Besuch beim Hauskreis des Grauens

Zu Besuch beim Hauskreis des Grauens

Im Zeitalter der parasitären Vermehrung der "Freikirchen", die im Grund doch eher Sekten sind, bin ich schon einiges gewöhnt. Man denkt immer: Es gibt nichts neues unter der Sonne und kennt schon die üblichen Abgründe der sog. Evangelikalen. Aber: Schlimmer geht´s immer. Ich weiß nicht, entweder trägt man die Bibel nur herum und liest sie nie, oder man hält sie verkehrt herum ? Jedenfalls ist von dem, was Gottes Wort uns sagt und als Massstab vorgibt, im christlichen Establishment nicht viel zu sehen. Es ist wohl wie zu Zeiten Jesu mit den bibeltreuen Gesetzeslehrern und Pharisäern, daß diese freilich die religiöse Elite war - wenn sie menschliche auch eher toten Gräbern glichen. Solche christliche Gemeinde-Friedhöfe existieren heute zu Hauf. Zwar gibt es mehr Bewegung als auf einem durchschnittlichen Friedhof, aber das scheinen dann doch eher die letzten Zuckungen der schon Verstorbenen zu sein.

Die geistliche Lage in K. ist trotz, oder gerade wegen der vielen Freisekten, eher unterirdisch. 1,8m unter der Erde - um genau zu sein. Aber man macht sich ggf. doch noch Hoffnung, daß man Christen trifft, die noch eine Seele im Leib haben. Jedenfalls bekam ich "Kontakt" zu einem Vermittler zu diesem super-exklusiven Hauskreis. Man kann da nicht einfach so kommen. Es wird erst geschaut, ob ein Anwärter nicht etwa die Schafe (eher geschminkte Wölfe) zu sehr mit Wahrheit belastet. Nach diversen Mails wurde dann ein erstes Treffen arrangiert. Ein S. (es gibt 2 davon) holte mich mit dem Auto ab und wir fuhren dann los. Angekommen gab es noch hektische Telefonate und unter dem Geschrei der Europameisterschaft (Fußball) saß man dann so am Tisch. Insgesamt waren 3 Menschen dieses Hauskreises zugegen. Der S. redete aber nicht viel.

Es war ein Mann dabei: Alter ca 55 und eine Frau: Alter ca 40 Jahre. Die Frau war mit einem engen roten und bißchen längeren Minirock gekleidet und einem weitem Ausschnitt. Also nicht wirklich gerade so, wie Gott sich eine Frau wünscht. Aber das Wesen der Frau stand dem Rock in nichts nach.  Der Mann war normalistisch unauffällig gekleidet.

Vorab sagte der vermittelnde andere S., daß "ein wenig Sauerteig" alles durchsäuert, und die Gemeinden seien auch alle nicht das Wahre. Aber wer konnte schon ahnen, daß man gleich einen ganzen Sauerteig vor sich hatte, als nur ein wenig. Es wurde also schon vorab ein gewisser Exklusivismus propagiert.

Die Harmonie war eigentlich gleich vorbei, als das Thema Frau aufkam. Bis dann hielt sich der Mann eher im Hintergrund. Im Grund hatten wir keinen handfesten Streitpunkt, aber sie konnten einfach meine Einstellung zur Heiligung nicht verwindet. Dann tat der Mann doch noch den Mund auf und ich dachte nur, ist das nun die Negation salomonischer Weisheit ?

Als ich sagte, daß ich in eine m. Gemeinde ginge, dann fing die Schimpferei über die scheins bösen bösen M. an, und hast Du nicht gehört und überhaupt. M. also ganz furchtbar. Die Frau meinte, ob es nicht die wären, die so viele Frauen hätten. Und ob man noch Kutsche fährt. Ab da war ich dann ein M. und schon aufgrund dessen völlig auf dem falschen Weg. Dabei sind die meisten M. geistlich auch ca 1,8m tief zu suchen.
Der Mann meinte er habe es 40 Jahre als Christ nicht geschafft Frauen nicht zu begehren ABER jetzt sei er verheiratet. Zudem schaue er sich auch im Sommer die Frauen genau an, sie sind ja so schöne Geschöpfe Gottes. Genau - nackt wie im Paradies. Bei allen Themen die auch nur in Verdacht standen, das Thema Fleisch anzusprechen, gab es dann große Aufregung.
Dann fing der Mann an zu erzählen WAS er nicht alles sei und wäre. Wahrscheinlich dienen im sogar die Engel - könnte man meinen. Er habe ein sooo große Firma mit 150
Beschäftigten. Er habe ein Schloß mit 28 Zimmern, einen Hubschrauber und einen Ferrari. Ok - ich gab mich angesichts meines Konto-Standes geschlagen. Aber ich war auch nicht so sehr an Hubschraubern und Autos interessiert. Später zeigte er mir auch Bilder des Autos etc. Überhaupt  - warum trägt jemand irgendwelche Bilder mit sich herum um zu "beweisen" was einem nicht alles gehöre ?!

Von Jesus hatte er zwar kein Bild dabei, aber auch in dem Punkt hätte er viel mehr vorzuweisen als ich. Seine Beziehung wäre jedenfalls besser als meine. Aha - wie man das so schnell sieht. Und bei mir sähe es da gaaanz schlecht aus. Ein Fall für die geistliche Notaufnahme mit Handauflegung also. Überhaupt wäre ich ein Narr, eine Witzfigur und andres. Dabei war ich am Tisch weder ausfällig noch sonderlich gereizt.  Es war alles doch eher ein skurriles Szenario. Ich wartet eigentlich nur darauf, daß jemand mit der versteckten Kamera aus dem Gebüsch springen würde, aber der kam bis zum Ende nicht. Halluzinogene Drogen nehme ich auch keine - mußte als doch real sein.
Weiter sei er ein hochangesehener Rabbi mit eigener Synagoge. Frau Dr. Angela Merkel kenne er auch. Von Dr. Angela als ehemalige (?) FDJlerin und im Führungskader für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften der DDR hätte er sich doch mehr abschauen sollen.

Als ich nach Details fragte, wußte er gleich nicht weiter und übergab an seine Frau. Die zog sich dann die "Details" wohl aus den Fingern und formulierte so schwammig, daß sie auch gleich nichts hätte sagen brauchen. Im Grund waren sie eher fromm antichristlich. Jedenfalls glaubten wir geistlich gesehen nicht an den selben Gott.

Dann erzählte er ein Geschichte von seinem angeblichen Sohn, dem S. Wie toll er doch Vorbild und Zeugnis war und daraufhin seine Frau damals zu Gott gefunden hätte, also das Paradies auf Erden. Dumm nur, daß S. schon vorher mir erzählt hatte, wir kamen auf das Thema, das seine Ehe wohl kurz vor dem Ruin stehe und seine Frau auf Abwegen wäre. Also liebe Sekte, einen Tipp für die Zukunft: Sprecht euch doch wenigstens ab.

Achso ja - geheilt hatte er auch schon viele Menschen. Ein Blinde wurde sehend und eine Tote hatte er sogar zum Leben erweckt.  (alle Angaben ohne Gewähr)

Im Kontext dieser Skurrilität fiel mir dann noch ein Gespräch mit dem Vermittler des  Hauskreises ein. Dieser traf einen Führer einer anderen Sekte in Karlsruhe und machte einen Test mit ihm. So sagte er es halt. Er fragte ihn, was er seiner Frau raten täte, würde der Chef der Frau ihr an an Hintern langen. Daraufhin sagte der andere Sektenmensch, daß er sofort ihr raten würde zu kündigen. Diese Aussage war dann scheinbar Anlaß genug, den Test als nicht bestanden anzusehen. Weil: Es sei doch normal, daß Sünder so was tun. Aha, alles normal also.
Wenn wir schon dabei sind, dann wäre noch zu erwähnen, daß der supergeistliche Mann auch seiner Frau öfters an den Hinter gelangt hat.

Falls sie also mal einem Hauskreis begegnen sollten, der in einem Schloß stattfindet, vor dem ein Ferrari und ein Dr. Angela mit dem Hubschrauber angedüst kommt, dann rate ich Ihnen: Gehen Sie da lieber nicht hin.

 

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