft – betrügerische Geister; dämonischer Lehre – Lehren von Dämonen; dämonischer Moral – durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie kehren sich vom Glauben ab, um mit Spiritismus zu beginnen. Es wird nicht angedeutet, dass ein Gläubiger das tun wird. Vielmehr wird Timotheus gewarnt, dass diese Dinge geschehen werden, wenn der große Abfall über die Welt hereinbrechen wird, und er wird angewiesen, die Brüder vor diesen Ereignissen zu warnen.”[13]

Bemerkung:

Abfallen vom Glauben bedeutet nicht nur abzufallen von einem äußerlichen Glaubensbekenntnis. Es bedeutet sich abzuwenden von der Wahrheit und vom Vertrauen auf sie. Glaube ist im NT das Vertrauen und der Inhalt dessen, worauf man vertraut: die gesunde Lehre, die Glaubenswahrheit. Die Wahrheit aber ist letztlich eine Person. Wer wirklich vom Glauben abfällt, verlässt die Wahrheit und damit den Herrn Jesus Christus, der die Wahrheit ist. Wer sich lediglich äußerlich einer Gruppe von Christen angeschlossen hatte und dann weggegangen war, ist nicht abgefallen, hat nicht Christus verlassen, dann man kann Jesus Christus nur verlassen, wenn man bei ihm war. Auch geht es beim „Abfallen“ nicht um ein Weggehen von einem christlichen Werte- oder Lehrsystem, sondern um ein Weggehen von der personellen Wahrheit (Jh 14,6) hin zu dämonischen Lehren, zu Unwahrheiten. Wer einer anderen Lehre vertraut, hat Gott nicht und hat Christus nicht (2Jh 9), auch wenn er noch so sehr beteuert, er habe beides.

Einige (1T 5,15)

„… denn schon haben sich einige abgewandt, dem Satan nach." Es handelt sich um Gläubige; vgl. 5,11-14: Jüngere Witwen aber weise ab, denn wenn sie – gegen Christus [gerichtet] – sinnlichen Regungen nachgeben[14], wollen sie heiraten. Sie haben das Urteil, dass sie die erste Treue verwarfen[15]. Zugleich aber auch lernen sie, müßig [zu sein], gehen fortwährend umher zu den Häusern. [Sie sind] aber nicht nur Müßige, sondern auch Geschwätzige und sich unnütz Herumtreibende, dabei reden sie fortwährend Dinge, die sich nicht gehören.

Einige (1T 6,9-10)

 „Aber die, die reich zu werden beabsichtigen, fallen in Versuchung und [in] eine Schlinge und [in] viele sinnlose und schädliche Lüste, welche die Menschen in Ruin und Untergang hineinstürzen; denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.”

Es scheint, dass es sich um solche handelt, die früher Gläubige waren. Vgl. den Kontrast V. 11-12:

Du aber, o Mensch Gottes, fliehe beständig von diesen [Dingen]! Jage fortwährend nach Gerechtigkeit, rechter Ehrfurcht, Glauben, Liebe, Ausdauer, Sanftmut. Kämpfe den edlen Kampf des Glaubens. Ergreife das ewige Leben, zu dem du auch gerufen wurdest und [für das du] das edle Bekenntnis vor vielen Zeugen bekanntest.“

Einige (1T 6,21)

„… zu der sich einige bekennen und von dem Glauben abgeirrt sind.”

Es ist einerlei, ob der persönliche Glaube oder die Glaubenswahrheit (= der Inhalt des Glaubens) gemeint ist.Wer von der Wahrheit abirrt, irrt auch von Jesus Christus ab, der die Wahrheit in Person ist. Vgl. 2T 2,18.

Widersacher (2T 2,25.26)

„… und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen und hoffen, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit (26) und sie wieder aus dem Fallstrick des Teufels heraus nüchtern werden, nachdem sie von ihm gefangen worden sind für seinen Willen.” Das „Wieder” (V. 26) zeigt, dass sie Christen gewesen waren. Falls sie noch Christen sind, sind sie auf dem Wege zum Abfall. Aber der Ausdruck Buße zur Erkenntnis der Wahrheit (gr.: epignoosis, d.h., volle/genaue Erkenntnis der Wahrheit) zeigt, dass sie sich von der Wahrheit abgewandt haben. Es scheint, dass es sich um Abgefallene handelt.

2T 4,4 und Jk 5,19-20

„… und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden.” Wer seine Ohren von der Wahrheit abkehrt, kehrt sie von Christus ab. Vgl. auch Jk 5,19.

Jk 5,19.20 „Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zurückführt, (20) wisst, dass der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, dessen Seele vom Tode erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird.”

Es kann hier wohl nicht der leibliche Tod gemeint sein, da es sich um das Bedecken von Sünden handelt. Durch das leibliche am Leben Bleiben werden nicht Sünden bedeckt.

Der Sünder ist wohl ein Christ, der am Abirren ist von der Wahrheit des Evangeliums. Er geht Richtung Abfall und damit Richtung (ewigen) Tod, wenn er in diesem Zustande der Verirrung bleibt. „Sünder” als Bezeichnung für jemanden, der von der Wahrheit abirrt (und so offensichtlich in die Sünde getrieben wird), ist verständlich. (Nb: Auch Paulus bezeichnet sich als einen Sünder, 1T 1,15, und zwar in Gegenwartsform.)

2P 2,15-22

2P 2,15.18-22: „Nachdem [o: Weil] sie den geraden Weg verließen, wurden sie irregeführt: … (18) denn mithochtrabenden, nichtigen Tönen locken sie mit fleischlichen Lüsten, mitZügellosigkeiten, die an, die in der Tat denen entflohen waren, die ihr Leben im Irrtum führten, (19) und sie versprechen ihnen Freiheit, während sie selbst Sklaven des Verderbens sind, denn von wem jemand überwältigt worden ist, diesem ist er auch als Sklave verfallen; (20) denn wenn sie, nachdem sie im Erkennen des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entflohen waren, wieder aber durch diese verstrickt und[dadurch] überwältigt werden, ist für sie das Letzte schlimmer geworden als das Erste, (21) denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihnerkannt hatten, umgewandt zu haben von dem heiligen Gebot, das ihnen übergeben war. (22) Es ist aber bei ihnen eingetroffen, was die wahre Bildredesagtvoneinem„Hund, der sich umwandte zum eigenen Gespei” {vgl. Spr 26,11}, und voneiner „gewaschenen Sau, diesichumwandte zum Wälzen im Schlamm.”

DieStufen des Abfalls:

1.       Den geraden Weg verlassen: 2,15

2.       Aus der Festigkeit fallen: 3,17 („hütet euch, dass ihr nicht, als solche, die durchden Irrtum der Ruchlosen zusammen mitihnenweggeführt wurden, aus der eigenen Festigkeit fallt”) ® Man wird wieder eine ungefestigte Seele; vgl. 2,14! Solche sind die Zielscheibe für die Verführer, die „ungefestigte Seelen locken” (2,14).

3.       Irregeführt werden [o: sich irreführen lassen]: 2,15 („Nachdem/weil sie den geraden Weg verließen, wurden sie irregeführt”) bzw. verlockt werden [o: sich verlocken lassen(2,18)].

4.       Verstrickt werden (durch die Befleckungen der Welt): 2,20 („im Erkennen des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entflohen waren, wieder aber durch diese verstrickt undüberwältigt werden”)

5.       Sich abwenden von der Wahrheit, vom Wort Gottes: 2,21 („umgewandt zu haben von dem heiligen Gebot, das ihnen übergeben war”)

6.       Das zuvor Ausgespieene wieder zu sich nehmen (2,22) und sich wälzen im Kot (2,22)

Hinweise auf frühere tatsächliche Wiedergeburt:

1.       Sie hatten Jesus Christus als Herrn und Heiland erkannt: 2,20, vgl. 1,3; 3,18; Ga 4,9.

2.       Sie waren durch eben dieses (Voll-)Erkennen (epignoosis) des Herrn den Befleckungen der Welt entflohen. 2,20. (Das ist ein Bekehrungsausdruck, vgl. 1,4: „damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur würdet, nachdem ihr der Verdorbenheit, die durch die Lust in der Welt ist, entflohen wart”)

3.       Sie hatten den Weg der Gerechtigkeit erkannt (epegnookenai) (2,21); d.h.: sie waren zur genauen Erkenntnis der Wahrheit und des Gerechtigkeitsweges gekommen: Jesus Christus ist beides, die Wahrheit (Jh 14,6) und die Gerechtigkeit (1Kr 1,30) bzw. der Gerechtigkeitsweg (Jh 14,6)

4.       Sie hatten sich zugewandt dem hl. Gebot, das ihnen übergeben war: 2,21. Das Gebot ist den Heiligen übergeben worden, nicht den Mitläufern. (Jud 3: gleiches Wort: paradidoomi) Vgl. Rm 6, dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid. (Auf solche Weise spricht man nicht von Mitläufern.)

5.       Sie waren gewaschen: 2,22 (vgl. mit 1,9: „Die Reinigung von seinen alten Sünden ließ er in Vergessenheit geraten.”)

„Der Hund, der sich umwandte zu dem, das er selbst ausgespieen hatte”, und „die Sau, die sich wusch [o: ein Bad nahm], um sich im Schlamm zu wälzen”. Die Bilder betonen: Umkehr zum Schlimmeren. Der Vergleichspunkt liegt in erster Linie im Tun dieser Tiere.

Der Hund: Er fraß vorher Schlechtes ® er spie es aus (= Abwendung vom Bösen; Bekehrung) ® er frisst es wieder (nun ist sein Zustand noch schlimmer; ein Hinweis auf den Abfall).

Die Sau: Sie war schmutzig ® sie bekam ein Bad (= Bad der Wiedergeburt) ® sie wälzt sich wieder im Schlamm (nun ist sie schmutziger als vorher; ein Hinweis auf den Abfall).

Sie waren Bekehrte und haben sich zum Leben in der Sünde wieder umgewandt (Rückbekehrung). Die Bilder von Hund und Schwein zeigen auch etwas Naturhaftes auf: Das Fleisch bekehrt sich nicht.[16] Es ist unrein, auch wenn man wiedergeboren ist. Die Natur dieser Tiere spielt also schon eine Rolle. Es steckt in der Natur von Hund und Schwein, dass sie so handeln. Andere handeln nicht so. (Nb: Dass Petrus solche Bilder für ehemalige Christen verwendet, soll uns nicht irritieren; will er doch ihre Sünden – ihr schmutziges Verhalten – aufzeigen.)

Der Hebräerbrief (allgemein)

Wer einwendet, der Hebräerbrief sei an Juden gerichtet, die äußerlich Christen (d.h., unwiedergeborene Namenschristen) waren, aber unter Druck standen, zum Judentum zurückzukehren, bedenke folgendes:

Wenn sie Juden waren, die äußerlich Christen waren, dann waren sie immer noch Juden; als solche standen sie weder in Gefahr noch unter Druck wiederum Juden zu werden und ins Judentum zurückzukehren, denn sie waren nie etwas anderes gewesen als Juden.[17] Die Gefahr, um die es ging, war nicht die, dass unbekehrte Juden in Gefahr standen, ins Judentum zurückzufallen, sondern dass wiedergeborene Judenchristen von Christus lassen und sich wieder vom Evangelium abkehren würden. Der Schreiber des Briefes warnt sie davor und zeigt auf, dass, sollten sie sich abwenden, das einem Abermals-Kreuzigen (!) des Sohnes Gottes (!) gleichkommen würde (d.h., sie würden damit den, den sie als den Sohn Gottes erkannt hatten, wiederum ans Kreuz heften und dem Spott aussetzen, vgl. Heb 6). In Kap. 10 zeigt er denen, die er in V. 23 und 24 angesprochen hatte, auf, dass sie, falls sie sich abwenden würden, Christi Bundesblut mit Füßen treten und den Geist der Gnade schmähen würden.

Der Verfasser spricht nicht zu zwei unterschiedlichen Gruppen, sondern zu einer homogenen. Dass sie wiedergeboren sind, ergeht z. Bsp. aus 10,23-25; 3,12f; 4,1, 6,9-11 und 12,15 hervor.

Der Aufruf von 3,12f ergeht an die „Brüder” (vgl. auch 3,1), nicht an Mitläufer. Die in 4,3 Angesprochenen („wir, die glauben, gehen in die Ruhe ein” [d.h., sind im Begriff, dies zu tun]”) werden in V. 11 aufgerufen, sich zu befleißigen, „einzugehen in jene Ruhe, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des ungläubigen Ungehorsams falle”. (Wenn es um Mitläufer ginge, müsste die Aufforderung in V. 11 lauten: „Befleißigen wir uns also, alle Mitläufer zu wahrer Bekehrung und Wiedergeburt zu führen.”) Auch Heb 6,9ff spricht dagegen, dass es sich um Mitläufer handelt. In Heb 6,11 geht es nicht darum, dass die Mitläufer fleißig werden sollten, durch Glauben und Geduld die Verheißungen zu erben. Es wäre nicht sinnvoll, unwiedergeborene Mitläufer aufzurufen, nicht träge zu werden und auszuharren, wenn diese doch noch nicht einmal Buße getan haben und gläubig geworden sind. Abraham wird als Vorbild vom Ausharren im Glauben angeführt. Diesem Vorbild können Mitläufer nicht nachkommen. Diese sollten zuerst Buße tun. Der Bußaufruf an etwaige Mitläufer fehlt aber! Warum? –

In Heb 12,15 heißt es, dass nicht jemand von der Gnade Gottes ab[komme und] zurückbleibe: „Von der Gnade weg zurückbleiben” (so wörtlich), kann man nur, wenn man vorher bei ihr war. Das Erstgeburtsrecht kann nur jemand weggeben, der es hatte. Das Bild zeigt, dass es sich um solche handelt, die zur Gemeinde der Erstgeborenen gehören. Sie sind es, die in V. 15ff aufgerufen werden.

Heb 3,6

Es wird argumentiert, in Heb 3,6 stünde nicht: „wir werden sein Haus werden”

® Bemerkung:

Der Verfasser sagt nicht: „Wir werden Christen werden, wenn wir festhalten“; er sagt: „dessen Haus wir sind, unter der Bedingung dass wir die Freimütigkeit und das Rühmen … auch wirklich festhalten.” Die Christen sind Christi Haus. Aber: Ob die Christen den Charakter eines „Hauses Christi” auch bis zum Ende bewahren, ist von der Bedingung abhängig, dass sie „die Freimütigkeit und das Rühmen der Hoffnung als eine feste bis zum Ende [bis zum Ziel] auch wirklich festhalten”.

D.h.: Wir sind sein Haus – und wir bleiben es bis zum Ende –, wenn wir wirklich bis zum Ende festhalten. Würden wir nicht festhalten, würden wir nicht sein Haus bleiben.

Es wäre nicht sinnvoll, die Mitläufer aufzufordern, eine anfängliche Freimütigkeit und ein anfängliches Rühmen der Hoffnung (das sie ja in Wirklichkeit nie haben konnten, wenn sie nicht wirklich Kinder Gottes geworden waren), bis zum Ende festzuhalten. Viel sinnvoller wäre es gewesen, sie zu entlarven und zur Umkehr aufzurufen. Das tut der Schreiber nicht, weil die Leser nicht Mitläufer sind, sondern Geliebte Gottes, heilige Brüder, Mitteilhaber Christi.

Heb 3,14

Es wird argumentiert, in Heb 3,14 stünde nicht: „Wir werden Christi Mitteilhaber werden...”

® Bemerkung:

Es ist richtig, dass der Vers nicht sagt, dass man durch das Festhalten eines Tages einmal ein Mitteilhabender Christus werden wird. Dem Verfasser liegt daran aufzeigen: Wir Christen sollen das, was wir geworden sind und jetzt sind (Mitteilhabende Christi), auch weiterhin bleiben. Würden wir nicht bleiben, würden wir in Zukunft nicht mehr das sein, das wir im Augenblick sind. D.h.: Wir würden in der Zukunft nicht mit Christus erben, nicht seine Mitteilhabenden sein.

Der resultative Aspekt wird durch das griech Perfekt betont: denn wir sind Mitteilhabende Christi [griech Perfekt: D.h.: Wir sind es geworden undsindesjetzt] unter der Bedingung dass wir den anfänglichen Gewissheitsgrund als einen festen bis zum Ende [bis zum Ziel] auch wirklichfesthalten”. Den Anfang des Gewissheitsgrundes (d.h.: die gewisse,festeGrundlage, diewir am Anfang hatten, o: dieStandfestigkeit, o: die feste Zuversicht, diewir am Anfang hatten, die müssen wir weiterhin bis zum Ende festhalten. Würden wir sie nicht bis zum Ende festhalten, würden wir unser Anteilhaben an Christus aufgeben.

D.h.: Wir sind zwar jetzt schon Mitteilhabende Christi, aber wir sind davon noch nicht in den Genuss gekommen (was das vollendete Heil betrifft); wir werden aber das, was wir jetzt sind, auch in der Zukunft sein (und in Genuss davon kommen), wenn wir das Angefangene bis zum Ende auch wirklich festhalten. Man muss im Glauben bleiben, um schlussendlich in das (vollendete) Königreich einzugehen. Ag 11,23; 13,43; 14,22; Kol 1,23; 1Kr 15,2f

Heb 6,1-8[18]: Über das Vorwärtskommen und die Gefahr unheilbaren Abfalls

Zuerst eine Aufforderung, voranzugehen (V. 1.2):

V. 1: „Darum lasst uns das Anfangswort des Christus lassen und der Reife zustreben und nicht wieder einen Grund legen mit Buße …”.

Das Grundlegen, das Fundamentbauen = die Verkündigung und Lehre vom Anfang des Christus. Wenn man ein Haus gebaut hat, so fängt man nicht nach Jahren wieder an, am Fundament herumzubauen. Diese Christen waren das Fundament schon längst und gründlichst gelehrt worden.

6,2: Man beachte die drei Paare - alles Dinge, die man im Judentum kannte, die aber nun neu im Licht der Christusoffenbarung betrachtet werden müssen. Von Christus her bekommen alle diese alttestamentlichen Wahrheiten ihre wahre Bedeutung: Buße und Glaube: Die Buße zu Gott ist dann, wenn man zu Christus umkehrt. Der Glaube an Gott ist dann gegeben, wenn man an Christus glaubt. Waschungen und Händeauflegung: Die jüdischen Waschungen deuten auf Christus hin: Nur in ihm ist man wirklich gewaschen. Die Handauflegung bedeutet Identifikation mit dem Opfertier. So muss man sich mit Christus identifizieren, der unser Opfer wurde. Auferstehung der Toten und ewiges Gericht: Christus ist der Erstling der Entschlafenen, und in ihm stehen wir zu neuem Leben auf und werden eines Tages alle auferstehen. Christus ist der Richter im Gericht. Von IHM her bekommen alle diese alttestamentlichen Wahrheiten ihre wahre Bedeutung. Das ist das ABC des Glaubens für den Juden, der sich zu Christus bekehrt hat.

Die Bedingungen zum Vorankommen und zum Gelangen zur Reife: V. 3-8

V. 3: „Und dieses werden wir tun, unter der Bedingung dass Gott es auch wirklich gestattet,…”

Unter welchen Umständen lässt Gott es bei den Empfängern des Briefes nicht zu, dass sie zur Reife fortfahren?

Gott gestattet es, dass wir der Reife zustreben (im Lehren und Lernen) unter der Bedingung, dass wir Buße tun, wo wir im Hören träge geworden sind (vgl. Heb 5,11-14). D.h.: Es ist schuldhaft, und Gott wird gehindert. Das können wir nur dadurch ändern, dass wir Buße tun und wieder intensiv auf Gottes Wort achten. (Das ist Erweckung!)

Die Frage, ob es sich hier um Christen oder Nichtchristen handelt, wird in den V. 1-3 beantwortet: Beachten wir dort das „wir”!

V. 3: Der Schreiber sagt: „Dieses werden wir tun, wenn Gott es nur gestattet. Er wird in den folgenden Versen von einer Bedingung sprechen, unter welcher Gott es gestat­ten wird fortzufahren. Diese Bedingung gilt Menschen die er „wir” nennt. Er wird zu weiterer Lehre voranschreiten, wenn Gott es gestattet. – bei wem? Die Antwort kann nur lauten: „Wenn Gott es bei uns gestattet, d.h.: bei denen, von denen er in V. 1 sprach. Er selbst schließt sich ein, indem er „wir” sagt (V. 3). Er spricht also von Christen, von sich selbst und von seinen Lesern, von denen er annimmt, dass sie Christen sind. Er versteht sie als Christen, kennt sie zum großen Teil.

Welche ernsten Gefahren gilt es zu beachten? (V. 4-8)

Die erste Gefahr: die Unmöglichkeit, zur Buße erneuert zu werden (unter gewissen Voraussetzungen): V. 4-6

V. 4-6: „denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet wurden, auch die himmlische Gabe schmeckten und Mitteilhaber des Heiligen Geistes wurden (5) und das edle, von Gott gesprochene Wort schmeckten, auch die Kräfte der kommenden Weltzeit schmeckten, (6) und die [dann] danebenfielen [= abfielen], wieder zur Buße zu erneuern, da/weil/indem/solange/während sie [o: …, sie, die] sich selbst den Sohn Gottes [fortwährend] ans Kreuz schlagen und ihn [fortwährend] an den Pranger stellen [o: öffentlich zur Schau stellen]“

Unter gewissen Voraussetzungen werden sich die Leser zur Reife bringen lassen. Die Voraussetzungen sind, dass sie auf den Autor hören, d.h. sich bewegen lassen; (5,11-14), dass sie nicht beim Fundament des Glaubens stehen bleiben (6,1-2);

dass Gott es zulässt (6,3-8). Zulassen wird es Gott nicht bei Menschen, die “daneben gefallen sind” und Jesus so behandeln wie die ungläubigen Juden. Der Grund dafür: Solche Auffassung von Christus und solche Einstellung ist ein Hindernis, einen Menschen zur Buße zu führen.

Der Begriff „erleuchtet” ist nach Hebr 10,32 ein Heilsausdruck.

Sie haben die „himmlische Gabe” (vielleicht Jesus, das Heil in Christus, das wir ja noch nicht vollendet haben) geschmeckt: „schmecken” = erleben: Das Schmecken ist mehr als nur ein wenig „testen”, ohne wirklich zu essen. Jesus Christus hat den Tod geschmeckt, war wirklich tot mit allen Konsequenzen (Hebr 2,9)[19].

Sie waren „Mitteilhaber des Heiligen Geistes geworden“: Das Wort „teilhaftig sein” (metechein= mit teilhaftig sein, metochos= Mitteilhaber) bedeutet im Kontext der meisten Stellen tatsächlich ein Besitzen, Haben. Z. Bsp. 1Kr 9,10.12; 10,17.21.30; Heb 2,14; 5,13; 7,13. Das Substantiv: Heb 6,4; 1,9; 3,1.14; 12,8. Persönlich des Heiligen Geistes teilhaftig zu sein, ist mehr als nur ein Teilhaben am Wirken des Geistes in anderen. Die Hebräerchristen waren Teilhaber des Heiligen Geistes in dem Sinne, dass sie ihn ganz hatten![20]

„und das edle, von Gott gesprochene Wort schmeckten“: In Vers9 wird der Verfasser zeigen, dass diese Menschen das Wort Gottes so geschmeckt haben, dass sie dadurch wirklich Christen wurden, nicht lediglich Mitläufer.

V. 7.8: „denn ein Boden, der den Regen, der sich öfters darüber ergießt, trinkt und nützliches Pflanzengewächs hervorbringt für die, deretwegen er auch bearbeitet wird, wird Segens von Gott teilhaftig, (8) aber der, der Dornen und Disteln trägt, ist verwerflich und dem Fluche nahe; sein Ende ist Verbrennung.“

Das „Denn” bringt die Erklärung für das in den V. 4.5 Gesagte. D.h.: Warum wartet Gericht für solche Leute, die abfallen und so den Sohn Gottes für sich kreuzigen und an den Pranger stellen? Antwort: Sie bringen keine (nützliche) Frucht (trotz des segnenden Regens Gottes), sondern lediglich Unkraut, Dornen, Disteln. D.h., Gott sieht das an, was herauskommt (ebenso wie in Heb 6,10 im Positiven Sinn: Liebe, Dienst als Frucht des Glaubens). Wo keine Frucht ist, dort kommt Gericht. (Vgl. Jh 15,6) Es ist bei diesen Menschen wie bei einem nutzlosen Ackerboden. Das stellt sich aber erst im Laufe der Zeit heraus, in der ver­schiedene Versuche unternommen wurden, aus dem Boden etwas herauszuholen. Das Ende solcher Leute ist der Fluch. Der Zustand wird zum bestimmten Zeitpunkt bestätigt und terminiert: Fluch setzt ein. Diese Grenze setzt Gott (vgl. Vers 10). Der Schreiber ist überzeugt, dass die gegenwärtigen Leser nicht zu diesen gehören. Dennoch gibt es den Abfall.

Heb 10,23-39

V. 23 „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken, denn der, der verhieß,[21] ist treu; 24 und lasst uns auf einander achten, um einander anzuspornen zur Liebe und zu edlen Werken, 25 nicht in unserem Zusammenkommen nachlassen, so wie es bei etlichen Sitte ist, sondern einander zureden, und das umso viel mehr als ihr den Tag herannahen seht,…”

Dieselbe Gruppe, die in V. 23 angesprochen ist, ist in V. 26 angesprochen. Es handelt sich um Christen. V. 23-25 kann man nur von Christen fordern, nicht von Mitläufern. Lieben und anspornen können nur Christen. Sie werden aufgefordert, das Bekenntnis ihrer Hoffnung festzuhalten, ohne zu wanken.

V. 26 "…, denn wenn wir von uns aus sündigen[22], nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, …”

Es liegt „Vollerkenntnis” (gr. epignoosis) vor. Das „wir” zeigt, dass sich der Verfasser einschließt.

Das „Denn” verbindet V. 26ff mit den Versen 23-25. Die Christen werden aufgerufen, festzuhalten, auf einander zu achten, anzuspornen zur Liebe und nicht im Zusammenkommen nachzulassen, weil es eine echte Gefahr gibt. Das „Denn” zeigt auf, dass sich die V. 26ff auf dieselbe Gruppe beziehen. Die Verse 23-25 erhalten ihre große Bedeutung und Brisanz durch die Verse 26ff. Es ist gerade deshalb so wichtig, festzuhalten, anzuspornen usw., weil ein Abfallen nach Erkennen der Wahrheit furchtbares Gericht nach sich ziehen würde.

„… bleibt kein [weiteres] Opfer für Sünden mehr übrig, 27 aber ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriff ist, die Widersacher zu fressen.” …

V. 29 „Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen trat und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt war, für gemein achtete[23] und den Geist der Gnade schmähte?“

Es geht um Gläubige, um Menschen, die geheiligt waren durch Jesu Blut und die den Geist der Gnade kannten.

Was heißt „geheiligt”? Der Hebräerschreiber gibt selbst die Antwort: heilig = rein, abgesondert von Unreinheit/Sünde, hin zu Gott. Ein Israelit, der zum Messias kommt und an ihn glaubt, wird geheiligt – beim Heilseintritt und progressiv während des Christenlebens: Heb 2,11 („denn beide, der, der heiligt, und die, die geheiligt werden, sind alle von einem”); 3,1: „heilige Brüder”, 10,10! und 14: „In diesem Willen sind wir Geheiligte durch das Darbringen des Leibes Jesu Christi ein für alle Mal. , 14 denn mit einer Darbringung hat er für immer zur Vollendung gebracht die, die geheiligt werden.” (Vgl. auch 9,13f; 7,26: heilig = „frei vom Übel, unbefleckt, von den Sündern geschieden”; 13,21 heiligte = reinigte).

Man darf nicht (unter Berufung auf 1Kr 7,14[24]) sagen, der Begriff „geheiligt” bedeute lediglich, „für Gott auf die Seite gesetzt”, und in diesem Sinne seien die Mitläufer durch Christi Blut geheiligt gewesen. Keineswegs:

Beachten wir zuerst, dass in V. 29 nicht die Präsensform steht, auch nicht die Perfektform, sondern der gr. Aorist: „durch das er geheiligt war [o: wurde; NICHT: „ist”]. Wer abgefallen ist, ist nicht mehr ein durch das Blut Geheiligter. Wie könnte man auch rein sein durch Blut, das man für unreines Blut achtet!?

Beachten wir weiter: „heilig” ist immer auch „rein”. „Heilig” steht immer im Gegensatz zu unrein (z. Bsp. 1T 4,7; 1Kr 7,14). Für Gott rein/heilig sein, können nicht Menschen, die nicht durch Christi Blut gewaschen sind. Gott reinigt nicht ohne Blut. Das Volk Gottes im AT war deshalb heilig und rein, weil sie das Blut anwandten. Solange sie das taten, waren sie heilig. Als sie das verwarfen, indem sie sich dem Götzendienst zuwandten, verwarfen sie Gott und damit auch das Blutopfer und ihre Heiligkeit. Sie wurden also zu Unreinen. Solange Gott die Tieropfer als wirkliche Reinigung (im Blick auf des Opfer Christi) gelten ließ, war das Volk des alten Bundes gereinigt durch diese Blutopfer. Dadurch aber, dass das Volk den Messias verwarf, war es zu einem unreinen Volk geworden, das schlussendlich aus Gottes Mund ausgespieen werden sollte (vgl. 3. Mos. 26).

„Geheiligt” kann hier nicht so aufgefasst werden, dass jeder unbekehrte Namenschrist/Mitläufer oder auch jeder Jude „für Gott rein und [vom Unreinen] abgesondert” sei. Unbekehrte Mitläufer sind niemals für Gott abgesondert (vgl. zum Begriff „heilig” auch Jud. 1; Rm 15,16; 1Kr 1,2; 6,11; 2T 2,21; 2Kr 6,17 - 7,1; 1P 2,8; Off 22,11).

Newell irrt, wenn er sagt: „Sie erachteten als gemein das Blut des Bundes, durch das sie in der Zeit ihrer einstigen ‚Erleuchtung’ und ihres ‚Schmeckens’ aufgrund ihres christlichen Bekenntnisses öffentlich als Eigentum des Herrn ausgesondert worden waren.” (Zit. bei B. Peters, 109). Niemals wird man durch ein Bekenntnis gereinigt / geheiligt / (vom Unreinen) abgesondert. Vgl. 2T 2,19-21, wo es um unreine Bekenner geht. Dieselbe Bibelstelle gilt für Finwandraat, der irrt, wenn er sagt: „Jeder, der Christus seinen Herrn nennt (ohne selber gläubig zu sein), ist geheiligt”.

Ein Jude, der äußerlich zum Christentum übertritt, aber nicht glaubt, wird nicht durch Christi Blut geheiligt. Judas war nicht (mehr) rein, als er zum „Ungläubigen” geworden war, obwohl er immer noch nahe bei Jesus war. Jh 13,11. Man wird nicht aufgrund eines Bekenntnisses (ohne Sündenvergebung also) durch Christi Blut geheiligt, sondern durch den Glauben: Ag 26,18: „…die durch den Glauben an mich geheiligt worden sind.”

Auch die Auffassung, alle Menschen seien de jure durch Christi Blut geheiligt worden (durch die Tatsache, dass Jesus Christus für alle starb), findet sich nicht in der Heiligen Schrift. Eine „Heiligung de jure” gibt es nur für die, die durch den Glauben an Christus „rein” werden: „Heilige” (z. Bsp. 1Kor 6,11). Die „de facto Heiligung” findet dann progressiv im Glaubensleben und schlussendlich punktuell in der Vollendung anlässlich Christi Wiederkunft statt.

V. 35 „Werft also eure Freimütigkeit nicht weg, welche eine große Vergeltung hat, 36 denn ihr habt Ausdauer nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt, 37 denn noch „ein sehr, sehr Geringes” istes! {vgl. Jes 26,20} Der, der kommt, wird kommen; und er wird nicht verziehen {vgl. Hab 2,3}.”

Es geht darum, den Willen Gottes zu tun. Dieser ist: Festhalten! Die Freimütigkeit, die sie nicht wegwerfen sollen, geht parallel zu „vom Glauben her leben” (V. 38). Zu Beachten ist, dass es noch immer um dieselbe Gruppe von Angesprochenen geht. Die, die zur Ausdauer und Standhaftigkeit aufgerufen werden, sind dieselben, die auf Christi Wiederkunft warten: die (in Christus) „Gerechten”, diejenigen, die aus Glauben leben.

V. 38: „Aber der Gerechte wird vom Glauben her leben. Und wenn er zurückweicht, hat meine Seele nicht Wohlgefallen an ihm {vgl. Hab 2,4.5}. 39 Aber wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele alsBesitz.”

V. 39A spricht von so einem „Zurückweichen zum Verderben”. Dem gegenüber steht das Gerettetwerden. Der Verfasser nimmt hier auf das zukünftige Heil Bezug.

Das Gerettetwerden geschieht durch den Glauben:

V. 39M: Wir sind „... des Glaubens zum Gewinnen der Seele”. Um die Seele (vollends) zu erretten (zukünftiger Heilsaspekt), muss man des Glaubens sein und bleiben: „… der Gerechte wird aus Glauben leben”.

V. 38M: Aber „wenn er” – der Gerechte (von V. 38,also ein Wiedergeborener!) – „zurückweicht” (= „abfällt”), hat Gottes Seele „nicht Wohlgefallen an ihm”. Das „Nicht-Wohlgefallen-Haben” von V. 38 steht parallel zu dem „Verderben” in V. 39. Es geht beim Abfallen um das Weggehen von Christus. Damit schließt man sich vom (noch zukünftigen) ewigen Heil aus. Wenn der Gerechte (der Wiedergeborene!) Christus verlässt, weicht er zurück „zum Verderben”. Stirbt er in diesem Zustand, geht er in die ewige Verdammnis.

Die alte Elberfelderübersetzung (ähnlich die alte Lutherübersetzung) ist an dieser Stelle nicht richtig übersetzt: Elberfelder übersetzte anstatt „er” (d.h., der Gerechte) von V. 38M („und wenn er zurückweicht”) fälschlicherweise „jemand”; damit wird die dem Verfasser so wichtige Verbindung von V. 38A (der Gerechte) und V. 38M („er”) aufgehoben. Diese Übersetzung ist vom griechischen Text her unzulässig.[25] (Auch eine Berufung auf Hab 2,3-5 ist nicht zulässig, denn der Verfasser zitiert nicht lediglich, sondern stellt bewusst – im Auftrag des Heiligen Geistes – die Verse aus Habakuk um und verwendet sie so, wie oben übersetzt.) Sowohl die Elberfelderrevidierer sowie die Lutherrevidierer haben dann den Fehler erkannt und entsprechend richtig übersetzt.

V. 39: „Aber wir”: Wer sind die „wir”? Der Verfasser und die Leser, also alle Empfänger, die ja im gesamten Brief immer wieder als Christen angesprochen werden.

Im Gegensatz zu wem stehen sie? (Vgl. „Aber”) Im Gegensatz zu denen, die zurückweichen, abfallen.

Der Verfasser spricht hier nicht zwei verschiedene Gruppen unter den Briefempfängern an (die einen, die im Begriffe sind abzufallen, d.h., die Mitläufer, und die wahren Gläubigen. Mitnichten. Er schreibt an eine homogene Gruppe. Jeder, der den Brief liest, ist angesprochen. Es gilt keinesfalls zu differenzieren zwischen Mitläufern einerseits und echten Gläubigen andererseits.

Der Verfasser sagt auch nicht, dass die Empfänger bereits solche seien oder bereits im Begriffe seien abzufallen. Nein. Noch glauben sie. Noch weichen sie nicht ab. Er will sagen: Ihr Hebräer sollt Kap. 6 und Kap. 10 nicht meinen, ich sähe euch als bereits Abgefallene oder im Begriffe abzufallen. Nein, ich bin davon überzeugt, dass es um euch besser steht, wenn ich auch so geschrieben habe. Ich weiß, dass bei euch Anzeichen vorhanden sind, die zeigen, dass ihr im Glauben steht und noch Zuversicht und Freimütigkeit habt. Dadurch seid ihr im Begriffe, das zukünftige Heil zu ererben (vgl. 6,9f). Wir – ich und ihr, die Briefempfänger – wir gehören nicht zu den Abgefallenen oder zu denen, die im Begriff sind zurückzuweichen. Wir gehören zu denen, die glauben und auf diese Weise ihre Seele erretten. Wollen wir doch nun auch dabei bleiben und niemals solche werden, die zurückweichen! – denn die Gerechten leben vom Glauben her. Wollen wir doch im Glauben bleiben, wie die vielen Zeugen (Kap. 11)! Wollen wir doch weiterhin auf Jesus aufsehen, der dieses Leben aus Glauben ins Leben gerufen, es auch selber begonnen und vorgelebt und auch vollendet hat, 12,1-3! Wollen wir doch unsere (des Betens und Laufens) müde gewordenen Hände und Knie wieder aufrichten, 12,12! Usw.

Aus diesen Worten dürfen wir aber nicht schließen, daher sei alle Gefahr gebannt. Nein, die Möglichkeit, selber solche zu werden die zurückweichen, ist nicht ausgeschlossen, wie die vielen Ermahnungen und Warnungen in diesem Brief zeigen.

12. Anhänge

Zur Frage: Können Abgefallene nach einem wirklichen Abkommen von Christus wieder zur Umkehr gelangen?

Das „Denn” in Heb 6,7 bedeutet nicht, dass es für Abgefallene unmöglich wäre, ihre Haltung gegenüber Jesus Christus zu ändern. Aber wenn sie ihre Haltung nicht ändern, ist Gericht unausweichlich. D.h.: Zurückweichen ins Judentum bedeutet Gericht.

Dass auch für die Empfänger des Briefes in Zukunft noch die Gefahr bestehen könnte, ihre anfängliche Zuversicht aufzugeben, wird in den Versen 6,11.12 angedeutet. D.h.: Obwohl sie es zur Zeit gut steht um sie (6,9-10), werden sie aufgerufen, standzuhalten, auszuharren, dabei zu bleiben (vgl. 3,6-8.12-14; 4,11.14; 10,23-39).

Wo Menschen von Christus abgefallen sind, wartet Gericht bei ihnen, „solange” bzw. „während” (6,6) sie den Sohn Gottes für sich aufs Neue kreuzigen. Würden sie ihre Haltung gegenüber dem Sohn Gottes ändern, könnten sie selber ihr Gericht aufhalten (wie die Niniviten zur Zeit Jonas). Das lehren viele Stellen der Heiligen Schrift. Rm 2,4; 2P 3,9; 1T 2,4. Es gibt aber auch eine Verhärtung. Doch wann dieser Punkt (point of no return) erreicht ist, bestimmt Gott (vgl. Pharao).

Die Tatsache, dass es eine Verhärtung gibt, sagt nicht, dass es bei jedem Abgefallenen so weit kommen müsse. Abfall zieht nicht notwendigerweise unwiederbringliche Verhärtung nach sich. Die Möglichkeit einer Buße bleibt – gemäß 2T 2,25f. (Beachten wir das „Wieder”.) Gott ist es, der die Gelegenheit zur Buße gibt (Ag 11,18; 2T 2,25f), und er tut das nur zu gerne, denn er hat nicht Gefallen am Tode des Gottlosen.

Dazu Herbert Jantzen:

Wenn es in Heb 10 heißt, es ist kein anderes Opfer mehr, heißt das nicht notwendigerweise, dass keine Möglichkeit mehr zur Umkehr gegeben wäre, sondern es gibt keine andere Möglichkeit als die, die man nicht in Anspruch nimmt. Es gibt nur einen Weg zu Gott, und dieser geht über Jesus Christus. Will man diesen Weg nicht gehen, gibt es keinen anderen, da es kein anderes Opfer gibt. Man hat also die einzige Möglichkeit nicht in Anspruch genommen. Verharrt man in dieser Haltung, dann gibt es natürlich keine Rettungsmöglichkeit. Hier scheint aber die Möglichkeit nicht ausgeschlossen zu sein, dass man seine Meinung ändern könnte.

    Wie ist es in Heb 6? V. 4-6:  “denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet wurden, auch die himmlische Gabe kosteten und Mitteilhaber des Heiligen Geistes wurden (5) und das edle, von Gott gesprochene Wort kosteten, auch die Kräfte der kommenden Weltzeit, (6) und die daneben fielen, wieder zur Sinnesänderung zu erneuern, sie, die sich selbst den Sohn Gottes ans Kreuz schlagen und ihn prangern

    Man kann den Teil des Textes, der uns hier beschäftigt, auch anders wiedergeben, wobei das Übersetzungsproblem deutlicher zu erkennen ist: Menge:  “es ist unmöglich, solche . . noch einmal zur Buße zu erneuern, weil sie . . den Sohn Gottes von neuem kreuzigen”. Alte Elb.:  “es ist unmöglich, diejenigen . . wiederum zur Buße zu erneuern, indem sie den Sohn Gottes . . kreuzigen” (Es fällt auf, dass sich die Elberfelder Revidierer in der neuen Ausgabe für dieselbe Formulierung entschieden haben [obwohl sie das frühere “indem” in der Fußnote als Variante angeben] wie Luther 84 und andere:  “da sie . . kreuzigen”, was mit der Version von Menge übereinstimmt.

    Es ist vom Griechischen her nicht ganz eindeutig zu erkennen, ob es “weil” bzw. “da” oder “indem” bzw. “während sie ihn kreuzigen” heißen soll. So lange wir dieses nicht wissen, muss die Frage offen bleiben. Wenn wir übersetzen müssen: “weil sie ihn kreuzigen”, gibt es keine Möglichkeit zur Umkehr mehr: d.h., einmal abgefallen, für immer abgefallen! Wenn aber zu übersetzen ist: “während sie ihn kreuzigen”, was durchaus möglich ist und ich für die bessere Übersetzung halte, dann ist noch eine Möglichkeit, dass sie ihre Meinung ändern könnten.

    Es scheint, als ob hier dasselbe gesagt wird wie in Kap. 10: Nur über Jesus kommt man zu Gott. Verlässt man diesen Weg, gibt es keine andere Möglichkeit. Das hieße aber nicht, dass man seine Meinung nicht später ändern könnte. Wir dürfen also Mut haben und verkünden, zu beten und nie die Hoffnung aufzugeben, dass ein Sünder zurückfindet.

Zu Jh 6,37-45[26]

„Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich keinesfalls hinausstoßen, (38) weil ich aus dem Himmel niedergekommen bin, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich schickte. (39) Dieses aber ist der Wille des Vaters, der mich schickte, dass ich nichts von allem, das er mir gegeben hat, verliere, sondern es auferwecke am letzten Tage. (40) Dieses ist aber der Wille dessen, der mich schickte, dass jeder, der den Sohn siehtundaufihn schaut und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn am letzten Tage auferwecken.”

V. 37-40: Wenn ein Mensch gerettet werden will, gibt der Vater diesen Menschen dem Sohn. ® Dieser Mensch kommt zum Sohn. ® Der Sohn wird ihn aufnehmen und ihm treu bleiben; d.h.: er wird ihn auch später nicht hinausstoßen. Jesus macht klar, dass er den Seinen die Treue hält. Dementsprechend ist das Verlieren von V. 39 als ein Versäumen zu denken.

Warum ist das so? Warum wird der Sohn einem solchen treu bleiben? Weil der Sohn eben deshalb vom Himmel herabkam, damit er den Willen des Vaters tue. Und der Wille des Vaters ist, dass der Sohn die ihm Anvertrauten ans Ziel bringe. Das Ziel ist: Auferweckung am letzten Tage. Der Vater will, dass jeder Glaubende ewiges Leben habe.

V. 44 „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater ihn ziehe, … und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. 45 Es ist geschrieben in den Propheten: ‚Sie werden alle von Gott gelehrt sein.’ Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.

Der Vater zieht zum Sohn. Wen zieht der Vater zum Sohn? Der Vater zieht jeden, der sich beim Vater befindet! Man muss sich schon da aufhalten, wo der Vater ist, um dann zum Sohne hin gezogen zu werden![27]

Wer nicht gerettet werden will, wird sich nicht beim Vater aufhalten, wird nicht vom Vater unterwiesen/gelehrt (V. 45) und zum Sohn gewiesen und gezogen werden. Er wird daher nicht zum Sohn kommen und wird nicht ewiges Leben erhalten.

V. 45: Jeder, der gerettet werden will, wird zu Jesus Christus kommen. Warum? Weil ihn der Vater zum Sohn zieht, zum Sohne weist. Deshalb hat derjenige, der an den Sohn glaubt, ewiges Leben. 6,47.

In V. 44 weist Jesus Christus darauf hin, dass er sich die Leute nicht selbst holt. Gott ist es, der den Heilsweg so bestimmt, dass die, die gerettet werden wollen (und dazu sich an den Vater wenden), vom Vater zum Sohn verwiesen werden. D.h.: Der Vater lehrt sie und weist sie zum Sohn. Vgl. Jh 6,45: „sie werden alle vom Vater gelehrt sein.” Und „Jeder, der” (dann so) „vom Vater gehört und gelernt hat”, kommt zu Jesus Christus.

Jesus Christus sagt hiermit: Ich mache mich nicht von mir aus zu einem Heilsplatz/Heilsweg. Wenn Menschen zu mir kommen, dann nicht von mir aus. Sondern das ist eben der Wille des Vaters! D.h.: Ich handle nicht von mir selbst, eigenwillig: V. 38. Ich bin nicht aus dem Himmel gekommen, damit ich meinen eigenen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich sandte.

V. 37: Jeder, den der Vater dem Sohn gibt (= zum Sohne weist und ihn auf diese Weise übermittelt), wird zum Sohne kommen. Und wer ist es, den der Vater dem Sohn gibt? – Jeden, der sich an den Vater wendet, um Heil zu erlangen.

D.h.: Gott will, dass du an den Sohn glaubst: Nicht: Gott macht alles, dass du an den Sohn glaubst.

V. 45: „Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.”

Wer also wirklich vom Vater gelernt hat, kommt dann zu Jesus Christus, um an ihn zu glauben (V. 40). Vgl. V. 48, wo Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, [der an mich Glaubende] hat ewiges Leben”. Beachte: Es steht nicht: „Jeder, der an mich heute glaubt, tut das nur deshalb, weil der Vater ihn erwählte und deshalb es so gemacht hat, dass er jetzt glaubt.“

Jesus spricht den Willen des Menschen an. Die Verantwortung liegt beim Menschen, nicht bei Gott: „Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er Kenntnis haben hinsichtlich der Lehre, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ (Jh 7,17) Weil der Mensch für seine Entscheidung verantwortlich ist, ist Jesu Warnung von Jh 8,24 angebracht: „… wenn ihr nicht glaubt, dassich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.“

Zum Buch des Lebens

Off 3,5: „Der, der überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen keinesfalls auslöschen aus dem Buche des Lebens

Es sei darauf hingewiesen, dass die Sendschreiben an Gemeinde Jesu gerichtet sind, nicht an Namenschristentum. Gemeinde Jesu besteht aus wiedergeborenen Menschen.

Auch die „Toten“ in Off 3 waren immer noch Wiedergeborene, auch wenn zu ihnen gesagt wurde, dass sie „tot“ seien. Sie schliefen einen Todesschlaf, aus dem sie aufwachen sollten (vgl. auch Ep 5,14). Sie waren noch nicht Abgefallene. Aber sie standen in Gefahr. Sie waren im Begriffe zu sterben.

Off 3,5 betont lediglich, dass die Erlösten im Himmel nicht mehr (geistlich) „sterben“ werden. Es wird keine Aussage darüber gemacht, ob sie auf Erden abfallen (und damit geistlich sterben) können.

Exkurs zum „Buch des Lebens“

Das Buch des Lebens ist „das Buch derer, die leben“.

Das Buch des Lebens im AT war das Buch der Glieder des Volkes Gottes im Alten Testament: Alle Glieder des Volk Gottes stehen im Buch des Lebens. Das heißt, man kommt hinein, sobald man Glied des Volkes Gottes wird. (Man steht nicht von Ewigkeit darin). Ein Israelit kann davon wieder ausgelöscht werden. Vgl.: Mose, die Verfolger Davids, jeder, der sündigt. Die Gerechten bleiben im Buch stehen. Die im Buch Geschriebenen werden gerettet werden. vgl. 2.Mose 32,32f; Ps 69,28; Jes 4,3; Dan 12,1; Hes 13,9. Das Auslöschen des Namens unter dem Himmel heißt sterben, von der Erde verschwinden (oft auch: ewig sterben). Ein Israelit kann aus dem Buch seiner Gliedschaft im Volk Gottes wieder ausgelöscht werden. Vgl. Mose, die Verfolger Davids, jeder, der sündigt. Auslöschung aus dem Buch ist gleichzusetzen mit der Auslöschung aus dem Volk- im Alten Testament aus dem irdischen Volk Gottes (5M 9,14; 29,19f; 2Kön 14,27; Ps 9,5f; Jes 56,5).

Gott schreibt alle meine Tage in sein Buch, d.h., er weiß schon alles im voraus, was ich tun werde (Ps 139,16; vgl. Mal 3,16). Er hat einen Plan für mein Leben. Vorherwissen ist nicht Vorherbestimmung; ich kann auch den Plan Gottes für das eigene Leben verfehlen, ich kann auch Dinge, die Gott gerne durch mich tun würde, verfehlen, vgl. Jk 4,2f. 

Im Buch des Lebens der Erlösten im Neuen Testament stehen alle Glieder des neutestamentlichen Gottesvolkes: Pp 4,3; Off 3,5. Wer gerettet wird, wird ins Buch eingetragen. Wer nicht gerettet ist, kommt nicht in das Buch. Die Erlösten sind angeschrieben im Himmel: das heißt, sie sind in das Gottes Gedanken eingraviert. Er ist für sie da. Lk 10,20. Vgl. Heb 12,23: Wie kommt man zur Gemeinde der Erstgeborenen? – Durch Umkehr und Glaube. Wie kommt man in das Buch des Lebens? – Auf dieselbe Weise.

Im Sinne der Vorauskenntnis Gottes stehen die Geretteten von Ewigkeit im „Buch“ (d.h., in den Gedanken) Gottes. 

Die Ungläubigen stehen nicht im Buch: Off 13,8: „…alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens (des geschlachteten Lammes) von Grundlegung der Welt an.“ Off 17,8: „… und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, …“ Die Ungläubigen standen nie im Buch des Leben gestanden – von Grundlegung der Welt an nicht. Sie wurden nie eingetragen.

Die Geretteten stehen lediglich im Sinne der Vorauskenntnis Gottes im „Buch“/Gedächtnis Gottes, aber nicht im Sinn einer Determination. Faktisch werden sie eingetragen bei der persönlichen Heilswende.

Off 2015; 21,27: Wer nicht gerettet ist, kommt nicht in das Buch und steht nicht darin. Wer gerettet war und abgefallen ist, wurde zum Nichtchristen und daher ausgelöscht aus dem Buch (3,5).

Weitere Bibelstellen, die für eine Möglichkeit des Abfallens Wiedergeborener sprechen

2Kr 1,24

denn ihr steht durch den Glauben” Wie man durch den Glauben gerechtfertigt und gerettet wird, so ist man auch aufgerufen, durch den Glauben zu leben und zu „stehen”.

Kol 2,6.7

Wie ihr also Christus Jesus, den Herrn, annahmt, wandelt [fortwährend] in ihm, gewurzelt und aufgebaut werdend in ihm und [gestärkt und]gefestigt werdend im Glauben

1T 4,16

Habe [stets]Acht auf dich selbst und auf die Lehre; bleibe beharrlich bei diesenDingen, denn indem du dieses tust, wirst du sowohl dich selbst [bewahren und]retten als auch die, die dich hören.”

Wie lässt man sich bewahren? Indem man seine Augen beständig auf Christus – auf die Heilige Schrift – gerichtet hält.

Gott wird jeden bewahren, der sich auf ihn verlässt, sich bei ihm birgt: 2P 2,9 ("so weiß der Herr Ehrfürchtige (!) aus der Prüfung zu befreien.") 

Manche argumentieren, 1T 4,16 beziehe sich nicht auf das ew. Heil, sondern auf gegenwärtige Versuchung. Das entspricht nicht dem Kontext des Briefes, vor allem 1T 6,12 („Kämpfe den edlen Kampf des Glaubens. Ergreife das ewige Leben, zu dem du auch gerufen wurdest”). Sich selbst zu retten (und zu bewahren) bedeutet hier: den eigenen Beitrag zu geben, den man zu geben hat, um bewahrt zu bleiben bis ans Ende: Ausharren in Jesus, Bleiben im Glauben. Ähnlich verwendet Paulus das Wort „retten/bewahren” in 1Kr 7,16 und 9,22 (d.h., im Sinne von: einen Beitrag zu deren Rettung/Bewahrung leisten).

1.Jh 2,24

Ihr also, was ihr von Anfang hörtet, bleibe stets in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang hörtet, werdet auch ihr in dem Sohne und in dem Vater bleiben.”

Jud 21-23

bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. Und etlicher erbarmt euch – macht einen Unterschied –, etliche rettet in Furcht: Reißt sie aus dem Feuer! Dabei hasst selbst das vom Fleisch befleckte Kleidungsstück.”          

Rm 8,12.13

Dann sind wir also, Brüder, Schuldner – nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben, (13) denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, seid ihr daran zu sterben. Wenn ihr aber [durch den]Geist die Handlungen des Leibes zu Tode bringt, werdet ihr leben[28]

Man argumentiert dazu, in dieser Stelle ginge es um Fruchtbringen, nicht aber um die Bewahrung des Heils; und in V. 13 spräche Paulus auch die Mitläufer an (Wechsel von „wir” auf „ihr”).

® Bemerkung:

Die Gefahr des Sterbens ist gegeben, sagt Paulus; und die Römerchristen werden leben, wenn sie die Handlungen des Leibes töten [w: „euch leben”, d.h.: „dann werdet ihr euren Beitrag dazu tragen, zu leben”]. Die Angesprochenen sind die Heiligen von Rom (Rm 1,7-8), nicht Mitläufer.

Der Wechsel von „wir” auf „ihr” ist kein Wechsel von den Heiligen zu den Mitläufern (vgl. Rm 6.1® V. 11; Rm 6,15 ® V. 16ff; Rm 7,4 ® V. 5f; Rm 8,4 ® V. 5f; Rm 8,15. Rm 8,17ff® V. 23ff.) Vielmehr müsste in dem Fall, dass es sich um Mitläufer handelte, der Personwechsel von wir/ihr auf „sie” sein (vgl. Rm 8,4ff; Rm 8,9ff).

Rm 11,20-24

Recht. Durch den Unglauben [kam es, dass]sie ausgebrochen wurden. Du stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich, (21) denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht schonte, kannessoweitkommen, dass er auch dich etwa nicht schone! (22) Sieh also die Freundlichkeit und die Strenge Gottes: Gegen die, die fielen, Strenge; gegen dich Freundlichkeit, wenn du an der Freundlichkeit bleibst. Sonst wirst auch du abgeschnitten werden. …“

Man argumentiert, hier gehe es nur um die Volksgruppen Israel einerseits und die Völker andererseits, nicht um Einzelne.

® Bemerkung:

Sich nicht rühmen, nicht ungläubig sein, nicht hochmütig sein, sich fürchten, bleiben (V. 22), „auch du” – alle diese Begriffe deuten darauf hin, dass einzelne Christen angesprochen sind, nicht ein Kollektiv. Paulus wechselt des Öfteren von kollektiv zu individuell (z. Bsp. 1T 2,15). 

Jh 15,2.6

Jede Rebe an [und in] mir, die nicht Frucht trägt, hebt er auf[und nimmt sie weg]; und jede, die Frucht trägt, reinigt er, damit sie mehr Frucht trage… (6) Wenn jemand nicht an [und in] mir bleibt, gilt:[29] Er wurde wie die Rebe hinausgeworfen und er verdorrte (und man sammelt sie[30] und wirft sie ins Feuer), und er brennt.“

Man argumentiert, Jh 15 handle vom Fruchtbringen, nicht vom Heil, nicht vom Bewahren des ewigen Lebens. Der Begriff „nimmt er weg” meine Züchtigung, denn nicht der Vater sei der Richter, sondern der Sohn.

® Bemerkung:

Auch der Vater ist Richter (z. Bsp. Rm 3,6; Heb 10,30; 12,23; 13,4; Jk 4,12; 1P 1,17; 2,23; Off 18,8).

Es geht im Bild vom Weinstock nicht nur um Frucht, sondern auch um Leben und Sterben. Obwohl hier die Frucht als Kriterium angesprochen ist, zeigt doch der gesamte Kontext, dass es letztlich um Leben geht. Die Rebe hat eine Lebensverbindung mit dem Weinstock. Bleibt sie daran, bringt sie Frucht, bleibt sie nicht daran, stirbt sie zuletzt ab. Die Rebe muss beständig am Weinstock bleiben. Christen sind gerettet aus Glauben, aber auch zu Glauben. Rm 1,16f. Sie sollen beständig beim Herrn bleiben, auch weiterhin auf ihn vertrauen (Kol 2,7). Wir sollen lernen, völlig aus dem Glauben an Jesus Christus zu leben - und zwar in jeder Hinsicht. Ich darf mich auf ihn werfen, als den, der mein geistlicher Lebensquell ist; und daher will und soll ich nur aus ihm schöpfen.

Mt 10,22

Wer ausharrt bis ans Ende [w: ausgeharrt hat zum Ende hin], wird gerettet werden.“

Man argumentiert (unter Hinweis auf 1.Jh 5,18), hier handle es sich lediglich um eine Charakterisierung der wahrhaft Gläubigen. Wer wahrhaft glaubt, wird ohnehin ausharren.

® Bemerkung:

Der Text sagt, dass sie alle um Christi willen verfolgt werden. Sie alle sind „Schafe” (vgl. V. 16), aber nur diejenigen unter ihnen, die standhaft bleiben, werden gerettet werden.“ (Im Übrigen siehe das oben Gesagte).

Lk 12,40-48

„Wenn aber jener leibeigene Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen, und anfängt, die leibeigenen Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, wird der Herr jenes leibeigenen Knechtes an einem Tage kommen, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil mit den Ungläubigen setzen.”

Der von Jesus bestellte Verwalter, der ein Genießerleben anfängt und seine Mitarbeiter tyrannisiert, wird abgesetzt. Er wird ausgestoßen und teilt das Schicksal der Ungläubigen. Der Herr weist auf den Unterschied zu den Ungläubigen hin. Der (ehemals) Gläubige wird dann das Los des Ungläubigen teilen.

Rm 6,16

Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch als leibeigene Knechte zum Gehorchen zur Verfügung stellt, dessen leibeigene Knechte ihr seid, dem ihr gehorcht, ob der Sünde zum Tode oder des Gehorchens zur Gerechtigkeit?”

Off 3,16

weil du lau bist und weder kalt noch warm, bin ich daran, dich aus meinem Munde zu speien

Das Wort Jesu ist an solche gerichtet, die er züchtigt, an solche, die er liebt (V. 19), d.h.: an Wiedergeborene, an Christen (vgl. Heb 12,5-8).

1.Jh 5,16

 „Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht – eine Sünde nicht zum Tode hin –, soll er bitten, und er wird ihm Leben geben, solchen, die nicht zum Tode hin sündigen. Es gibt Sünde hin zum Tode.“

Es scheint, dass mit der „Sünde zum Tode“ hier nicht eine Sünde zum leiblichen Tode gemeint ist. Eine Sünde zum leiblichen Tode, wäre eine Sünde, auf die der leibliche Tod (als göttliche Züchtigung) folgen würde. Niemand aber weiß, wann eine bestimmte Sünde eines Bruders zum (unmittelbaren) leiblichen Tode führt und wann nicht. Man müsste warten, bis der Betreffende gestorben ist.

Im Kontext (5,11-13.20) ist vom geistlichen „Leben“ die Rede, nicht vom leiblichen. D.h., Johannes sagt hier: Es gibt die Sünde zum geistlichen Tod (d.i. die Abfallsünde, vgl. Heb 10,26ff). Aber er ist vorsichtig. Er verbietet nicht die Fürbitte für solche Menschen. Er sagt lediglich: „Nicht von solcher [Sünde] sage ich, dass man bitten soll.“ D.h., er gibt kein direktes Gebot, sich für Abgefallene in der Fürbitte einzusetzen. (Vgl. Jer 14,11; 15,1.) Johannes ist sich klar: Wir wissen letztlich nicht, wann es bei jemandem so weit ist. Wir sollen nie die Hoffnung für jemanden aufgeben.[31]

„Vergeblich“

Paulus selber sah die Gefahr, dass er an manchen Orten vergeblich gearbeitet habe. 1.Kor 15,2; Gal 3,1-4; 4,11; 1.Thes 3,3-5; Phil 2,16; vgl. 2.Kor 6,1. Dies wäre dann der Fall gewesen, wenn die Bekehrten wieder in ihr altes Leben und in den Unglauben zurückgegangen wären.

Schluss

(Von Herbert Jantzen)

Man sollte auf die Schrift, das Reden Gottes, eingestellt sein, nicht auf menschliche Lehrer. Wo man nicht mehr bereit ist, aufs Neue auf die Schrift zu hören, sind schwere Bedenken anzumelden.

Der die Unbedingtheit Betonende sollte auch die Stellen in seiner Bibel lesen und berücksichtigen, auf die sein Gegenüber sich beruft. Tut er es, so wird er einen heiligen Lebenswandel führen und bewahrt bleiben. Der die Bedingtheit Betonende sollte genauso die Schriftstellen seines Gegenübers beachten, weil sie ja auch in seiner Bibel stehen. Tut er es, so wird er auf den Herrn vertrauen und so bewahrt bleiben. Der Erstere soll sich nicht auf seine Bekehrung verlassen, noch auf seine Lehre, sondern auf Gott, und der Zweite soll sich nicht auf seine Treue noch auf seine Heiligung verlassen, sondern auf Gott. Gerettet und bewahrt wird man durch den Glauben. Treue zu Jesus Christus ist keine Leistung. Treue (griech.: pistis) = Glauben (griech.: pistis)

Stets sollte Jesus Christus im Mittelpunkt des Überlegens stehen, nicht die Treue zu einer Auffassung.

Ein Christ ist einer, der sich auf den Herrn Jesus verlässt. Wenn einer aufhört, sich auf den Herrn Jesus zu verlassen, hat er aufgehört Christ zu sein. (Ob er es nie war, können wir erst sagen, wenn wir klare Fakten haben.) Die Heilige Schrift ruft Wiedergeborene auf, dass sie sich weiterhin auf Christus allein verlassen. Das allein zeigt, dass die Gefahr des Abfallens Wiedergeborener eine echte ist.

Für die Seelsorge: Die, die sich Gedanken machen und Angst haben, sie hätten eine Sünde begangen, durch die sie verloren gingen, haben die Abfallsünde nicht getan.

 

[1] w: (als seine Beute) hinunterschlingen

[2] Der größere Teil der En hümin-Stellen wird mit „unter euch” übersetzt: vgl. Mt. 11,21; 20,26f//; Lk. 10,13; Joh. 12,35; Apg. 13,26; 15,7; 25,5; Rm 1,12f; 12,3; 1.Kor. 1,6.10f; 2,2; 3,3.18; 5,1; 11,18.19.30; 14,25!;15,12; 2.Kor. 1,19; 10,1.15; 12,12; 13,3; Gal. 3,5; Eph. 5,3; Kol. 1,6; Kol. 3,16 (Schlachter); 1.Thes. 5,12; 2.Thes. 3,7.11; Jak. 3,13; 4,1; 5,13.14.19; 1.Petr. 4,12; 5,1f; 2P 2,1.

[3] Nb: Wenn es so wäre, dass allein die Tatsache, dass Gott den Jüngern ewiges Leben verliehen hat, ihnen unabwendbar das zukünftige Heil sicherte, wäre es nicht nötig gewesen, dass Jesus Christus zusätzlich um ihre Bewahrung betete. Jh 17,11-15

[4] Wenn Paulus davon spricht, dass Wiedergeborene den neuen Menschen anzuziehen haben (Ep 4,24), bezieht er sich auf die Lebensweise (vgl. Kol 3,12ff). Das alte Verhalten ist abzulegen, das neue anzuziehen. Dieser neue Mensch, der anzuziehen ist, ist Christus, d.h., die neue Lebensweise ist Christus! Diese ist anzuziehen im praktischen Lebenswandel. Wenn Paulus davon spricht, dass wir den alten Menschen ausgezogen haben (Kol 3,9), bezieht er sich auf das, das wir früher waren, das alte Wesen mit dem alten Verhalten. Der neue Mensch, den wir angezogen haben, ist Christus und das neue Verhalten Christi. Dieses Neue in uns wird fortwährend erneuert, sodass auch unser Verhalten und unser Charakter mehr und mehr Christus ähnlich wird.

[5] Der deutsche Begriff „Berufung“ ist hier irreführend. Im Griechischen steht immer das Wort für „Ruf“.

[6] Auch 1.Petr 1,2 nicht: Das göttliche Vorauskennen selber war nicht die eigentliche Erwählung, sondern die Erwählung (in der Zeit) geschieht “gemäß Vorauskennen Gottes”, 1. Petr 1,2 (Nb: Das Vorauskennen, bedeutet mehr als Zuvorwissen. Es bedeutet ein Beziehung-Haben - in Gedanken - per Vorauswissen. Vgl. Adam kannte Eva: Kennen ist hier also mehr als Wissen). Das Vorauskennen geschieht nur in Gottes Gedanken. Die tatsächliche Erwählung geschieht in der Zeit, bei der Bekehrung. Bei der “Erwählung” ist nicht der Aspekt des Herauswählens aus einer Gruppe (und damit des Verwerfens der Nichtgewählten anderen) betont, sondern der Aspekt des Kostbarseins. (In diesem Sinne sind Christus und die Engel Erwählte: Lk. 23,35; 1.Petr. 2,4.6.9; 1.Tim. 5,21) Was man sich erwählt, macht man sich zu etwas Kostbarem bzw. ist einem kostbar (1.Petr. 2,4). Als Gott uns sich erwählte (uns, die wir durch den Glauben Christus annahmen und in Christus kamen), wurden wir ihm in Christus Kostbare. D.h.: als wir uns bekehrten, wurden wir ihm Erwählte.

[7] Der griechische Text spricht nicht von einer Berufung, sondern von einem Rufen.

[8] Off 2,10 (… „die Krone des Lebens geben“) sollte hier folgendermaßen übersetzt werden:  „Werde treu … und ich werden dir die Krone, (nämlich) das Leben, geben“ (genitivus epexegeticus oder appositivus, erklärender oder Apposition bildender Genitiv; siehe Griech. Grammatik Hoffmann/Siebenthal, S. 237), ähnlich wie in Gal 3,14; 5,5; Rm 7,6; Ep 6,16.17.19; Kol 1,5; Tit 3,7; Heb 12,19; 1P 3,4.7; Off 1,9.

[9] MacDonald, Sicher in Gottes Hand

[10] Nach Herbert Jantzen

[11] MacDonald, Sicher in Gottes Hand

[12] dh von diesen Lehren und von diesen Leuten

[13] MacDonald, Sicher in Gottes Hand

[14] d.h. wenn sie sich – entgegen einem Leben für Christus – den sinnlichen Regungen hingeben

[15] d. i. wohl: das frühere Treueversprechen brachen [o: für ungültig erklärten]

[16] Hier ein Bild von Artverwandlung per Wiedergeburt einzuführen (z. Bsp. vom Schwein zum Schaf) ist nicht zulässig. Das war es nicht, das Petrus hier sagte. Der Apostel ist frei, solche Bilder zu gebrauchen.

[17] Nebenbei ist anzumerken: Auch die Judenchristen – d.h., die wiedergeborenen Hebräer – waren noch Juden, denn in der neutestamentlichen Zeit gab man seine Identität als Jude nicht auf, wenn man Christ wurde.

[18] Im Folgenden z.T.: Herbert Jantzen, Hebräerauslegung

[19] „Schmecken” ist in den meisten Fällen gleichbedeutend mit „essen”. Heb 2,9: Jesus schmeckte den Tod, indem er ihn völlig erlitt, nicht nur ein wenig „kostete”; Matt. 16,28 = Mk. 9,1 = Lk. 9,27: schmecken = den Tod erleiden, nicht nur ihn ein wenig „lecken”, vgl. Joh. 8,52; Ag 20,11: Nachdem er das Brot gebrochen hatte, ass (!) er es auf. 10,10: Petrus war hungrig und wollte essen, nicht nur etwas „lecken”. 1P 2,3: Sie hatten geschmeckt (= wirklich erfahren!), dass der Herr freundlich war.

[20] Dass pneuma ohne Artikel steht, hat nichts zu sagen. (Vgl. alle Vorkommen von pneuma ohne Artikel.)

[21] o: der, der die Verheißung gab

[22] d.h.: ausfreienStücken sündigen; mutwillig sündigen {vgl. 4M 15,30. 31}

[23] d.h.: nachÜberlegungfür gemein/unrein achtete

[24]1.Kor. 7,14: „Heilig” steht hier im Gegensatz zu „unrein”. Es könnte ja der Vorwurf kommen: Der ungläubige Mann ist „unrein” und macht dadurch die Ehe „unrein” und damit ungültig. Daher kann die gläubige Ehefrau sich ohne weiteres von ihm trennen. Paulus sagt: Nein. Die Ehe ist heilig, rein; es handelt sich nicht um eine unreine Verbindung! Der ungläubige Mann ist durch die gläubige Frau geheiligt, ehelich rein, ehelich echt, nicht in einer unreinen Verbindung stehend. Paulus sagt, das Eheband ist nicht verunreinigt durch die Tatsache, dass der Mann ungläubig ist. Die Kinder dieser Verbindung sind nicht „Unreine”, sind nicht Bastarde, nicht Uneheliche, nicht in Sünden geboren (vgl. Joh. 8), sondern sie sind „rein”, eheliche, echte Kinder. (Es ist damit nicht gemeint, dass sie dadurch automatisch gläubig sind oder gerettet sind.)

[25] Für „jemand” müsste im Griechischen „tis” stehen. Das ist aber nicht der Fall.

[26] Im Folgenden vgl. Herbert Jantzen

[27] Beachten wir den Kontext in Jh 6: Es geht um Juden, die Verfechter des Glaubens an den Vater sind. Es geht nicht um Atheisten, Agnostiker und Rauschgiftsüchtige.

[28] o: werdet ihr dazubeitragen, dassihrlebt; w: werdet ihr euch leben

[29] o: dann wirdseineGeschichte lauten: ; o: dann wirdesvonihmheißen:

[30] d. i. die {hinausgeworfenen und verdorrten} Reben

[31] Ein Beispiel der Verhärtung ist Pharao (2M 9,12-16): Er hat sich so sehr versündigt, dass es kein Zurück mehr gibt; der „Point of no return“ war überschritten. Gott warnt vor einem Spielen mit der Gnade Gottes.

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