Unverlierbarkeit des Heils oder Bewahrung im Glauben?

Unverlierbarkeit des Heils oder Bewahrung im Glauben?

von Jacob Thiessen

Gliederung:

0. Einleitung

1. Begründung der „ewigen Heilssicherheit“

2. Bewahrung im Glauben

3. Ausharren im Glauben

 

0. Einleitung

  • Einmal gerettet, für immer gerettet = „ewige Heilssicherheit“?

  • „Ewige Heilssicherheit“ = eine logische Folge der Prädestinationslehre

  • Kann man Heilsgewissheit haben, wenn der Christ das Heil wieder verlieren kann?

  • Was sagt die Bibel zum Thema „Heilssicherheit“?

 

1. Begründung der „ewigen Heilssicherheit“

  • Ch. Ryrie: „ewigen Sicherheit“ der Gläubigen versteht er als Werk Gottes, das darauf beruht, „dass die Gabe des Heils ein Gnadengeschenk ist und niemals verlorengehen kann“ (Die Bibel verstehen, S.371).

  • S. Doherty: „Die allgemeine Lehre der Schrift lautet, ein echter Christ kann seine Erlösung nicht mehr verlieren. Wenn ein Vers das Gegenteil zu lehren scheint, muss das ein Irrtum sein. Vielleicht verstehen wir die Lehre dieses Verses nicht ganz. Wir wissen aber auf jeden Fall, was er nicht lehrt und nicht lehren kann“ (Biblische Lehre Kindern erklärt, S.158).

  • Christen, die nicht die „ewige Sicherheit“ der Gläubigen lehren, könnten auch keine Heilsgewissheit haben.

  • Begründung der „ewigen Heilssicherheit“ u. a. mit Joh 10,27-29: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.“

  • Gemeint ist kaum, dass ich selbst nicht von Jesus weggehen kann. Jesus bezieht sich an dieser Stelle nicht auf das Schaf, das seinem Hirten davonläuft, sondern auf das Raubtier, das die Schafe zerreißen will (vgl. Joh 10,12).

  • Jesus sucht das „verlorene Schaf“, doch wer sich nicht finden lassen will, wird nicht gezwungen, zu Jesus zurückzukommen.

  • Vgl. auch Röm 8,38-39: „Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

  • Joh 15,9: „Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe.

  • Röm 8,13: „… denn wenn ihr nach dem Fleisch [d.h. in der Sünde] lebt, so werdet ihr (allmählich) [geistlich] sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“

  • Vgl. Hebr 6,4-6: „Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und [doch] abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.“

  • Hebr 10,28-29: „Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?“

  • S. Doherty: Bibelstellen wie Hebr 6,4-8; Hebr 10,26-31 und 2. Petr 2,20-22 zeigen, „dass jemand der Erlösung sehr nahe kommen kann“ und dass die „in diesen Versen beschriebenen Personen … keine echten Christen“ sind(Biblische Lehre Kindern erklärt, S.158).

  • Vgl. Mt 18,15-18: „Wenn dein Bruder in Sünde fällt …“

  • Menschen können vergeblich zum Glauben kommen (vgl. 1. Kor 15,2; Gal 3,4; 4,11).

  • Jesus warnt seine Nachfolger vor der Hölle (Gehenna), „wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mk 9,47-48; vgl. Mt 5,29-30).

  • 1. Tim 19-20: „… indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlittenhaben; unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern.

  • Vgl. 2. Tim 2,18: „… die von der Wahrheit abgeirrt sind …“

  • Christen sind aufgefordert, ihre Errettung „mit Furcht und Zittern“ zu bewirken (Phil 2,12) in dem Bewusstsein, dass Gott „sowohl das Wollen als auch das Wirken zu [seinem] Wohlgefallen wirkt“ (Phil 2,13).

 

2. Bewahrung im Glauben

  • Gegen Angst, im Glauben nicht durchzuhalten: Viele Verheißungen der Bewahrung.

  • Es folgt eine Auswahl von Bibelstellen zum Thema:

  • Joh 6,39-40: „Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es am letzten Tag auferwecke. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn am letzten Tag auferwecken.“

  • Joh 10,27-29: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen in Ewigkeit nicht verloren, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.“

  • Jesus im hohepriesterlichen Gebet: Bewahrung seiner Nachfolger (vgl. Joh 17,11ff.; „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen“; Vers 15).

  • Phil 1,6: „Ich bin ebenso überzeugt, dass der, der in euch ein gutes Werk angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu“ (vgl. auch Phil 4,7; 1. Thess 5,23f.; Hebr 12,3).

  • 2. Tim 1,12: „… ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe, und bin überzeugt, dass er imstande ist, mein anvertrautes Gut bis auf jenen Tag zu bewahren.“

  • Röm 8,38-39: Nichts kann uns von der Liebe Gottes scheiden.

  • 1. Petr 1,3-5: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, [die] bereit [ist], in der letzten Zeit offenbart zu werden.“

  • 1. Petr 5,10: „Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, er selbst wird [euch], die ihr eine kurze Zeit gelitten habt, vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen.“

  • 1. Thess 5,24: „Treu ist, der euch beruft; er wird es auch tun.“

  • 2. Thess 3,3: „Treu ist aber der Herr, der euch befestigen und vor dem Bösen bewahren wird.

 

3. Ausharren im Glauben

  • Die Gläubigen sind aufgefordert, im Glauben „auszuharren“ (vgl. Mt 10,22; 24,13; Mk 13,13; Lk 21,19; Hebr 10,32.36; 12,1; vgl. auch Offb 2,19; 3,10; 13,10; 14,12 u.a.m.) bzw. zu bleiben (vgl. Kol 1,23; 1. Tim 2,15; ferner Joh 15,10).

  • hypo-meno = „darunter bleiben“: Wie der Soldat kämpfend unter dem Schild bleibt.

  • Vgl. Mt 24,12-13:„… und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.“

  • Offb 2,5: „Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich zu dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust.“

  • Hebr 12,14: „Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird!“

  • Röm 8,13: „… denn wenn ihr nach dem Fleisch [d.h. in der Sünde] lebt, so werdet ihr (allmählich) [geistlich] sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“ Vgl. auch Röm 8,5-8.

  • Hebr 10,35-36.39: „Werft nun eure Zuversicht (Freimütigkeit) nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, den Willen Gottes getan habend, die Verheißung davontragt … Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben, sondern von denen, die da glauben zur Errettung der Seele.“

 


 

Prof. Dr. Jacob Thiesen, STH Basel Heilsgewissheit

 

Das Problem mit der Heilsgewissheit

Gliederung:

0. Einleitung

1. Biblische Aussagen

2. Grundlage für die Heilsgewissheit

3. Mögliche Gründe für mangelnde Heilsgewissheit

4. Mögliche Abhilfen

 

0. Einleitung

  • Heilsgewissheit = die Gewissheit, dass ich in den Himmel komme.

  • Kann man das wissen?

  • Was sagt die Bibel dazu?

  • Warum gibt es Probleme mit der Heilsgewissheit?

 

1. Biblische Aussagen

  • Was sagt die Bibel zum Thema „Heilsgewissheit“?

  • Joh 5,13: „Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

  • Joh 5,24: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“

  • 1. Joh 3,14: Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind …“

  • Joh 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

  • 1. Joh 5,12: „Wer den Sohn [Gottes] hat, hat das [ewige] Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.“

  • Kann man wissen, ob man Jesus hat?

  • 2. Kor 13,5: „Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid.

  • Wer Jesus hat,hat das Leben, die Erlösung, den Frieden mit Gott usw. jetzt schon (vgl. z.B. Joh 3,16; 5,24; Röm 5,1; Eph 1,7; 1. Joh 5,12; ferner Hebr 6,19; 8,1; 13,10.18; 1. Joh 2,1).

  • Er ist jetzt schon Kind Gottes sind: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3,12; vgl. z.B. Joh 1,12; Röm 8,14-16).

  • Gott hat uns wiedergeboren, wenn wir an Jesus glauben (vgl. 1. Petr 1,3).

 

2. Grundlage für die Heilsgewissheit

  • Gottes Liebe:

  • Röm 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.

  • 1. Joh 4,9-10: „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Hierin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.

  • Gottes Gnade = als Geschenk:

  • Eph 2,8-9: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

  • Röm 3,24: „… und werden umsonst (geschenkweise) gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ Vgl. auch Offb 21,6; 22,17.

  • Jes 55,1-3: „Auf, ihr Durstigen, alle, kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst! Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch! Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Verdienst für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich, und esst das Gute, und eure Seele labe sich am Fetten! Neigt euer Ohr und kommt zu mir! Hört, und eure Seele wird leben! Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen, [getreu] den unverbrüchlichen Gnadenerweisen an David.“

  • Jesu Erlösungswerk:

  • Röm 8,1: „Folglich [gibt es] jetzt keine Verdammnis (Verurteilung) für die, welche in Christus Jesus sind.

  • 2. Kor 5,17: „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

  • Eph 1,7: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade …“

 

3. Mögliche Gründe für mangelnde Heilsgewissheit

  • Falsche Einstellung: Man könne nicht wissen.

  • 2. Kor 13,5: „Prüft euch, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid.

  • Vertrauen auf Gefühle anstelle auf das Wort Gottes.

  • Auf Grund vom Wort Gottes werden Menschen wiedergeboren (vgl. 1. Petr 1,23; Jak 1,18; Eph 5,26).

  • Schwierigkeiten, Geschenke anzunehmen.

  • Wer nicht Geschenke annehmen kann, will sich auch bei Gott alles verdienen!

  • Röm 6,23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

  • Schwierigkeiten, sich selbst anzunehmen.

  • Kann Gott mich annehmen, wie ich bin? Vgl. Röm 15,7: „Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit.

  • Vertrauen auf Werke bzw. auf sündloses Leben:

  • Röm 3,20: „Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch [d.h. kein Mensch] vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz [kommt] Erkenntnis der Sünde.

  • Wilhelm Busch: Wer zuerst sündlos werden will, bevor er die Heilsgewissheit erlangt, der muss „bis auf den Himmel warten. Ich brauche bis zum letzen Tag, ja bis zum letzten Atemzug meines Lebens das Blut Jesu zur Vergebung der Sünden!“ (Jesus unser Schicksal, S.191).

  • Einseitiges Vaterverständnis Gottes.

  • Lukas 11,13: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel [gibt], den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“

  • Wirübertragen irdische Erfahrungen auf Gott.

  • Mangelnder Gehorsam.

  • Röm 8,12-14: „So sind wir nun, Geschwister, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch [d.h. in der Sünde] zu leben; denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes.“

4. Mögliche Abhilfen

  • Gott als liebenden Vater kennen lernen:

    • Ps 22,10: „Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen; du führtest mich zum Vertrauen (oder: zur Sicherheit) an der Brust meiner Mutter.

    • Ps 131,2: „Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein entwöhntes [d.h. gestilltes] Kind bei seiner Mutter; wie ein entwöhntes Kind, so ist meine Seele in mir.

    • Ps 103,13: „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt der Herr sich derer, die ihn fürchten.“

  • Güte und Gnade Gottes kennen lernen.

  • Eph 2,8-9: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

  • Joh 6,37: „… wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen.

  • Verstehen, was es heißt, „in Christus“ zu sein (ca. 84-mal im NT!).

  • Röm 8,1: „Folglich [gibt es] jetzt keine Verdammnis (Verurteilung) für die, welche in Christus Jesus sind.

  • 2. Kor 5,17: „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

    • Schuld ist getilgt; verurteilt uns nicht mehr.

  • In Christus sein heißt auch, aus seiner Kraft zu leben.

  • In Christus sein heißt zudem, seinen Willen zu tun.

    • Vgl. 2. Kor 5,15: „Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.

    • Vgl. Römer 8,31-39!

 

Schluss

  • Röm 8,31-39: „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

 


 

Vorherbestimmung, Erwählung, Berufung

Gliederung:

0. Einleitung

1. Begriffserklärungen

2. Gottes Heilswille für alle Menschen

3. „Problematische“ Stellen

4. Warum gehen Menschen verloren?

 

0. Einleitung

  • Frage, ob nur bestimmte Menschen zum ewigen Leben, andere dagegen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt sind.

  • Augustinus (354-430 n. Chr.):

  • Durch die Engel, die mit Satan sündigten, entstand eine Lücke.

  • Gott erwählte bestimmte Menschen zum ewigen Leben, um diese Lücke zu füllen („unwiderstehlichen Gnade“).

  • Unterscheidet sich kaum von der „doppelten Prädestination“.

  • Der Reformator Calvin und vor allem sein Nachfolger Beza vertraten die doppelte Prädestinationslehre.

  • Karl Barth vertrat das andere Extrem: Jesus Christus der einzige erwählte Mensch ist, aber auch der einzige verworfene Mensch (Tendenz zur Allversöhnung).

  • Was sagt die Bibel zu dem Thema „Vorherbestimmung“, „Erwählung“ und „Berufung“? Darauf möchte ich im Folgenden kurz eingehen.

 

1. Begriffserklärungen

  • Erwählung:

  • bachar „erwählen“ (172-mal im AT): „scharf ins Auge fassen, auswählen, vorziehen“.

  • Das Augenmerk liegt im Alten Testament weniger auf die Handlung als solche, sondern vielmehr auf den jeweils Handelnden und den von einer Wahl Betroffenen den „Auserwählten“.

  • Meistens ist Gott selbst der Handelnde bzw. der Erwählende.

  • Israel ist zu einem besonderen Auftrag erwählt (vgl. 5. Mose 4,37; 7,7f.; 14,2).

  • Diese Erwählung ist eine freie Tat der Liebe Gottes und in keiner Weise bedingt durch menschliches Verdienst (vgl. z.B. 5. Mose 7,7f.; 8,17; 9,4-6).

  • Gott hat auch z.B. Jerusalem (vgl. 1. Kön 8,44; 11,13), Zion (Ps 132,13), einen besondere Stätte für den Opferdienst (5. Mose 12,5ff.), König David (vgl. 2. Sam 6,21; 1. Kön 8,16) und seinen Knecht, den kommenden Erlöser (vgl. Jes 42,1ff.), erwählt.

  • Grundlage ist die Liebe Gottes, aber die Erwählung kann man auch „verspielen“.

  • Vgl. 5. Mose 7,7-10: „Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat Jahwe sich euch zugeneigt und euch erwählt – ihr seid ja das geringste unter allen Völkern – sondern wegen der Liebe Jahwes zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat Jahwe euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Sklavenhaus, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So erkenne denn, dass Jahwe, dein Gott, der Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Güte bis auf tausend Generationen denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten, und der denen, die ihn hassen, ins Angesicht vergilt, um sie umkommen zu lassen. Nicht zögert er gegenüber dem, der ihn hasst, ins Angesicht vergilt er ihm!“

  • 5. Mose 10,15-16: „Nur deinen Vätern hat Jahwe sich zugeneigt, sie zu lieben. Und er hat ihre Nachkommen nach ihnen, [nämlich] euch, aus allen Völkern erwählt, so wie [es] heute [ist]. So beschneidet denn die Vorhaut eures Herzens und verhärtet euren Nacken nicht mehr! Denn Jahwe, euer Gott, er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtbare Gott, der niemanden bevorzugt und kein Bestechungsgeschenk annimmt …“

  • Amos 3,2: „Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt [= erwählt], darum will ich auch an euch heimsuchen all eure Sünde.“

  • Vgl. auch Römer 9–11: kein automatisches Heil allein auf Grund der Erwählung.

  • ek-legomai „auserwählen“ im NT:

  • erscheint im NT 22-mal (z.B. Joh 15,16.19; 1. Kor 1,27.28; Eph 1,4), ek-loge „Auserwählung“ siebenmal vorkommt (z.B. Apg 9,15; Röm 9,11; 11,5.7.28) und ek-lektos„auserwählt“ 22-mal (z.B. Mt 22,14; Röm 8,33; 1. Petr 2,9).

  • „eigentliche“ Bedeutung: „für sich heraussammeln“.

  • Betonung liegt auf Gott als dem Erwählenden.

  • Vgl. Johannes 15,16: „Ihrhabt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.

  • Epheser 1,4: „… wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe.“

    • Betonung liegt auf „in ihm“ = in Jesus Christus.

    •  Alle, die durch den Glauben an Jesus gehören, sind Auserwählte.

  • Matthäus 22,14:„Denn viele sind berufen (eingeladen), wenige aber auserwählt (herausgesammelt).

    • kaleo „rufen, berufen, einladen“: bezieht sich an dieser Stelle auf die Erwählung Israels, die allerdings der Einladung zum Glauben an Jesus Christus nicht folgen, wie z.B. Vers 3 zeigt: „Und er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen (Berufenen) zur Hochzeit einzuladen (zu rufen, berufen); und sie wollten nicht kommen.“

    • auserwählt“ = „herausgesammelt“, weil der Einladung gefolgt.

    • die„Berufenen“ sind im NT manchmal mit den „Auserwählten“ identisch: alle, die der Einladung zum Glauben gefolgt sind.

  • ProthesisVorsatz, Plan“ (Röm 8,28; 9,11; Eph 1,11; 3,11; 2. Tim 3,10) = Heilsplan Gottes; protithemi „vorher planen/festlegen“ (Röm 3,25; Eph 1,9).

  • Betonung liegt auf dem Heilsplan Gottes in Jesus Christus (vgl. z.B. Eph 1,9.11 mit Röm 3,25).

  • Vgl. auch Eph 3,11: „… nach dem ewigen Vorsatz, den er verwirklicht hat in Christus Jesus, unserem Herrn.

 

2. Gottes Heilswille für alle Menschen

  • Gott hat alle Menschen geschaffen und ist ein Gott aller Menschen (vgl. z.B. Mal 2,10; Röm 3,29).

  • Gott kennt kein Ansehen der Person (vgl. z.B. Röm 2,11; Eph 6,9; Kol 3,25; 1. Petr 1,17).

  • Er möchte, dass alle Menschengerettet werden.

  • Hes 18,23: „Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, Jahwe, nicht [vielmehr] daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt?

  • 1. Tim 2,3-6: „Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.

  • 2. Petr 3,9: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass jemand verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.

  • Jesus ist für alle Menschen gestorben; alle, die an ihn glauben, werden gerettet.

  • Joh 3,16: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (vgl. auch 2. Kor 5,19-21; Kol 1,19-21).

  • Das Evangelium soll allen Völkern (vgl. Mt 28,18f.) bzw. „jeder Schöpfung“ (vgl. Mk 16,15) verkündet werden (vgl. auch Apg 17,31) mit dem Ziel, dass diese Menschen sich bekehren und Kinder Gottes werden (vgl. Joh 1,12; 1. Joh 3,1f.; 5,12f.).

  • Schlussendlich entscheidet jeder Einzelne, und jeder Einzelne ist für seine Entscheidung verantwortlich.

 

3. „Problematische“ Stellen

  • Zu beachten ist, dass Gottes Heilsplan nicht in seiner Tiefe verstanden werden kann (vgl. z.B. Röm 11,33-36).

  • Einzelne Stellen müssen im biblischen Kontext betrachtet werden.

  • Wir sollten Mut haben, Fragen offen zu lassen: Gott hat zwar „nicht im Verborgenen geredet“ (Jes 45,19; 48,16), aber er ist trotzdem ein „verborgener Gott“ (Jes 45,15).

  • Röm 9,11-13: „Denn als sie [Esau und Jakob] noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit der nach [freier] Auswahl gefasste Vorsatz Gottes [bestehen] bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden –, wurde zu ihr [der Mutter] gesagt: ‚Der Ältere wird dem Jüngeren dienen’; wie geschrieben steht: ‚Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich hasst.’

  • Bei der Erwählung Jakobs vor der Geburt (vgl. 1. Mose 25,23): Keine Entscheidung über ewiges Leben oder ewigen Tod, sondern über Heilslinie.

  • Aber Gott hat doch Esau bereitsvor der Geburt schon gehasst!?

  • Die Aussage erscheint in Mal 1,2f. (ca. 1500 Jahre nach der Geburt Esaus!) und bezieht sich auf die Edomiter.

  • Begründung: Sie haben die Israeliten ungerecht behandelt (vgl. Hes 25,12f.; 35,5f.14f.; Ob 10f.). Gott sagt: „Wer euch antastet, der tastet meinenAugapfel an“ (Sach 2,8; vgl. 5. Mose 32,10).

  • Röm 9,17: „Denn die Schrift sagt zum Pharao: ‚Eben hierzu habe ich dich erweckt (oder: bestehen lassen), damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.’

  • Gott verstockte das Herz des Pharao (vgl. 2. Mose 9,12; 10,[1.]20.27; 11,10; 14,8[.27]; vgl. 2. Mose 4,21; 7,3), nachdem Pharao sein Herz verhärtet hatte (vgl. 2. Mose 7,14; 8,11.28; 9,7.34).

  • Strafgericht galt auch den Göttern der Ägypter (2. Mose 12,12).

  • Vgl. auch Bild vom Töpfer in Röm 9,21 (Jer 18,6).

  • Eph 1,4: „Denn in ihm Jesus Christus hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten.“

  • Betonung liegt dem Kontext nach auf dem „in ihm“, nämlich in Jesus Christus.

  • Wer die einladende Botschaft annimmt, gehört zu den Auserwählten (vgl. auch Röm 8,29-30).

  • Paulus und Petrus sprechen auch vom „Vorherwissen/Vorhererkennen“ Gottes (Röm 8,29; 11,2; 1. Petr 1,2.20; vgl. 2. Petr 3,17), dem die Aussonderung durch die Wiedergeburt und die Heiligung folgt (vgl. Röm 8,29-30).

 

4. Warum gehen Menschen verloren?

  • Hosea 5,3-4.10: „Ich selbst habe Ephraim erkannt = erwählt, und Israel ist nicht vor mir verborgen. Denn nun hast du Hurerei getrieben, Ephraim; Israel hat sich unrein gemacht. Ihre Taten gestatten ihnen nicht, zu ihrem Gott umzukehren. Denn der Geist der Hurerei ist in ihrem Innern, und Jahwe erkennen sie nicht … Die Obersten von Juda sind geworden wie [solche], die die Grenze verrücken. Über sie schütte ich meinen Grimm aus wie Wasser.“

  • 2. Kor 4,3-4: „Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es [nur] bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.“

  • Matth 13,25: „Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg.

  • Vgl. auch z.B. Röm 1,18ff.: Weil der Mensch Gott verworfen hat, hat Gott ihn verworfen.

  • 2. Kor 5,19-20: Gott war „in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst, rechnete ihnen ihre Übertretungen nicht an und hat unter uns das Wort von der Versöhnung gelegt. So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: ‚Lasst euch mit Gott versöhnen!’“

  • Hebr 4,7:Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“

  • Der Mensch entscheidet selbst über sein ewiges Schicksal! – Keine Relativierung der Souveränität Gottes.

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