Die Geistestaufe - Was wird hierbei angezapft?

Die Geistestaufe - Was wird hierbei angezapft?

von Rudi Holzhauer

Die sog. "Geistestaufe", die uns nach pfingstlerischer Auffassung als heilsnotwendige Erfahrung angeboten wird, ist nichts anderes als ein schwarmgeistiges Gefühlserlebnis, das mit dem biblischen Begriff von 1Kor 12,13 nicht identisch ist. Dort heißt es: Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft (nicht zu einem Erlebnis!), wir seien Juden oder Griechen, Unfreie oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Wann dies geschah, sagt Paulus in Eph. 1,13 u. 14: In Ihm (Christus) seid auch ihr, da ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der verheißen ist. Und wer dies tat, sagt Paulus auch, und zwar in 2Kor 1,21 u. 22: Gott ist‘s aber, der uns befestigt samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat. Diese Schriftworte bezeugen ganz klar:

a) Alle Glaubenden, nicht nur "Gabenträger", sind in einen Leib (das ist die Christuskörperschaft) hineingetauft. Das ist biblische Geistestaufe: hinein in die Körperschaft Christi.
b) Dies geschah, als wir gläubig wurden und nicht in einem nachträglichen überwältigenden Gefühlserlebnis!
c) Diese geistige Handlung vollzog Gott selbst und nicht ein irgendwie scheinbevollmächtigter Charismatiker, der erlebnishungrigen, aber bibelunkundigen Personen die Hände auflegte! An diesen Stellen scheiden sich die Geister!

Die Taufe durch den, oder besser in den Heiligen Geist ist nicht eine von der Person Jesu Christi losgelöste Erfahrung, sie ist das mit der Wiedergeburt begonnene Leben Jesu in unserem sterblichen Leibe! Wir differenzieren zwischen der Taufe in den Heiligen Geist und einer Erfüllung mit dem Heiligen Geist: Die Taufe in den Heiligen Geist vermittelt eine neue Stellung. Sie gliedert uns ein in den Christus (1Kor 12,14-26).
Die Erfüllung mit dem Geist gibt eine neue Kraft und Ausrüstung zum Dienst für den Herrn (Apg 6,1-6?; 1Kor. 2,4).
Zur Taufe in den Heiligen Geist können wir nichts beitragen. Sie ist reines Gnadengeschenk Gottes wie auch unsere Errettung (Eph 2,8). Zur Erfüllung mit dem Geist gehört das Bleiben in Christus, das Vertrauen zu Ihm und der Gehorsam gegenüber seinem Wort (Eph 5,15-20). Die Taufe in den Heiligen Geist ist ein einmaliges Geschehen am Anfang unseres Glaubenslebens. Die Erfüllung mit dem Geist kann sich immer neu vollziehen, wie es auch die Apostelgeschichte darstellt (Apg 4,8; 4,31; 7,55; 13,9; 13,52). Die Taufe in den Heiligen Geist ist unverlierbar, solange wir in Christo bleiben. Er, der Heilige Geist, bleibt bei uns für den Äon (so wörtlich in Joh 14,16-17 oder auch 1. Joh 2,27a). Die Erfüllung mit dem Geist kann man dagegen durch Untreue, Ungehorsam, Ichsucht und Weltliebe wieder verlieren (Hebr 3,12?; 6,4). Wenn unser Inneres mit anderen Dingen erfüllt ist als mit Christus und seinem Wort, zieht sich der Heilige Geist wegen ›Platzmangel‹ zurück. Unser Leben wird friede-, freud- und fruchtlos. Es kann uns ergehen wie jenem Menschen, den Paulus um seiner Sünde willen dem Satan übergeben musste zum Verderben des Fleisches, damit sein Geist am Tage des Herrn Jesu gerettet werde (1Kor 5,5).

Durch ein falsches Verständnis der sog. ›Geistestaufe‹ ist so etwas wie eine ›Charismanie‹ entstanden. Der Reiz der übernatürlichen Erfahrung zieht viele an und erzeugt eine ungesunde Sucht nach dem Außerordentlichen. Man fühlt sich nur mehr in der Gegenwart des Herrn gesegnet, wenn das ›Sensationelle‹ geschieht: Bei Botschaften Jesu, bei Zeichen und Wundern. Das Greif-, Spür- und Sichtbare wird zum Primären. Das alles ist menschlich verständlich, das ›Wunderbare‹ ist nun mal des Glaubens liebstes Kind –, es geht aber nicht an, dass diese Dinge als die höchste Glaubensstufe gewertet werden. Man sagt z.?B.?: Wie sich ein Bekehrter vom Weltmenschen unterscheidet und ein Wiedergeborener vom Bekehrten, so unterscheide sich der sog. ›Geistgetaufte‹ vom ›nur Wiedergeborenen‹. Dabei entsteht zwangsläufig ein ungeistliches Elitedenken, das nicht schriftgemäß ist. Wenn wir schon Unterscheidungsmerkmale aufstellen, dann nur zwischen Kindlein, Jünglingen und Vätern in Christo, oder zwischen fleischlichen, seelischen und geistlichen Gläubigen, wie es die Schrift tut.

Schwärmer haben die Neigung, ihre ›Heilsgewissheit‹ und ihre Taufe mit dem Heiligen Geist mehr auf subjektive Erfahrung aufzubauen als auf die Zusagen Gottes in seinem Wort (Joh 5,24). Unsere noch so überschwänglichen, ergreifenden Erfahrungen und Erlebnisse sind anfechtbar, wenn sie uns nicht allein an den gekreuzigten und auferstandenen Christus binden und uns in Beugung, Demut und Bußgesinnung halten. Der Beweis dafür, dass unsere Gotteserfahrung echt ist, kann nur durch die völlige Lösung von unserer alten Ich-Natur erbracht werden. Auf dieser Grundlage können erst Früchte des Geistes erwachsen (Gal 5,22).
Ein bekannter Charismatiker schrieb: »Wenn unsere religiösen Erfahrungen nur den seelischen Bereich unseres Lebens ausfüllen und nicht den ganzen Menschen ändern, sind sie keinen Pfifferling wert. Die Psychologen werden uns solche ›sicheren‹ Erfahrungen auseinander nehmen und mit Recht auf unseren seelischen Erlebnisdrang zurückführen, denn im NT kommt das Wort Enthusiasmus überhaupt nicht vor.«

Und O. Chambers sagt: »Johannes spricht von der Taufe durch den Heiligen Geist nicht als von einer Erfahrung, sondern von einem Werk, das durch Jesus Christus vollbracht wird?: Er wird euch taufen … Die einzige bewusste Erfahrung, die diejenigen machen, die mit dem Heiligen Geist getauft werden, besteht in dem Gefühl, gänzlich unwürdig zu sein.«

Haben wir eine ungefähre Vorstellung davon, welche Geisteskräfte es sind, die nach einer sog. ›Geistestaufe‹ mit Ohnmächten, Kraft durch Strömungen, ekstatischen Reden, Visionen und gar mit Entrückungen bis in den ›dritten Himmel‹ antworten??
Bei der ›pfingstlichen Geistestaufe‹ werden zweifellos andere Quellgebiete angezapft als die, in denen der Heilige Geist zu Hause ist. Ich habe es leider erleben müssen, dass gewisse ›Gabenträger‹ mit Hilfe ihrer Charismen ihre fleischlichen Streitigkeiten austrugen, sich gegenseitig eines falschen Geistes bezichtigten und einer gegen den anderen Offenbarungen erhielt. Gesicht stand gegen Offenbarung, Zungenrede gegen Gesicht, und die an sich schon kleinen Gemeinden wurden immer wieder gespalten. Wenn echte Geistesgaben schon nicht geistlich machen – siehe Korinthergemeinde, sie war nach dem Zeugnis des Paulus die fleischlichste und am tiefsten stehende –, was bewirken dann erst Pseudocharismen???!
Einer der gefährlichsten Trugschlüsse, dem die Gabenvermittler weithin verfallen sind, ist die Meinung, zum Empfang der Charismen müsse man seinen Verstand ausschalten. »Sei ganz passiv und lass dich fallen« ist ihre Devise, »nur dein Verstand ist dem göttlichen Wirken im Wege.« Die Bibel aber sagt das Gegenteil?: Werdet nicht unverständig, sondern verständig, um zu erkennen, was des Herrn Wille sei (Eph 5,17). Wie aber soll ein Unverständiger die Geister prüfen?? Diese wichtige Gabe der Unterscheidung haben doch nur solche, die klar schriftgebunden sind und die ihren von Gott gegebenen Verstand erneuert, bewahrt und geistlich ausgerichtet haben. »Werdet nicht Kinder am Verstand«, sagt Paulus in 1Kor. 14,20.

Charismatiker sind deswegen so gefährdet, weil sie unter Ausschaltung ihres Verstandes sich von unkontrollierbaren Eingebungen leiten lassen, die sie für Wirkungen des Heiligen Geistes halten. Aus der nötigen Prüfung und Selbstkritik wird uns Gottes Geist aber niemals entlassen. – Eine traurige Erfahrung ist, dass Schwärmer unbelehrbar sind. Die sog. ›Geistestaufe‹ bewirkt einen okkulten Verriegelungseffekt, dadurch erhalten sie die ihnen eigene starre Selbstsicherheit und ein übersteigertes Sendungsbewusstsein, das sich, nicht einmal durch schwere Entgleisungen erschüttern lässt. Geistliche Bescheidenheit ist keine Stärke der Charismatiker.
Schwärmer pflegen ihre Erfolge im Gedächtnis zu behalten, ihre Irrtümer und Fehlschläge aber zu ignorieren und zu vergessen. Der Schwarmgeist vernebelt nicht nur den Verstand, sondern auch das gesunde Urteilsvermögen. Im Zustand ekstatischer Erregung ist man schlechthin urteilsunfähig. Die subjektive oder kollektive Hochstimmung verklärt wie in einem Rauschzustand alle abgründigen Erscheinungen, wie Stöhnen, Schreien, widerliches Lachen, das Sich-auf-dem-Boden-Wälzen entzückter Personen und das babylonische Durcheinander der enthusiastischen Versammlungen. Aus diesen Tatsachen erklären sich alle verharmlosenden Stellungnahmen pfingstlicher Berichterstatter zu Vorkommnissen, die von nüchternen Beobachtern als dämonisch empfunden werden. Wo gab es solche Zustände in der Urgemeinde??

Als überaus beängstigend und befremdlich habe ich eh und je die jeder Selbstbeherrschung bare Gebetspraxis in Pfingstversammlungen empfunden. Ein derartiges seelisches Sich-Gehenlassen gleitet in der Regel in einem hysterischen Galopp meistens in unverständliche Laute, die sog. ›Zunge‹, über. Nach den Aussagen des Herrn und der Apostel haben wir aber auch über unsere Gebete zu wachen, ganz besonders in der Gemeinschaft der Heiligen. Paulus sagt: Haltet an am Gebet und wachet in ihm mit Danksagung (Kol 4, 2). Oder Petrus: So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet (1Petr 4,8). Nüchernheit und Wachsamkeit sind Schwerpunktanweisungen des NT. Wer sich im Gebet seinen frommen Gefühlen, Wünschen und Vorstellungen hingibt, wird bald von einem Schwarmgeist erfasst, weggetragen und die Kontrolle über sich selbst verlieren. Der Heilige Geist dagegen schenkt ein zuchtvolles, geheiligtes Beten vor Gott, das auch andere erbaut und durch ein bestätigendes »Amen« von allen bekräftigt werden kann.

Einer meiner damaligen Freunde, ein ehemaliger Spiritist und späterer Lorberianer, der gläubig wurde und alle Gaben besaß, einschl. des automatischen Schreibens, sagte einmal zu mir:

Die meisten Pfingstler wissen nicht, dass durch die sog. Geistestaufe der Vorhang zur jenseitigen Welt gewaltsam aufgerissen wird, und dass durch diese Öffnung auch alle Dämonen und Geister Zutritt haben. Nebenbei bemerkt, bedarf der Heilige Geist solcher Öffnung nicht, Er wirkt wann, wie und wo Er will und nicht zu unserer, sondern zu seiner Zeit.

Pastor Paul, einer der führenden Männer der alten Pfingstbewegung, schrieb einst: »Mit dem Einsetzen der Pfingstbewegung haben sich der Himmel und die Hölle gleichzeitig aufgetan …« Das entsprach damals auch unserer Ansicht. Heute bin ich der Ansicht, dass es sich ausschließlich um Offenbarung finsterer Mächte handelte, die sich als Lichtsgestalten zu verkleiden vermochten, um das fromme Fleisch des begehrlichen und seelischen Menschen besser ansprechen und aufwerten zu können. Kann aus einer Quelle Bitteres und Süßes kommen?? (Jak 3,12.)

Gottes Geist vermischt sich nicht mit seelischem und dämonischem Wesen. Er zielt auf unser Herz und weist uns auf den Erniedrigungs- und Leidensweg des Christus.
In diesem Zusammenhang kann ich es nicht unterlassen, eine für jeden aktiven Charismatiker peinliche Frage zu stellen, der auch ich nicht ausweichen konnte. Es mag durchaus sein, dass nicht jeder im charismatischen Raum beheimatete Glaubende derartig durchgreifende Unheilserfahrungen macht, wie ich sie erlebt und geschildert habe. Eines aber wage ich zu sagen: Jeder von ihnen ist irgendwann und irgendwo, und das nicht nur einmal, von der Tatsache überführt worden, dass er entweder bei sich selbst oder bei anderen ›Gabenträgern‹ erkennen musste, mit dem Truggeist konfrontiert zu sein; es sei, dass eine Botschaft nicht stimmte, ein Gesicht in die Irre führte, eine Offenbarung nicht eintraf, eine ›Zunge‹ Fluchworte enthielt, oder dass nach einer Handauflegung oder einer sogenannten ›Geistestaufe‹ dämonologische Erscheinungen auftraten, oder gar Menschen nach körperlicher Heilung seelisch krank wurden. Wie zieht sich hier der Charismatiker aus der Affäre? Natürlich wird er niemals zugeben, dass er selbst Opfer eines Geisterbetruges wurde. Was nicht sein darf, »das kann auch nicht sein«.
Die Antwort auf diese wichtige Frage möchte ich durch einen prominenten Vertreter der neuzeitlichen Befürworter der charismatischen Bewegung geben lassen, und zwar von dem durch seine sachkundigen Bücher bekanntgewordenen Mediziner und Psychiater Dr. Wolfhard Margies. Leider ist es ihm, wie den meisten Pfingstlern, nicht gegeben, über seinen, vom pfingstlichen Schriftverständnis überkommenen Schatten zu springen. Trotzdem ist seine Antwort aufschlussreich und typisch. Im zweiten Band seines Werkes »Heilung durch Sein Wort« schreibt er in dem Abschnitt »Die Bewertung der Psychose in der christlichen Seelsorgeliteratur« auf den Seiten 209/210 folgendes:

Das Dämonische liebt die Verstellung und die Lüge und möchte seine wahre Natur nie preisgeben. Aber von dem Augenblick an, wo Gottes Geist durch Gehorsam, Erfahrung der Geistestaufe, Anbetung und Demut die psychischen Schichten des kranken Christen unter seine Herrschaft zu nehmen beginnt, werden die dort ruhenden Mächte mobilisiert und von dem Seelsorger, sowie auch von dem Kranken selbst, erkannt. So nimmt es nicht wunder, dass die Entlarvung der Psychose als ein Zustand dämonischer Besetzung immer dort erfolgt, wo Gottes Geist weiten Raum bekommt; so z.B. in den Erweckungsbewegungen, in den gesunden Anteilen der Pfingstbewegung und in der charismatischen Bewegung.

Das klingt bestechend; aber es ist im Grunde auch nur das Postulat eines Charismatikers, der den Versuch macht, den abgründigen Erscheinungen im charismatischen Umfeld mit medizinischer Gewandtheit und geistlicher Spekulation einen seriösen Mantel umzuhängen. Immerhin gibt Dr. M. erstaunlicherweise indirekt zu, dass es auch ungesunde Anteile in der Pfingstbewegung gibt. Das ist bemerkenswert!

Ein gebildeter und überzeugter Charismatiker wie er wird nie zugeben, dass durch pfingstliche Praktiken und Erfahrungen, wie die sog. ›Geistestaufe‹, psychische Störungen, sog. Psychosen, auftreten können; das ist nur zu verständlich. Folglich muss eine plausible Erklärung gefunden werden. Sie liegt nicht allzu weit neben jener rational-wissenschaftlich-medizinischen, nach der ein psychisch und nervlich Kranker, der aktiven Okkultismus betrieben hat, nicht deswegen erkrankte, weil er Zaubereisünde beging, sondern: »er betrieb okkulte Praktiken, weil eine vererbte Geistesverwirrung oder psychische Störung seit Generationen vorlag«. Ursache und Auswirkung werden einfach ausgetauscht. So einfach scheint das zu sein.
In dem zitierten Abschnitt wird der Versuch gemacht, die nach der Erfahrung der sogenannten ›Geistestaufe‹ möglicherweise auftretenden Psychosen dem vorherigen Vorhandensein einer dämonischen Besetzung zuzuschreiben. »Weil Gottes Geist weiten Raum bekommt und die dort ruhenden Mächte mobilisiert?!« (Wo steht eigentlich so etwas geschrieben?) Nach der Schrift und nach meiner und vieler anderer Erfahrung muss dort, wo Gottes Geist wirklich weiten Raum bekommt, die Finsternis weichen! Wie verträgt sich Christus mit Belial? Was hat das Licht zu schaffen mit der Finsternis? (2Kor 6,14) und was der Geist Gottes mit dem Irrgeist zu schaffen? Es ist vielmehr so, dass dort, wo Schwarmgeist auf vorhandene belastende Elemente trifft, eine unheilvolle Verbindung entsteht, da wird – im Bilde gesprochen – Öl ins Feuer gegossen und der Brand wird um so größer.

Das strittige Problem löst sich erst dann, wenn wir einmal durch Gottes Gnade und durch sein Wort erkannt haben, dass wir es beim ›Pfingstgeist‹ nicht mit dem Heiligen Geist, sondern mit einem Schwarmgeist zu tun haben, der in Verstellung sich als Heiliger Geist ausgibt. Der von der Tiefenpsychologie geprägte Begriff der sog. ›ekklesiogenen Neurose‹ wurde in psychiatrischen Kliniken zu einem ärgerniserregenden, aber geläufigen Erscheinungsbild. Dies kann so nur im Zusammenhang mit der rasanten Zunahme der schwarmgeistigen Bewegungen gesehen und beurteilt werden. Die Nöte, die durch schwarmgeistige Lebensführung entstehen, schreien buchstäblich zum Himmel. Davon wissen nüchterne Seelsorger ebenfalls ein trauriges Lied zu singen. Ein ›Glaube‹, der nervlich und seelisch belastet und krank macht, ist ein Widerspruch in sich selbst und kein Zeugnis für unseren Herrn Jesus Christus und das Werk seiner Erlösung. Es ist schon eine Tragik ohnegleichen, den Feinden Christi und Gottes solcherart Ursache zum Kampf gegen die Gemeinde Jesu zu geben.

Hier erhebt sich eine nicht unberechtigte Frage: Warum erleben nicht alle vom Schwarmgeist erfassten Personen die letzte Unheimlichkeit des Geisterbetruges? Darauf gibt es mehrere Antworten. Zwei aus meiner Erfahrung gewonnenen seien kurz genannt:
a) Weil viele um ihrer Aufrichtigkeit willen noch unter der bewahrenden Gnade stehen. Ihnen ist die Gabe des Christus und seines Wortes wichtiger als subjektive Erlebnisse. Es bleibt ihnen der Sinn für das Vorrangige.
b) Weil nicht alle unter dem Einfluss betrügerischer Geister stehenden Personen diesen Mächten so gehorsam sind, wie diese es wünschen, und zwar, weil sie nicht den Mut haben, den beschrittenen (Pfingst-)Weg bis zur letzten Konsequenz zu Ende zu gehen.

Wie der Ungehorsam dem Heiligen Geist gegenüber die Fülle der Gnade und des Segens bremst und hindert, so bewahrt die nicht völlige Hingabe an den Irrgeist vor den letzten schlimmsten Folgen. – An sich gesunde, aber überängstliche Personen reagieren oft auf übersinnliche Erscheinungen wie Zungenreden, Kraftdurchströmungen, Visionen oder Hören von Stimmen mit unangenehmen Gefühlen, bis hin zu Schockwirkungen und Angstkomplexen. Diese Furcht ist als natürlicher Schutzfaktor zu bewerten. Gelingt es den sogenannten Gabenvermittlern nicht, diese Komplexe durch entsprechende Belehrung zu kompensieren, können auch seelische oder nervliche Schäden entstehen (plötzliche Neurosenbildung). Für die der Geisterwelt offenen oder für sanguinische Typen gibt es dagegen keine ›Probleme‹; sie reagieren mit freudigem Enthusiasmus, weil sie der Überzeugung sind, nun endlich den Gnadenstand der ›Geistesfülle‹ erlangt zu haben.

 

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